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Naturschutz

Feuersalamander in Gefahr: Land- und Forstwirte können helfen

Feuersalamander-Schutz-Forstwirtschaft: Ein Mann steht in Forst-Schutzkleidung mit einer Kettensäge im Wald an einem kleinen Bach. Im Bild ist eine Detailaufnahme eines Feuersalamander im Wasser.
Horst Schwemmer, Bund Naturschutz & Eva Schuster, BLW
am Mittwoch, 16.03.2022 - 08:00

Bayerns Feuersalamander sind in großer Gefahr. Der Hautpilz "Salamanderfresser“ Bsal bedroht sie. Ein Monitoring soll nun die Situation überwachen. Zum Erhalt der Lurche können Landwirte, Waldbesitzer und Forstarbeiter einen Beitrag leisten.

Löcher und Geschwülste auf der Haut von Feuersalamandern machen den Tieren zu schaffen. Die Amphibien leben in den empfindlichen Lebensbereichen von Quellen und Quellbächen und sind seit Jahren vom Aussterben bedroht. Zusätzlich ist die Art durch die neue, voranschreitende Hautpilzerkrankung Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) hoch gefährdet.

In den Niederlanden sind seit 2008 durch Bsal-Befall rund 98 % der Feuersalamander verschwunden. Auch in der Eifel und im Ruhrgebiet brachen die Bestände drastisch ein. In Bayern hat sich 2021 im Steigerwald der „Salamanderfresser“ Bsal weiter ausgebreite, genauso wie im Unterallgäu bei Memmingen, wo Bergmolche betroffen sind. Die Pilzinfektion kann alle heimischen Schwanzlurche treffen.

Maßnahmen zum Erhalt der Feuersalamander

Deshalb arbeiten die Verbände Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz gemeinsam, gefördert durch das bayerische Umweltministerium, am Artenhilfsprogramm zum Feuersalamander in Bayern.

Zusätzlich zu strikten Hygienemaßnahmen sollen für den Erhalt der Feuersalamander

  • eine Erhaltungszucht vorbereitet,
  • Laichhabitate verbessert,
  • Salamander-Gumpen geschaffen,
  • Winterquartiere optimiert,
  • Öffentlichkeitsarbeit betrieben
  • und Flächen angekauft werden.

Darauf sollten Forst- und Landwirte achten

Die Hygienemaßnahmen sehen vor, dass die Pilze bzw. ihre Sporen nicht verschleppt werden. Wie können auch Forst- und Landwirte mithelfen, um die Population zu schützen?

  1. Bei Fällarbeiten und Fahrten die Quellen und Quellbäche schonen.
  2. Um keinen Waldboden zu verfrachten, sollte bei frostigem, trockenem Wetter gearbeitet werden.
  3. Nicht mit dem Schlepper zwischen Waldquellen wechseln.
  4. Als Desinfektionsmittel für Reifen und Schuhsohlen bietet sich das im Landhandel erhältliche Virkon S an. Die Desinfektion mit Virkon S muss auf festen Wegen und Plätzen vorgenommen werden. Zur Schuh-Desinfektion kann man auch eine auf 70 % verdünnte Alkohollösung (Brennspiritus) bei zwei Minuten Einwirkzeit verwenden.
  5. Das Reifenprofil soll mit einem heißen Dampfstrahler auf der Hofstelle gereinigt und das Profil der Schuhe abgewaschen werden.
  6. Wenn Land- oder Forstwirte tote oder kranke Feuersalamander entdecken, sollen sie diese bitte nicht berühren, sondern ein Foto des Tieres mit Funddatum und Fundort an die Projektmanager Malvina Hoppe oder Horst Schwemmer (malvina.hoppe@lbv.de und horst.schwemmer@bund-naturschutz.de) schicken.

Lebensweise des Feuersalamanders

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist ein kräftig gebauter, an Land lebender Schwanzlurch. Unverkennbar ist die schwarz-gelbe Rückenzeichnung. Ihre Haut besitzt Salamanderalkaloide und ist giftig. Ihre natürlichen Feinde sind Dachse, Wildschweine oder Ratten.

Es kommen zwei Salamanderformen vor: Salamandra s. salamandra, der unregelmäßig gelb-schwarz gefleckt ist, und Salamandra s. terrestris, eine längsgebänderte Unterart. Sie werden zwischen 14 und 18 cm lang und bis zu 30 Jahre alt.

Ihre 30 bis 70 Larven setzen sie fertig entwickelt in saubere Bäche ab. Die Larven sind rund 3 cm groß und haben Beine, Kiemen und einen Flossensaum. Wenn sie etwa 6 cm groß sind, verwandeln sie sich nach rund fünf Monaten zu jungen Feuersalamandern.

Sie leben in quellreichen Laub- und Laubmischwäldern. Tagsüber verkriechen sich die Salamander im Totholz, unter Steinen oder im Laub und kommen erst nachts oder bei Regen aus ihrem Versteck. Sie ernähren sich von Würmern, Schnecken, Spinnen und Insekten.

Im Winter fallen die wechselwarmen Tiere in eine Winterstarre. Sind die Winter mild, bleiben Salamander manchmal das ganze Jahr über aktiv.

Gemeinsam bedrohte Tiere schützen

Feuersalamander sind geschützt. Durch die verstärkten Schutzanstrengungen gelangen auch ihre Lebensräume, die Quellbereiche, in den Fokus. Dort dürfen Müll oder Gartenabfälle keinesfalls abgelagert werden, um das sensible Gleichgewicht nicht zu stören.

Um die sensiblen Bereiche der Quellen zu schützen, sollte man sie nicht betreten. Einen Schluck Wasser schöpfen, ist in Ordnung, mehr aber bitte nicht. Wird Quellwasser beispielsweise für Viehtränken abgezweigt, stört das oft die Quelle empfindlich, da die nötige Mindestwasserführung gefährdet ist.

Um Quellgebiete zu schützen, könnte Ackerland oberhalb dieser Gebiete auf Hochflächen womöglich in Grünland umgewandelt werden. Das erfordert jedoch einen finanziellen Ausgleich für Landwirte über Förderungsprogramme wie Kulap 2022 oder das Vertragsnaturschutzprogramm Wald.

Wir Menschen wollen Tier- und Pflanzenarten in einer möglichst unversehrten Natur erhalten. Lebensmittel- und Baumaterialerzeugung im Wald einerseits und stabile Ökosysteme mit typischen Vertretern wie dem Feuersalamander andererseits sollten Hand in Hand zu verwirklichen sein.

Hautpilz-Monitoring in Bayern

Bis August 2024 werden rund 50 haupt- und ehrenamtliche Artenschützer in acht Schwerpunktgebieten (Rhön bis Alpenvorland) die Larven des Feuersalamanders in ihren Laichgebieten zählen.

Im Steigerwald beobachtet das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) die Situation intensiv. Dort wurden vor zwei Jahren erstmals vom Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) befallene Feuersalamander nachgewiesen. In allen bayerischen Untersuchungsgebieten wurde ein Bsal-Monitoring aufgebaut.

Mehr Informationen zum Projekt unter www.lbv.de und www.bund-naturschutz.de.

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