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Wie in der Provence

Der Duft des Sommers: Lavendel in Bayerns Gärten

Lavendel: Auf einer Lavendelblüte sitzt eine Biene.
Bärbel Steinberger
am Mittwoch, 15.06.2022 - 15:40

Wohlriechend und als lila Blütenmeer bezaubert der Lavendel im Garten: Wir stellen schöne und besonders duftende Sorten vor.

Zwischen den kleinen, lila Blüten surrt, flattert und wurlt es: Im Lavendel tummeln sich an sonnigen Tagen die Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten. Tritt man näher, um das Schauspiel zu bestaunen, erfasst einen eine ganz besondere Duftnote: süßlich-herb, ätherisch und unvergleichlich intensiv. Dieser Duft weckt Assoziationen: an die prächtig leuchtenden Lavendelfelder im Süden Frankreichs und an die Duftsäckchen im Kleiderschrank der Oma.

Mönche brachten den Lavendel in unsere Gärten

Jetzt blüht er wieder in zahlreichen Gärten, und auch als Kübelpflanze auf der Terrasse wird er immer beliebter. Ursprünglich kommt der Lavendel aus der Mittelmeerregion. Seit Jahrhunderten wird Lavendel wegen seines Duftes, seiner Farbe und seiner medizinischen Eignung wertgeschätzt. Schon die Römer badeten in seinen Essenzen. So bezieht sich auch sein Name auf das lateinische lavare, was auf Deutsch „waschen“ bedeutet. Benediktinermönche brachten ihn zusammen mit vielen anderen mediterranen Gewächsen über die Alpen und pflanzten ihn in ihre Klostergärten, von wo aus er mit der Zeit die Bauerngärten eroberte.

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas) und Speik-Lavendel (Lavandula latifolia) gelten als die drei ursprünglich wildwachsenden Arten, aus denen die anderen nach und nach gezüchtet wurden.

1. ​​​​​​​Garten-Lavendel:

Lavendel-Hidcote-Blue

Die vom Echten Lavendel ausgelesenen Sorten werden als Garten-Lavendel gehandelt. Bekannte Beispiele sind:

  • ‘Dwarf Blue’: violett, kompakt, für Einfassungen geeignet,
  • ‘Hidcote Blue’: dunkelviolett, gedrungen, für Einfassungen geeignet,
  • ‘Lumière des Alpes’: tiefblau, lange Stiele,
  • ‘Munstead’: blauviolett, kompakt und früh blühend,
  • ‘Imperial Gem’: dunkelviolett, besonders aromatisch,
  • ‘Blue Moutain White’: reinweiß, wüchsig,
  • ‘Miss Katherine’: rosa, wüchsig.

2. Provence-Lavendel (Lavandula x intermedia):

Lavendel-Imperial-Gem

Dieser berühmte Lavendel ist aus einer Kreuzung von L. angustifolia mit L. latifolia hervorgegangen und in allen Pflanzenteilen deutlich größer – und somit auch ertragreicher – als der Echte Lavendel. Aus ihm wird das typische Lavandinöl gewonnen, das jedoch weniger wertvoll ist als das des Echten Lavendels. Auch ist diese Kreuzung wesentlich weniger winterhart als L. angustifolia, was bei Mitbringseln aus dem Urlaub durchaus zu bedenken ist.

  • ‘Grappenhall’: hellviolett, starkwüchsig, intensiv duftend,
  • ‘Grosso’: blauviolett, der Provence-Lavendel schlechthin.

3. Speik-Lavendel:

Lavendel-Miss-Katherine

Diese Lavendelart wächst besonders hoch und blüht violett. Das Öl ihrer Blüten ist so aromatisch, dass es eher als stechend empfunden wird. Diese Art ist ebenfalls sehr empfindlich.

 

4. Schopf-Lavendel:

Lavandula-stoechas_01876439

Ohne Frage – er ist ein Blickfang mit seinen kugeligen Blütenbällen, aus denen die Blütenblätter hervorsprießen. Doch leider ist diese Art sehr empfindlich und überlebt den Winter ausgepflanzt bei uns kaum. Wer trotzdem nicht auf ihn verzichten will, kultiviert ihn im Kübel.

Lavendel besser nicht im Baumarkt oder Discounter kaufen

Als sehr beliebte Gartenpflanze bietet in der Saison jeder Baumarkt und Discounter Lavendel an. Die Preise dort sind sehr verlockend und mit etwas Glück erhält man auch kräftige, vitale Pflanzen. Meist ist jedoch nicht angegeben, um welche Sorte es sich genau handelt. Staudengärtnereien vermehren die verschiedenen Lavendelsorten vegetativ, d. h. durch Stecklinge. Das ist aufwendig und hat seinen Preis. Wenn man aber die Sorte weiß, kann immer die gleiche Sorte nachgekauft werden, was bei einem x-beliebigen Lavendel vom Baumarkt unmöglich ist. Außerdem gibt es in Staudengärtnereien auch spezielle Sorten: Niedrige, die für Einfassungen oder Gräber geeignet sind, rosa und weiß blühende und sogar Sorten mit panaschiertem Laub.

Zwei Lavendelgärten, die einen Besuch wert sind

  • Downderry Nursery, Kent, GB/Rain am Lech: In der südlichen englischen Grafschaft Kent ist es so sonnenreich und sommertrocken, dass man dort vor Jahren mit dem Züchten von Lavendel angefangen hat. Über 350 verschiedene Lavendelarten und -sorten werden in der Gärtnerei von Simon Chatsworth kultiviert – ein großer Beitrag zur botanischen Vielfalt. Die Firma Dehner Gartencenter kooperiert mit Downderry Nursery und hat in Rain am Lech einen eigenen Schaugarten angelegt. Im Internet: www.downderry-nursery.co.uk
  • Kräutergarten Klostermühle, Edenkoben: Mitten in den Südpfälzer Weinbergen, umgeben von alten Klostermauern, ist ein Treffpunkt für Lavendelliebhaber entstanden. Auf den mageren Hügeln gedeihen hier neben anderen Duft- und Gewürzpflanzen zig verschiedene Lavendelsorten, die zum Teil aus Downderry stammen. Klaus Schlosser hat hier ein Kleinod geschaffen und bietet jedes Jahr ein Fest mit dem bezeichnenden Titel: Lavendellust. Im Internet: www.kraeutergarten-klostermuehle.de

 

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