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Gesundheitsvorsorge

Früherkennung bei Prostatakrebs: Ein Für und Wider

arztgespraech-patient: Ein mittelalter Mann sitzt einem Arzt gegenüber an einem Schreibtisch im Behandlungszimmer.
Christine Schmid
am Dienstag, 13.09.2022 - 15:55

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern, aber nicht die häufigste Todesursache. Meist tritt er in höherem Alter auf und wächst langsam. Früh erkannt, lässt er sich oft gut entfernen – doch nicht immer ist das nötig. So sollten Männer vorsorgen.

Bei der gesetzlichen Prostatakrebs-Früherkennung untersucht der Urologe das männliche Geschlechtsorgan, tastet die Lymphknoten der Leiste und die Prostata selbst vom Enddarm her auf Entzündungen, Vergrößerungen oder Wucherungen ab. Einige Männer empfinden dies als unangenehm, selten als schmerzhaft. Wie bei anderen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen scheiden sich auch bei der Prostata die Geister hinsichtlich Nutzen und Sinn.

Darum kann die Prostata im Alter Probleme machen

Prostata-Krebs-Vorsorge-Früherkennung

Die Prostata, auch Harnblasen- oder Vorsteherdrüse genannt, ist bei jungen Männern eine etwa kastaniengroße Drüse. Sie sitzt direkt unterhalb der Harnblase, umschließt ringförmig die Harnröhre und grenzt an der Rückseite an den Enddarm. Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das beim Samenerguss abgegeben wird und sich mit den Samenzellen vermischt. Es sorgt dafür, dass die Samenzellen sich fortbewegen können.

Bei einem zwanzigjährigen Mann wiegt die Prostata ungefähr 20 g. Ihr Gewicht kann im Laufe des Lebens auf mehr als 100 g wachsen. Und das ist das Problem: Dann kann sie Beschwerden beim Wasserlassen bis hin zum Harnstau verursachen, weil sie die Harnröhre zusammendrückt. Wachstum und Funktion der Prostata werden vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron gesteuert. Ohne die Stimulation durch das Hormon bleibt die Drüse unterentwickelt und bildet kein Sekret.

Vorsicht vor Überbehandlung bei Prostatakrebs

Experten weisen auf die Statistik und die Gefahr einer sogenannten Überbehandlung hin. Denn bei den Untersuchungen wird auch Krebs entdeckt und eventuell behandelt, der weder Beschwerden macht, noch lebensbedrohlich ist. Eine solche unnötige Therapie in Form von Operation oder Bestrahlung kann aber Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen oder Blasenschwäche zur Folge haben. Auch kann ein Krebsverdacht sich als unbegründet herausstellen, aber bis zur sicheren Erkenntnis verbringt der Betroffene Tage und Wochen in Angst.

Und mancher, der eine Prostatakrebsdiagnose erhält, fühlt sich ein Leben lang krank und bedroht, obwohl er mit seinem Tumor gut leben kann und keinerlei Beschwerden hat. Gerade beim Prostatakrebs gilt: Nicht jeder erkannte Tumor muss unbedingt behandelt werden. Deshalb werden früh erkannte Tumore mit guter Prognose häufig lange Zeit nur sorgfältig beobachtet und erst behandelt, wenn sie wachsen.

Früherkennung bei Prostatakrebs

Die Kehrseite der Medaille: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er noch nicht gestreut hat und deshalb heilbar ist. Ist der Prostatakrebs noch relativ klein, ist außerdem ein schonendes Verfahren bei der Operation möglich. So lassen sich mit höherer Wahrscheinlichkeit bestimmte Nebenwirkungen vermeiden.

Doch daneben gibt es bestimmte Krebstypen, die aggressiv wachsen und sehr früh streuen. Einige dieser Tumore haben bereits gestreut, bevor sie auffällig werden. Durch die Früherkennungsuntersuchung erfahren betroffene Männer teilweise Jahre früher von einer nicht heilbaren Erkrankung und müssen mit dieser Erkenntnis leben.

Zwischen diesen beiden Polen der Information muss sich ein Mann für oder gegen die Früherkennungsuntersuchung entscheiden. Der derzeitige Stand der Krebsforschung lässt keine eindeutige Abwägung von Nutzen und Schaden zu. Deshalb sprechen Experten keine generelle Empfehlung zu Gunsten der Früherkennung aus.

Prostatakrebsfrüherkennung bei Männern ab 45 Jahren

Das A und O ist deshalb, sich über Chancen und Risiken gut aufklären zu lassen, damit man in der Lage ist, sich eigenverantwortlich, der individuellen Situation gemäß zu entscheiden. Eine Teilnahme ist wie bei allen anderen Früherkennungsuntersuchungen freiwillig.

Die gesetzliche Krebsfrüherkennung sieht eine Prostatauntersuchung pro Jahr für Männer im Alter ab 45 Jahren vor. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Diese Altersgrenze wurde festgelegt, weil Prostatakrebs bei unter 40-Jährigen so gut wie nicht vorkommt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei rund 70 Jahren. Anders sieht es aus, wenn Vater oder Bruder Prostatakrebs hatten. Dann ist das eigene Risiko erhöht und sollte gegebenenfalls zu früheren oder anderen Untersuchungsintervallen führen.

PSA-Wert sollte bei der Prostatakrebsvorsorge überprüft werden

Männer im Alter ab 45 Jahren, die sich nach ausführlicher Beratung für die Früherkennung entscheiden, empfiehlt die Leitlinie der Fachärzte einen kostenpflichtigen PSA-Test in Verbindung mit der kostenfreien Tastuntersuchung.

In der Prostata wird außer der Samenflüssigkeit eine Substanz namens PSA (prostataspezifisches Antigen) gebildet. Sie ist nicht nur in der Samenflüssigkeit, sondern auch im Blut nachweisbar. PSA spielt eine Schlüsselrolle bei der Früherkennung von Veränderungen der Prostata bis hin zum Krebs, weil in diesen Fällen der PSA-Blutwert erhöht sein kann.

Ein einzelner erhöhter PSA-Wert sollte nach Expertenmeinung überprüft werden. Der PSA-Wert ist bei jedem Mann individuell verschieden, sodass erst regelmäßige PSA-Tests eine Veränderung über die Jahre dokumentieren können.

Meist ist eine Entzündung oder eine vergrößerte Prostata die Ursache eines erhöhten PSA-Werts. Nur bei einem Viertel der Männer mit auffälligem PSA-Wert findet sich tatsächlich Krebs. Das Ergebnis liegt einige Tage nach der Blutentnahme vor.

Der Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA-Test) ist keine Kassenleistung. Der Patient muss die Kosten von rund 45 Euro für Test und Besprechung aus eigener Tasche bezahlen. Fachleute raten, den PSA-Test nur zu machen, wenn man auch bereit ist, bei einem erhöhten Wert eine Gewebeprobe durch den Enddarm entnehmen zu lassen.

Das Gespräch mit dem Urologen suchen

Die Autoren der größten Studie zum PSA-Test gehen davon aus, dass ungefähr die Hälfte der Tumore, die durch einen PSA-Test entdeckt werden, dem Betroffenen auch ohne Behandlung lebenslang keine Beschwerden machen wird. Hat ein Prostatakarzinom aber gestreut, kann es die Lebensqualität einschränken, auch wenn es nicht zum Tode führt.

Urologinnen und Urologen raten deshalb, sich in Ruhe zu überlegen, was für und gegen die Früherkennungs-Tastuntersuchung und den PSA-Test spricht und sich nicht drängen zu lassen. Es ist ausreichend Zeit, sich mit Vertrauten und Medizinern zu besprechen, bis sämtliche Unsicherheiten und Zweifel ausgeräumt sind.

Umfassende Informationen finden Sie hier: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/prostatakrebs/

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