Ratgeber

Ernährung in Zeiten von Corona

BLW
am Freitag, 28.08.2020 - 11:52

Welche Rolle die Ernährung spielt, um sich gegen das Virus zu wappnen, hat uns Prof. Hans Hauner von der Technischen Universität München beantwortet.

Wochenblatt: Welche Ernährungsempfehlungen können Sie zum Schutz vor Covid-19 geben?

Hauner: Grundsätzlich empfehle ich eine bedarfsgerechte, ausgewogene Ernährung. Gleichwertige Alternativen sind eine vegetarische Ernährung und die sogenannte Mittelmeerkost. Diese Ernährungsformen bringen den Körper in eine gute Verteidigungsposition. Menschen mit Unter- oder Mangelernährung zählen zu den Risikopersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko und schlechterer Prognose. Eine Mangelernährung findet sich häufig bei schweren Erkrankungen, aber auch bei älteren Menschen.

Wochenblatt: Was empfehlen Sie Personen mit nachgewiesener Infektion im Hinblick auf Ernährung?
Hauner: Der Körper muss weiterhin ausreichend mit Energie und allen wichtigen Nährstoffen, einschließlich der Mikronährstoffe, versorgt werden. Bei Krankheiten mit Fieber steigt der Energiebedarf um rund 13 Prozent pro Grad Temperaturerhöhung.
Wochenblatt: Gibt es Studien, die einen Zusammenhang von Ernährung und möglichen Corona-Infektionen zeigen?
Hauner: Erste Publikationen legen nahe, dass Fettleibigkeit, die sogenannte Adipositas, ein bedeutsamer Risikofaktor für schwere Verläufe der Covid-19-Erkrankung ist. Eine Analyse an 3615 Covid-Patienten aus New York ergab, dass Adipositas vor allem bei Patienten unter 60 Jahren ein zweifach erhöhtes Risiko mit sich bringt, in eine Klinik oder auf eine Intensivstation aufgenommen zu werden. Bei einem BMI über 35 war das Risiko 3,6-fach erhöht, auf eine Intensivstation zu kommen. Eine Analyse von Covid-19-Patienten der Uniklinik Aachen zeigte, dass Patienten mit akutem Lungenversagen häufig eine Adipositas aufweisen.
Wochenblatt: Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?
Hauner: Es gibt Argumente für Selen oder Vitamin D, diese Hinweise stammen allerdings aus Zellkultur- oder tierexperimentellen Studien. Die Daten für den Menschen sind noch sehr dünn. Es gibt aber Hinweise, dass Vitamin D das Risiko für Lungenentzündungen reduzieren könnte. Daneben sollen besonders sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Karotinoide die Abwehrkräfte stärken. Es fehlen aber Studien, sodass der Nutzen für Menschen mit einer Virusinfektion fraglich ist. Ich würde von Nahrungsergänzungsmitteln eher abraten, wenn es keinen wirklichen medizinischen Grund gibt. Eine ausgewogene Ernährung stellt dem Körper die benötigten Mikronährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung.

Dicke und zu Dünne trifft es stärker

Prof.-Hauner

Alle Studien zum Verlauf einer Covid-19-Infektion deuten darauf hin, dass das Körpergewicht eine große Rolle spielt, wie die Krankheit verläuft. Wer Untergewicht hat, hat weniger Abwehrkräfte und läuft eher Gefahr, das Virus aufzuschnappen als Normalgewichtige. Wer zu dick ist, bei dem besteht im Falle einer Infektion die Gefahr eines schweren Verlaufs.

Wissenschaftler unterscheiden zwischen Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) – gemessen anhand des sogenannten Body-Mass-Index, kurz BMI. Er ergibt sich aus dem Verhältnis des Körpergewichts in Kilogramm zum Quadrat der Körpergröße in Metern.