Zahngesundheit

Diabetes ist Zündstoff für die Zähne

Eine Zahnbürste liegt auf vielen Zuckerwürfeln.
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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 27.10.2021 - 16:45

Diabetes beeinflusst die Mundgesundheit: Das Risiko für Parodontitis und Karies steigt. Wir haben Zahnpflegetipps für Diabetiker.

Über sieben Millionen Menschen leiden in Deutschland an Diabetes, der sogenannten „Zuckerkrankheit“. Neben Folgeerkrankungen wie dem diabetischen Fußsyndrom oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst Diabetes auch die Mundgesundheit. Das Risiko für Parodontitis und Karies ist erhöht. Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IFK) stellt das Thema unter den Titel „Zündstoff!“ und klärt auf.

Die Tücken hinter Parodontitis

Studien belegen, dass Diabetiker ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an einer sogenannten Parodontitis zu erkranken. „Bei der Zahnfleischentzündung, welche durch Plaque verursacht wird, bilden sich Zahnfleischtaschen aus. Das Zahnfleisch und der Kieferknochen gehen zurück, die Zahnwurzel wird sichtbar. Unbehandelt kommt es zur Zerstörung des Zahnhalteapparates – die Zähne fallen aus“, erläutert Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der IFK und Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Die Ursache für das erhöhte Risiko bei Diabetikern liegt im Blutzuckerspiegel. Zu hohe Langzeitwerte (HbA1c) begünstigen Entzündungen und damit die Entstehung einer Parodontitis.

Blutzuckerwerte unter Kontrolle bringen

Ebenso wirkt sich eine vorhandene Parodontitis negativ auf den Blutzuckerspiegel aus, der Langzeitwert verschlechtert sich. Das Tückische: Dies gilt auch für Menschen, die noch keinen Diabetes haben. „Bei schlechter Mundhygiene und Parodontitis steigt somit das Risiko an Diabetes zu erkranken, da die Entzündungsbotschafter den Blutzucker in die Höhe treiben können“, fasst Zimmer die Wechselbeziehung der Erkrankungen zusammen. Die Behandlung einer Parodontitis bei Diabetikern stellt aufgrund der gegenseitigen Verschlechterung oft eine große Herausforderung dar, welche die Zusammenarbeit von Zahn-, Hausärzten und Diabetologen fordert. Um das Voranschreiten der Entzündung einzudämmen und die Behandlungsaussicht zu verbessern, ist ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel von entscheidender Bedeutung.

Neben einer optimalen Zahnpflege heißt es für Diabetiker also, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Der Diabetologe stellt diesen mithilfe von Tabletten oder Insulinspritzen ein und kontrolliert ihn regelmäßig. Typ-2-Diabetiker können den Wert selbst stark beeinflussen, indem sie sich mehr bewegen und auf die Ernährung achten.

Zudem sollte man die ersten Anzeichen einer Parodontitis ernst nehmen. Das sind: Zahnfleischbluten und Mundgeruch. Und auch das Kariesrisiko sollte im Blick behalten werden. „Diabetiker bekommen häufiger Karies. Die Erklärung liegt in der Veränderung des Speichels. Kariesbakterien und Laktobazillen können sich durch den erhöhten Zuckergehalt des Speichels leichter vermehren“, erklärt Professor Zimmer.

Kalziummangel macht Zahnschmelz angreifbar

Mundtrockenheit spielt ihnen ebenfalls in die Karten. Denn der Speichelfluss sorgt dafür, dass Essensreste und bakterieller Zahnbelag (Plaque) weggespült werden. Zudem enthält der Speichel von Diabetikern oft zu wenig Kalzium. Dieser Mangel erschwert die Remineralisierung, wodurch Säuren den Zahnschmelz leichter angreifen können.

Viele weitere Infos und Themen rund um die Zahngesundheit gibt es auf der Webseite der Informationsstelle für Kariesprophylaxe unter kariesvorbeugung.de.

Zahnpflegetipps für Diabetiker

  • Mit dem Arzt besprechen, wie man den Blutzuckerspiegel einstellen sollte. Anzustreben ist in der Regel ein HbA1c-Wert von ca. 7 Prozent.
  • Zweimal im Jahr zu Vorsorgekontrollen gehen, dabei den Zahnarzt über die Diabetes-Erkrankung informieren.
  • Zweimal täglich die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta putzen, bis die Plaque vollständig entfernt ist. Zahnseide oder Interdentalbürsten verwenden.
  • Täglich mindestens zwei Liter zuckerfreie Flüssigkeit, zum Beispiel Wasser oder Tee, trinken, um so etwaiger Mundtrockenheit vorzubeugen.
  • Statt herkömmlichem Salz beim Kochen immer fluoridiertes Speisesalz verwenden. Das Fluorid verbleibt noch einige Zeit im Speichel und beugt so Karies vor.
  • Ein zuckerfreies Kaugummi nach Mahlzeiten hilft, den Speichelfluss anzuregen und schädliche Säuren zu neutralisieren.
Mit Material von IFK
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