Garten

Eine Decke für die Beete

Marianne Scheu-Helgert
am Mittwoch, 15.07.2020 - 10:56

Mulch im Gemüsegarten unterdrückt Unkräuter, düngt, spart Wasser und hält Erdbeeren oder Salat sauber.

In der Natur gibt es bei uns so gut wie keine offenen Böden. Weder im Wald noch auf Heide- und Wiesenflächen. Nur nach Erdrutschen oder Überschwemmungen gibt es nackte Erde, die dann aber ganz schnell wieder von Pflanzen besiedelt wird.

Deshalb ist es auch im Gemüsegarten empfehlenswert, den Boden immer möglichst bedeckt zu halten. Manche Gartler mögen sich an der Ästhetik von gemulchten Beeten stören. Die Vorteile sind allerdings so groß, dass es sich lohnt, seine Einstellung zu überdenken.

Grasschnitt

1-Aufmacher-Grasmulch

Gemüsebeete lassen sich sehr gut mit Grasschnitt oder Grünabfällen mulchen. Diese Materialien eignen sich vor allem für Tomaten, Zwiebeln, Salat und alle anderen Gemüse, die in den ersten Kulturwochen viel Beetfläche zwischen den Reihen frei lassen. Wichtig ist, nur Mähgut zu nutzen, das frei von Unkrautsamen ist.

Die Grasschicht trägt man dünn und schleierartig auf, man darf den Boden noch durchscheinen sehen. So verhindert man, dass das Gras nicht zu einer Masse verklebt oder schimmelt. Man kann es auch leicht in den Boden einarbeiten. Es ist sinnvoll, weniger Grasmulch aufzubringen und nach wenigen Wochen erneut zu mulchen, weil das zarte Grünmaterial schnell abbaut.

Stroh und Holzwolle

2-Erdbeere-Stroh

Besonders bei der Kultur von Erdbeeren ist es inzwischen gängig, die Pflanzen in eine dünne Schicht aus Stroh zu betten. Das sorgt dafür, dass die Früchte nicht direkt auf der Erde aufliegen – damit bleiben sie sauber und sind geschützt vor Pilzkrankheiten. Das Stroh darf auch nach der Kultur auf den Beeten verbleiben.

Genauso gut wirkt hier Holzwolle. Diese sollte allerdings am Ende der Kultur abgerecht werden. Manchmal lässt sie sich einlagern und im nächsten Jahr nochmals verwenden. Ist die Holzwolle stärker verrottet, kommt sie auf den Kompost. Dort vermischt man sie am besten mit stickstoffreichem Material wie Grasschnitt.

Pflanzensilage

3-Mais-Silage

Tatsächlich eignet sich dieses Material hervorragend zum Mulchen und ist auf vielen Betrieben zur Hand. Man kann jegliche Silage nutzen, zum Beispiel Maissilage oder auch Silage aus Kleegras.

Das Silierverfahren bewahrt mehr Biomasse und Nährstoffe im Grüngut als die Trocknung zu Heu. Ziel im Garten ist vorrangig, dass man mit dieser konservierten Grünmasse zum gewünschten Zeitpunkt düngen kann. Sie steht jederzeit zur Verfügung, vor allem auch im zeitigen Frühjahr.

Man bringt die Silage etwa 1/2 cm dick aus: Arbeitet man feine Silage etwas in den Boden ein, beginnt die Freisetzung der Nährstoffe bereits nach einer Woche. Streut man dagegen grobe Maissilage einfach auf den Boden, kann es sein, dass der Düngeeffekt erst der nächsten Kultur zugute kommt.

Schafwolle

4-Schafwolle

Sehr gut zum Mulchen bewährt sich auch lose Schafwolle aus der Schafschur im Juni. Man zieht sie vorsichtig auseinander und legt sie dünn über die Beete. Dann bestreut man sie leicht mit Erde.

Bringt man dieses Material schon im März aus, holen es sich gerne Vögel zum Nestbau. Dann kann es besser sein, die Wolle als Dünger in Gräben zwischen den Reihen zu deponieren. Das restliche Material kann man dann erst nach Mitte Juni auf die Beetoberfläche geben.

Schafwolle eignet sich vor allem für Kulturen, die länger auf den Beeten stehen, da es etwas dauert, bis sie zersetzt wird. Sie eignet sich auch super als Langzeitdünger in Kübeln und Balkonkästen. Dazu einfach vor dem Einfüllen des Substrates unten in den Kübel eine wenige Zentimeter dicke Wolleinlage geben.

Ideal ist Schafwolle bei komposthaltigen Substraten. Weniger zu empfehlen ist sie in reinen Torfsubstraten. Diese weisen eine geringere biologische Aktivität auf, damit wird die Wolle nur sehr langsam abgebaut. Ebenfalls als Dünger kann man käufliche Schafwollpellets einarbeiten. Beim Aufquellen lockern sie zusätzlich den Boden.

Papier

5-Feldsalat-Papier

Papiere als Mulchmaterial haben sich im Profianbau nicht durchgesetzt, weil die Papierreste nach der Kultur zeitweilig unschön aussehen können oder vom Wind vertragen werden. Im Garten ist das kein Problem: Größere Fetzen kommen auf den Kompost, kleinere werden eingearbeitet und sind nach wenigen Wochen verschwunden. Die Mikroorganismen bauen sie vollständig ab.

Am besten eignen sich Papierbögen, die es in Discountern als Trennlagen zwischen den Klopapierpackungen gibt. Packpapier eignet sich ebenso oder Papierbögen, die in manchen Versandkisten als Füllmaterial das Liefergut schützen. Grundsätzlich kann man sogar bedrucktes Papier nutzen, die farbigen Fetzen sehen aber unordentlich aus.

Besonders gut eignet sich Papier als Mulchauflage bei gepflanztem Feldsalat: Dafür schneidet man in die Papierbögen 5 x 5 cm große Löcher, die Mitte der Löcher hat voneinander jeweils 12 bis 14 cm Abstand. In ein Loch pflanzt man einen Presswürfel, auf dem meist fünf bis sieben Feldsalat-Jungpflanzen gedeihen. Die Presswürfel werden aber nur zur Hälfte in den Boden eingesenkt.

Man kann einwenden, dass es eine ziemliche „Fummelarbeit“ ist, die Löcher in das Papier zu schneiden. Allerdings erspart man sich dadurch langwieriges und wiederholtes Jäten im Gartenbeet. Außerdem ist der Feldsalat einfach und sauber zu ernten, sofern die Pflanzwürfel hoch genug gesetzt wurden.

Mulchvlies

6-Zuchhini-Mulchfolie

Handelsübliches schwarzes Mulchvlies aus Kunststoff erweist sich in sehr heißen Sommern als ungünstig. Dies gilt vor allem für Kulturen wie Salat und Sellerie, die beide keine sehr hohen Temperaturen lieben.

Diese Mulchfolien kann man aber auch in Zukunft vorteilhaft einsetzen: Streifenweise geschnitten, sorgen sie ab Mai für einen warmen Fuß für die Setzlinge von Gurken, Zucchini, Melonen und Kürbis.

Flächig verwendet sind sie bei Kürbis und Melonen sowie auch bei Süßkartoffeln weniger günstig. Sie hindern deren Adventivwurzeln, die an vielen Blattknoten entspringen, daran in den Boden einzuwurzeln.

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Viele Vorteile von Mulch im Garten

Den Gartenboden mit Stroh, Grasschnitt, Silage & Co. zu mulchen, bringt nur Vorteile mit sich. Aber richtig angehen muss man es schon:

  • Die Materialien halten Erdbeeren und Salat sauber, außerdem unterdrücken sie keimende Unkräuter.
  • Mulch hilft, Wasser im Garten zu sparen. Dabei wirkt Mulch in vielfacher Weise: Zunächst verhindert er die Verdunstung von Wasser direkt aus dem Boden. Zudem hält er die Bodenoberfläche offenporig und verhindert Verkrustungen. So nimmt der Boden beim Gießen oder bei Regenfällen viel mehr Wasser auf, bevor überschüssiges Wasser unnütz seitlich abfließt. Verrottende Materialien reichern den Boden mit Humus an, sodass er langfristig lockerer und strukturstabiler wird und dadurch mehr Wasser speichern kann. In der Konsequenz heißt das: Weniger gießen!
  • Außerdem bremsen die Materialien die Windgeschwindigkeit unmittelbar an der Bodenoberfläche. Gerade bei trockenen Ostwinden ist das ein unschätzbar wirksamer Effekt. Immerhin haben frisch besäte oder bepflanzte Beete hohe offene Beetanteile. Die genannten Streumaterialen, vor allem die feiner gekörnten, kann man ohne weiteres zwischen frischen Aussaaten verteilen.
  • Maissilage bringt, ebenso wie Schafwolle und auch Grasschnitt, zusätzlich Nährstoffe auf die Fläche.

Schnecken lieben im Garten vor allem dicke Auflagen von Mulch wie Grasschnitt. Besonders nach Dauerregen nutzen Schnecken diesen feuchten Ort, um sich darunter zu verstecken. Deshalb ist es empfehlenswert, dünne bis durchscheinende Schichten aufzutragen – diese fördern Schnecken kaum.