Pflanzenschutz

Frostschutzvlies: Weißer Schutz von oben

Vlies-Salat
Bayerische Gartenakademie/SG
am Dienstag, 19.01.2021 - 08:05

Frostschutzvlies ist ein Hilfsmittel, das in keinem Garten fehlen sollte. Es schützt nicht nur Gemüse, sondern auch viele andere empfindliche Kulturen.

Warum nicht die Vorteile von Vliesen und Folien im Hausgarten nutzen, wenn die Handhabung so einfach ist? Diese „Werkzeuge“ sind im Erwerbsgartenbau schon lange üblich und halten nun immer mehr auch bei Hobbygärtnern Einzug. Denn es ist absolut sinnvoll, die Kulturen durch Folien und Vliese zu verfrühen oder zu schützen.

Der größte Vorteil der Abdeckung besteht darin, dass sie die einstrahlende Sonnenenergie wie in einem Gewächshaus speichert. Während frostiger Nächte gibt der so erwärmte Boden seine Wärme an die bodennahe Luftschicht unter der Abdeckung ab. So werden junge Pflanzen vor dem Erfrieren bewahrt. Damit beginnen das Pflanzenwachstum und dann auch die Ernte schon früher.

Schutz aus Kunststoff, Schafwolle oder Folie?

Am bekanntesten ist sicherlich das klassische Frostschutzvlies. Es ist ein spinnwebenartiges vernetztes Kunststoffmaterial mit sehr geringem Eigengewicht, das flächig wasser- und luftdurchlässig ist. Bei Frost bildet sich unter dem Schutzgewebe durch aufsteigende Bodenfeuchtigkeit eine dünne Eisschicht, welche die Abstrahlung von Bodenwärme verhindert. Dadurch werden die Pflanzen noch bei –5 bis –7 °C Außentemperatur geschützt.

Wer Kunststoffe im Garten reduzieren will, kann auf Vliese aus 100 % Schafwolle zurückgreifen. Sie sind biologisch abbaubar, was gleichzeitig Vor- und Nachteil sein kann: Einzelteile von ihnen überdauern – im Gegensatz zum Vlies aus Kunststoff – nicht im Garten, sondern werden zersetzt. Sie dienen den Beeten dann als Dünger. Dafür sind die Schafwoll-Vliese aber deutlich teurer und kleinformatiger, außerdem sind sie weniger langlebig.

Bei Folien ist die Lichtdurchlässigkeit besser als bei Vliesen. Allerdings sind sie nicht wasser- und luftdurchlässig. Deshalb müssen Folien ausreichend Löcher oder Schlitze aufweisen. Dadurch sinkt allerdings der Verfrühungseffekt. Beim Gießen muss man Folien zurückschlagen. Deshalb ist ihre Anwendung im Hobbygartenbereich weniger zu empfehlen.

Vliese mit ausreichend Rand zuschneiden

Durch die Anwendung von Vliesen kann mit der Aussaat und Pflanzung im Gemüsegarten oft schon im März begonnen werden. Der Boden muss dafür aber ausreichend abgetrocknet sein und sich schon etwas erwärmt haben. Sofort nach der Saat oder dem Pflanzen wird das Abdeckmaterial locker auf die Beete gelegt. Die Ränder fixiert man entweder durch Eingraben oder Auflegen von Steinen und Brettern.

Dieser Fixierrand sollte beim Zuschneiden der Vliese mit eingerechnet werden, außerdem muss die Auflage auch beim Wachstum der Pflanzen noch gut nachgelockert werden können. Es empfiehlt sich, zusätzlich zur Größe des Beetes rundherum einen Rand von 1 m einzuberechnen.

Hitzestau vermeiden, Spätfrost einkalkulieren

Wenn die Temperaturen ansteigen, sollte man die Bedeckung abnehmen, damit kein Hitzestau entsteht. Es empfiehlt sich, für ein erstes Abnehmen, trübe oder regnerische Tage abzuwarten, da sonst Sonnenbrand entstehen kann. Die Vliese aber in Griffnähe behalten, falls sich Spätfröste ankündigen.

Nach den Eisheiligen kann man die Vliese im Regelfall einlagern. Dafür lässt man sie gut abtrocknen und verwahrt sie ungewaschen an einem trockenen, dunklen Ort – gut geschützt vor Mäusen. So kann man sie viele Jahre lang nutzen.

Hier lässt sich das Vlies gut einsetzen

Eine Hochstammrose ist eingepackt in Vlies und Tannenzweigen.

Frostschutzvlies kommt nicht nur im Gemüsegarten zum Einsatz, sondern auch bei Obst und Zierpflanzen.

  • Sägemüse: Puffbohnen (schon ab Februar), Radies und Möhren; bei Pflanzgemüse: Salat und Kohlrabi, auch Rhabarber und Kräuter beginnen bei einer Abdeckung früher mit dem Austrieb.
  • Herbst- und Wintersalate sowie Wurzel- und Knollengemüse können zum Ende der Saison durch eine Vliesabdeckung deutlich länger im Garten stehen.
  • Die empfindlichen Erdbeerblüten kann man in doppelter Lage vor Frösten schützen. Wichtig: Das Vlies spätestens bei Blühbeginn abnehmen, um die Bestäubung zu gewährleisten.
  • Wer höher wachsende Kulturen wie Johannisbeeren schützen will, sollte dabei immer viel Beetoberfläche zusammen mit den Pflanzen einhüllen.
  • Kleine Baumformen und Spalierobst kann man bei Spätfrösten durchaus mit Frostschutzvlies bedecken.
  • Zierpflanzen wie Hochstammrosen freuen sich im Winter über eine wärmende Decke. Als Winterschutz wird die Krone mit Vlies eingepackt, wobei das Vlies unter der Veredelungsstelle zusammengebunden wird.
Top Themen:
  • Alois Glück: Anregung für Junglandwirte
  • Energie: Wärme braucht ihren Preis
  • Lenksysteme: Wie von Geisterhand
  • Geld: Hilft die Bank in der Krise?
  • Landfrauentag: Digitaler Volltreffer
  • Biomarkt: Weiter wachsende Zahlen
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote