Gießen

Garten: Was tun, wenn der Regen ausbleibt?

Regenmesser
Marianne Scheu-Helgert
am Donnerstag, 07.05.2020 - 12:29

In der vergangenen Woche hat es in einigen Teilen Bayerns geregnet, in anderen nicht. Trotzdem fehlt den (Garten-)Böden immer noch Wasser. Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie erklärt, wie man sinnvoll gießt.

Setzlinge-Angießen
Das Trockenjahr 2018 und auch die Sommerhitze 2019 bleiben bei vielen Gartlern in Erinnerung. Obwohl man nach der Regenmenge heuer im Februar – mit über der Hälfte des Monatssolls zusätzlich – schon Hoffnung schöpfte, brachte der März nur die Hälfte der gewohnten Niederschläge. Und im April bekamen nur wenige Orte über Ostern zumindest maximal 10 Liter Wasser. In Südbayern regnete es zwar etwas mehr als im Norden, insgesamt aber trotzdem zu wenig. Und womöglich bleibt die Welt weiterhin ungerecht: Für die erste Maihälfte versprechen die Wettervorhersagen für München insgesamt gute 30 Liter, für Würzburg gerade mal 7 Liter.

Ein Regenmesser hilft indirekt beim Gießen

Für jeden Gartenfreund ist ein Regenmesser Pflicht. Er hilft abzuschätzen, wie viel Wasser die Kulturen im Garten zusätzlich brauchen. Pro Tag mit durchwachsenem Wetter und mittlerer Temperatur verbraucht ein „normales“ und bereits mit dem Grün der Kulturen bedecktes Gemüsebeet etwa 3 l je m², damit sich die Pflanzen gut weiterentwickeln.
Das gilt für halbwüchsige Möhren ebenso wie für Kartoffeln im Hauptwachstum oder erntereifen Kohlrabi. Kulturen, die weniger Wasser bekommen, bilden kleinere Knollen, wachsen gedrungen oder Schießen vorzeitig. Die Ernte von solchen Beeten ist oft nicht zufriedenstellend: Der Rettich ist zäh, Radieschen scharf und der Salat leicht bitter.

Regeln für das Gießen

Damit die Kulturen im Gemüsegarten gedeihen, kommt man am Wässern oft nicht mehr vorbei. Hier gelten wie bisher die altbewährten Gießregeln:

  • Selten, dafür viel gießen: Am meisten Wasser verschwendet der alltägliche Gewohnheitsgießer, denn: Wässert man seine Beete täglich mit den benötigten 3 l Wasser je m² (= 10 Literkanne für 3 m²), dann dringt das Wassers nur 3 cm tief in den Boden ein. Dort sind erstens kaum Wurzeln, zweitens rechnet man bei jedem Gießgang mit einem Verdunstungsverlust von 1 bis 2 l – auch bei gemulchten Beeten.
Besser: Wer morgens gleich nach dem Aufstehen 10 l auf je 3 m² verteilt und nach dem Frühstück nochmals, hat schon 6 l je m² verteilt. Nach einer erneuten Wiederholung hat man schließlich 9 l je m² verteilt, die dann bis auf 10 cm einsickern – dafür ist übrigens der etwas längere Zeitraum nötig. Profis hören mit dem Gießen meistens erst nach 15 bis 20 l je m² auf. Dadurch erhalten die Pflanzen mindestens 8 l je m², wenn man die Verdunstungsverluste berücksichtigt.
Das wichtigste: Nach solchen Gießaktionen braucht man mehrere Tage nicht zu gießen. In „normalen“ Zeiten reicht es, nur am Wochenende ordentlich zu gießen. In extrem trockenen Sommerwochen braucht es diese „Gießroutine“ zweimal pro Woche.
  • Morgens wässern: Wer morgens auf kalte Böden gießt, hat geringere Verdunstungsverluste im Vergleich zum abendlichen Gießen. Das Wässern am Morgen bremst auch die Entwicklung der Schnecken – die hätten es für ihre nächtlichen Streifzüge lieber abends feucht.
  • Direkt gießen: Wer mit der Gießbrause nur im Wurzelbereich direkt auf den Boden gießt, verschwendet kein Wasser oder benetzt unnötig Blätter und Wege, die gerade kein Wasser brauchen.

Hier lohnt sich das Gießen im Garten jetzt besonders

Zusätzlich zu den Gemüseanpflanzungen brauchen jetzt neu gepflanzte Stauden und Gehölze unbedingt Wasser. Ihre Wurzeln reichen noch nicht in die Tiefe, wo sie vielleicht Wasser finden würden. Wer diese nicht gießt, riskiert den Ausfall der teuren und aufwändig produzierten Pflanzen – Wasser sparen ist hier fehl am Platz! Besonders dankbar sind jetzt auch Erdbeeren, deren Blüte beginnt, und demnächst dann Himbeeren, die auch schon recht weit entwickelt sind. „Durstige“ Erdbeeren und Himbeeren setzen jedenfalls viel weniger und auch kleinere Früchte an als gut gewässerte Exemplare.