Gartentipps

Erfolgreich zum Erdbeer-Sommer

Erdbeeren-Korb-Sommer_B
Hubert Siegler - Bayerische Gartenakademie
am Sonntag, 18.04.2021 - 07:14

Die Erdbeere ist ein Multitalent: Sie schmeckt als Naschfrucht, blüht prächtig in Blumenampeln oder wächst sogar als Wiese. Wer sich mit den Sorten auskennt, darf sich über einen Sommer voller Erdbeeren freuen. Eine Übersicht.

Es lohnt sich, beim Kauf von Erdbeeren auf die Sorte zu achten! Denn nicht jede Erdbeere schmeckt wirklich gut. Sinnvoll ist, mehrere Sorten in den Garten zu pflanzen: Das verlängert die Ernteperiode, streut das Anbaurisiko, sichert Ertrag und Fruchtqualität. Außerdem darf man sich über Erdbeeren unterschiedlichen Geschmacks und in verschiedenen Gartenbereichen freuen.

Übrigens: Rotfleischige Sorten schmecken aromatischer und halten die Farbe von Erdbeer-Fruchtaufstrichen stabiler, während sich Produkte aus Sorten mit helleren Innenfarben schneller umfärben. Mischungen mit säuerlichen Partnern wie roten Johannisbeeren oder Rhabarber ergeben besonders leckere Varianten.

Einmal tragende Erdbeersorten:

  • Bereits früh, in guten Lagen Ende Mai, ansonsten Anfang Juni, reifen die seit langem empfohlene ‘Honeoye’ und neuere Sorten wie ‘Daroyal’, ‘Clery’ oder ‘Rumba’. Wer möglichst früh die ersten Früchte naschen will, kann die Erdbeeren in Frühbeeten oder Folientunnel anbauen oder rechtzeitig Vlies auflegen. Das verlagert den Erntetermin weiter nach vorne.
  • Für die mittlere Saison eignen sich robuste, bereits ältere schmackhafte Sorten wie ‘Kent’, ‘Polka’ oder ‘Korona’, ergänzt mit Neuheiten wie ‘Elianny’ und ‘Salsa’. Mit dieser Auswahl kann man die für Wurzelkrankheiten anfälligen Sorten ‘Elsanta’ und ‘Senga Sengana’, die zudem sensibel für Grauschimmel sind, ersetzen.
  • Spät, gegen Ende Juni, reifen ‘Vivaldi’, ‘Symphony’ und ‘Florence’. Die sehr geschmackvolle Sorte ‘Malwina’ kann man sogar noch im Juli ernten.
  • Auch aromatische Liebhabersorten wie ‘Direktor Paul Wallbaum’, ‘Mieze Schindler’ bzw. die daraus gezüchtete ‘Mieze Nova’ werden immer häufiger im Garten angebaut. Ihr feines Aroma verzeiht die weiche und nur mittelgroße Frucht. Außer ‘Mieze Nova’ benötigen sie eine Befruchtersorte.

Mehrmals tragende (remontierende) Sorten

Solche Sorten sind tagneutral, das heißt sie legen im Gegensatz zur vorigen Gruppe auch im Sommer und Herbst noch Blüten und Früchte an. Der zweite und dritte Blütensatz liefert jedoch kleinere Früchte. Der erste Blütenflor reift zusammen mit den „normalen“, qualitativ besseren Sorten. Deshalb lohnt sich ein Trick: Es empfiehlt sich, bei den Remontierern auf die erste Ernte zu verzichten. Dafür bricht man den ersten Blütenbesatz im Frühjahr aus. Dieses Vorgehen fördert die Bildung des zweiten Flors und verbessert die Fruchtqualität der daraus entstehenden Beeren, vor allem ihre Größe.

Ältere Sorten dieser Gruppe sind:

  • ‘Ostara’, ‘Selva’ oder ‘Muir’, die inzwischen nicht mehr erste Wahl sind.
  • Sie wurden durch neuere Auslesen wie ‘Seascape’, ‘Diamante’, ‘Evie’ oder ‘Mara des Bois (Syn. ‘Waldrotkäppchen’) abgelöst. Im Erwerbsanbau wird derzeit verstärkt in dieser Gruppe gezüchtet, sodass verbesserte Varietäten künftig auch in das Sortiment für Freizeitgärtner gelangen werden.

Zierende Erdbeersorten

Red-Ruby

In den letzten Jahren ist auch das Sortiment an rot- und rosablühenden Sorten, die zugleich geschmacklich überzeugen, gestiegen. Viele dieser Sorten bilden lange Ausläufer mit ständigen Blüten und kommen daher als Hängeerdbeeren in Balkonkästen, Hochbeeten und Ampeln gut zur Geltung. Dazu zählen ‘Toskana’, ‘Viva Rosa’, ‘Pink Panda’, ‘Red Ruby’, ‘Summer Breeze Rose’ und ‘Lubera‘s Double Pleasures’.

Monatserdbeeren

Monatserdbeeren-Beeteinfassung

Die sehr kleinen, dafür hoch aromatischen Früchte – meist der Sorten ‘Alexandria’ und ‘Rügen’ – stammen von der Walderdbeere ab und tragen von Juni bis Ende Oktober. Sie bilden keine Ausläufer, sondern kompakte Horste und vermehren sich über Samen. Daher eignen sie sich vorzüglich zur Beetabgrenzung und als Wegeinfassung.

Erdbeerwiese

Aus Kreuzungen von Garten- und Monatserdbeeren sind die Sorten ‘Florika’ und ‘Spadeka’ hervorgegangen. Beide bilden viele Ausläufer, sodass sie als „geschmackvoller Bodendecker“ gelten, sogar noch im leichten Schatten. Sie können sechs bis acht Jahre auf derselben Fläche stehen, zum Beispiel unter Stachel- bzw. Johannisbeerstämmchen.

Das Laub dieser Sorten wird nach der Ernte abgeschnitten. Bei großen Flächen kann dies ein hoch eingestellter Rasenmäher erledigen. Außerdem werden zu dichte Bestände ausgelichtet und dann gedüngt. Wenn die Flächen vor der Pflanzung frei von Wurzel- und Samenunkräuter gehalten sind, kann man sie extensiv kultivieren. Stroh wird nicht unterlegt. Die mittelgroßen Beeren stehen von der Blüte bis kurz vor der Pflücke über dem Blatt. So trocknen sie gut ab, was Fruchtfäulen und Schimmelbildung vorbeugt.

Tipps zu Anbau, Pflege und Kulturführung

Erdbeeren Anbau Stroh

Erdbeeren werden von den meisten Gartenbesitzern gern gepflanzt. Damit sie viele Früchte tragen und gesund bleiben, gibt es einiges zu beachten.

  • Standort: Der Standort für die „normalen“ Gartensorten ist sonnig und nicht zu windig, der Boden locker, tiefgründig, humusreich und nicht zu schwer. Staunässe und Bodenverdichtungen sollte man vermeiden, da sie das Wurzelwachstum schwächen und bodenbürtige Pilzkrankheiten fördern. Bei schweren Böden bietet sich ein Anbau auf „Kartoffeldämmen“ an: Hierbei die Erde vor der Neupflanzung mit gröberen Materialien vermischen und etwa 20 cm hoch aufdämmen.
  • Düngung und Pflanzung: Auf dem geplanten Beet werden vor der Neupflanzung pro m² 3 l reifer Kompost ausgebracht und etwa 35 g Hornmehl leicht eingearbeitet. Ausreichend große Pflanzabstände beachten: Günstig sind 60 bis 70 cm zwischen den Reihen und 25 bis 30 cm zwischen den Pflanzen. Als Vorkulturen günstig sind Kurzkulturen wie Salate, Kohlrabi, Spinat, Radieschen oder eine vorherige Gründüngung mit Tagetes oder Winterroggen. Gelingen Erdbeeren im Garten nicht, kann man in Hochbeeten oder Kübeln anbauen.
  • Flächenwechsel: Ständiger Anbau von Erdbeeren auf denselben Beeten führt zu Bodenmüdigkeit. Für Neupflanzungen wählt man deshalb neue Flächen und hält am besten eine weite Fruchtfolge ein. Am besten wachsen Erdbeeren erst nach fünf Jahren wieder auf der gleichen Fläche. Da Ertrag und Größe der Früchte bereits im zweiten Jahr nachlassen, beträgt die Standzeit maximal zwei Jahre.
  • Pflege im ersten Ertragsjahr: Ab April schneidet man alte, vertrocknete Blätter ab, entfernt Unkraut und lockert den Boden. Düngen braucht man nicht, zu hohe Düngermengen liefern mastige, gegen Krankheiten anfälligere Pflanzen. Zum Ende der Blüte werden Stroh oder Miscanthushäcksel unter die Pflanzen gestreut. Dies sorgt für saubere Früchte, beugt Fruchtfäulen vor, hält den Boden feucht und unterdrückt Unkraut. Bei Spätfrösten deckt man den blühenden Bestand nachts mit Vlies ab. Während der Ernte entfernt man faule Früchte und kranke Blätter; bei Trockenheit wird erst nach einem Pflückgang gegossen.
  • Pflege im zweiten Ertragsjahr: Das Laub der abgeernteten Pflanzen schneidet man Mitte bis Ende Juli handbreit über dem Boden (etwa 5 cm über dem „Herz“) ab und entfernt es mitsamt dem alten Stroh. Dies verringert die Ausbreitung von Blattkrankheiten. Nun wird wieder mit 35 bis 40 g Hornmehl pro m² gedüngt, eingearbeitet und der Bestand gegossen – bei Trockenheit mehrmals.
  • Krankheiten und Schädlinge: Wer einen guten Boden hat, regelmäßig die Anbauflächen wechselt, weite Pflanzabstände hat und Stroh einsetzt, darf mit gesunden Früchten rechnen. Am besten erntet man jeden zweiten Tag und entfernt stets kranke Früchte. Dieses kurze Intervall wirkt sowohl der Ausbreitung schimmliger Früchte als auch der Kirschessigfliege entgegen.

Für „Beeren-Nachwuchs“ sorgen

Erdbeere Ausläufer Vermehrung

Wer sich Erdbeeren in den Garten holen will, hat verschiedene Möglichkeiten. Wir stellen sie vor.

  • Kauf von Setzlingen: Zum Start in die neue Gartensaison werden getopfte Erdbeersetzlinge angeboten. Beim Kauf sollte man bedenken, dass schwachwüchsige Ware in kleinen Vierecktöpfen mit wenig Blattmasse im ersten Jahr nur wenige Früchte trägt. Starke Pflanzen, etwa im 12er Topf, haben schon deutlich mehr Blüten und bringen etwa sechs Wochen nach der Pflanzung erste Beeren.
  • Ableger nehmen: Der beste Zeitraum, um Ableger von der gesunden Mutterpflanze zu nehmen, ist Ende Juni bis Ende Juli. Sind die vorgesehenen Flächen zur Pflanzung noch belegt, können die Jungpflanzen in Frühbeet- oder größeren Balkonkästen „zwischengeparkt“ werden. Es ist wichtig mit kräftigen Jungpflanzen zu starten, damit sie gut bestocken: Die Blüten werden bereits im Spätsommer/Herbst für das Folgejahr angelegt. Rechtzeitig gepflanzte und somit kräftig entwickelte Jungpflanzen bringen viele Blüten und guten Ertrag, während spät gepflanzte bzw. schwache Exemplare oft nur wenige Beeren liefern. In der Anwachsphase ist es meist heiß und trocken, deshalb gießt man regelmäßig, hackt den verschlämmten Boden auf und mulcht zwischen den Pflanzen.
  • Frigopflanzen kaufen: Dabei handelt es sich um wurzelnackte, blattlose, nicht ausgetriebene Jungpflanzen, die aus Wurzeln und Rhizom bestehen. Sie haben bereits Blüten angelegt und werden von Mai bis Juli gepflanzt. Frigopflanzen werden in unterschiedlichen Rhizomstärken angeboten. Schwache Pflanzqualitäten (Wurzelhalsdurchmesser 7 bis 9 mm) pflanzt man Anfang Mai, stärkere Ware (bis 12 mm) bis Anfang Juni. Frigopflanzen wachsen gut an. Um den Bestand zu stärken und im folgenden Jahr einen guten Ertrag zu erzielen, empfiehlt sich, die Blüten nach dem Austrieb im Sommer und Herbst auszubrechen. 
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