Grabpflege

Dauerhaft schöne Gräber anlegen

Grab-Lavendel
Bärbel Steinberger
am Freitag, 16.10.2020 - 10:58

Das Grab pflegen ist ein Trost spendendes Ritual. Manchmal wird die Pflege aber zur Last. Eine dauerhafte und stimmige Grabbepflanzung kann die Abhilfe sein. Und mehr als das.

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Die Wechselbepflanzung mit einjährigen Blumen wie Veilchen, Eisbegonien oder Erika bringt zwar jahreszeitliche Abwechslung, Farbe und Leben auf das Grab, erhöht aber den Pflegeaufwand: Man muss dreimal im Jahr neu pflanzen. Da eine Wechselbepflanzung auch Blickfang ist, fällt es schnell auf, wenn sie vernachlässigt wird. Hier muss also regelmäßig Verblühtes entfernt, gestutzt, gejätet, gedüngt und gegossen werden.

Grab-Gaissmayer

Setzt man dagegen auf einen Dauerflor aus Gehölzen, Stauden und Gräsern, reduziert sich der Aufwand enorm. Die mehrjährigen Pflanzen werden einmal angeschafft und gepflanzt. Eine Grabgestaltung, die das ganze Jahr über einen abwechslungsreichen und gepflegten Eindruck bietet und noch dazu ein willkommenes Refugium für Insekten und Vögel darstellt, ist möglich. Man erreicht sie, indem man die Pflanzen fachgerecht in ihren variierenden Farben, Formen und ihrem unterschiedlichen Blühzeitpunkt auswählt.

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Neben den wirtschaftlichen und ökologischen Argumenten passen Stauden durch ihren Symbolwert ideal zum Friedhof. Stauden symbolisieren das natürliche Werden und Vergehen des Menschen: Im Frühling sprießen sie aus der Erde, wachsen, blühen und sterben im Herbst ober- irdisch ab, um im nächsten Frühjahr erneut auszutreiben. Dies zeigt, dass das Leben mit dem Tod nicht aufhört, es verändert sich.

Pflanzen mit besonderer Symbolkraft wählen

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Auch generell kann man gut auf symbolträchtige Pflanzen zurückgreifen, die eine besondere Ausdruckskraft haben: eine rote Strauchrose als bekanntes Symbol der Liebe oder das weiße Tränende Herz, weil es die Lieblingsblume der Verstorbenen war oder genau zu deren Geburts- oder Sterbetag blüht.
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Am wichtigsten bei der Auwahl der Pflanzen ist, dass die Standortansprüche der ausgewählten Arten zu den vorhandenen Licht- und Bodenverhältnissen passen. Nur so entwickelt sich eine pflegearme und ästhetisch ansprechende Bepflanzung. Wichtig ist aber auch: Weniger ist mehr! Es hat sich bewährt, sich auf drei bis vier Pflanzenarten zu beschränken. Zu viele verschiedene Arten erzeugen eine optische Unruhe, dabei sollte der Gesamteindruck eher ruhig, schlicht und einfach sein.
Liegt das Grab an einer sonnigen Stelle mit durchlässigem Boden, greift man auf hitzetolerante Pflanzen zurück. So kann man zum Beispiel als Rahmenbepflanzung den Zwergflieder (Syringa meyeri) ‘Pallibin’ verwenden, als Bodendecker Wollziest (Stachys byzantina) oder Thymian (Thymus) und als Blickfang zwei bis drei Lavendel (Lavandula) dazusetzten. Auch eine Kombination aus Kugel-Kiefer (Pinus mugo) ‘Mops’, Katzenpfötchen (Antennaria), Heiligenkraut (Santolina) und Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) ist möglich. Viele Gräser sind typische Steppenpflanzen, die an die Sommertrockenheit angepasst sind. Sie sind sehr pflegeleicht und zieren das Grab auch im Winter, wenn Raureif ihre Halme schmückt.

Die Standortansprüche der Pflanzen beachten

Besondere Trockenkünstler liefert die Pflanzengattung Sedum. Teppich-Sedum (Sedum spurium) wachsen sich, wie der Name schon sagt, zu dichten, dekorativen Teppichen zusammen. Diese Bodendecker schützen den Boden vor Austrocknung und verhindern gleichzeitig die Ansiedlung von Wildkräutern. Das Einbringen eines sogenannten Unkrautvlieses darunter ist nicht notwendig, auch wenn dies oft empfohlen wird. Wichtig dagegen ist, dass genügend Pflanzen pro Quadratmeter gesetzt werden, um die Grabfläche rasch zu bedecken.
Oft liegen Grabstellen unter alten Linden, Buchen oder Birken. Diese spenden zwar Schatten, saugen aber auch das ganze Wasser aus dem Boden. Hier braucht es Schattenstauden, die mit dieser speziellen Situation gut zurechtkommen (siehe Kasten unten). Eine Kombination von Bergenie (Bergenia) und Weißbunter Japan-Segge (Carex morrowii) ‘Variegata’ ist hier ebenso möglich wie eine Pflanzung von Elfenblume (Epimedium) mit Tüpfelfarn (Polypodium vulgare). Für große Gräber eigenen sich als Bodendecker unter diesen Bedingungen auch der Rauling (Trachystemon orientalis) und das Immergrün (Vinca).
Für den Frühling kann man die Grabflächen mit dauerhaften Zwiebelpflanzen aufpeppen wie Schneeglöckchen (Galanthus) oder Traubenhyazinthen (Muscari). Beide Arten neigen dazu sich auszubreiten, das ist auf dem Grab aber durchaus erwünscht.

Tipps: Wenig Grabpflege durch gute Planung

Ältere Gräber zeugen oft davon, dass viele dort gepflanzte Gehölze nicht klein bleiben. Das macht Ärger und viel Arbeit bei der Pflege des Grabes.

Einkauf in der Gärtnerei

Echte Zwerggehölze wie die Zwerg-Muschel-Zypresse (Chamaecyparis obtusa) ‘Nana Gracilis’, die Zwerg- Berberitze (Berberis buxifolia) ‘Nana’ oder den Zwerg-Lebensbaum (Thuja occidentalis) ‘Teddy’ sucht man am besten in gut sortierten Baumschulen und Gärtnereien. Der höhere Preis für diese extrem langsam wachsenden Gehölze zahlt sich in jedem Fall aus, da man sie viel weniger und seltener schneiden muss.

Ebenso verhält es sich mit den bodendeckenden Kleingehölzen oder Stauden. Eine gute fachliche Beratung erspart hier jede Menge Arbeit und Enttäuschungen. Denn Kriechspindel ist nicht gleich Kriechspindel und Farn ist nicht gleich Farn – die Sorte macht den Unterschied!

Spezialerde ist unnötig

Damit am Grab wirklich weniger Pflegearbeit anfällt, ist es notwendig, den Boden vor der Dauerbepflanzung optimal vorzubereiten. Selbstverständlich ist, dass die Fläche frei von jeglichen Wurzelunkräutern wie Quecke, Giersch oder Ackerschachtelhalm sein muss. Sehr sandige, steinige Böden versorgt man gut mit Kompost. Ist der Boden sehr schwer oder gar verdichtet, tauscht man am besten die oberste Schicht (15 bis 20 cm) aus und füllt das Grab mit einem Gemisch aus 1/3 der vorhandenen Erde, 1/3 Sand und 1/3 Kompost auf. Auf Spezialerde, die meist einen hohen Torf-Anteil hat, kann man gut verzichten, ebenso auf die mit Farbstoffen angeschwärzte Graberde. Auch wasserspeichernde Zuschlagstoffe sind überflüssig. Besser ist es, die Pflanzen standortgerecht auszuwählen.

Das Gießen entfällt fast

Hat man bei der Bodenvorbereitung, der Pflanzenauswahl und Pflanzdichte alles richtig gemacht, hält sich die Pflege der Pflanzen auf dem Grab in Grenzen. Selbstverständlich brauchen auch unempfindliche Gewächse erst einmal Fürsorge, bis sie eingewachsen sind. Später jedoch sorgen sie weitgehend für sich selbst. Eine Startdüngung im Frühjahr, ein Pflegeschnitt im Spätherbst und bei extremer Trockenheit auch mal gießen – mehr ist bei einer Dauerbepflanzung auf Gräbern nicht notwendig.

Mit geeigneten Pflanzen Gräber nachhaltig gestalten

Gräber, die in voller Sonne oder im trockenen Schatten liegen, sind für Pflanzen „Extremstandorte“. Trotzdem gibt es eine Auswahl geeigneter Kandidaten. Wir stellen sie vor.

Stauden für Gräber im trockenen Schatten

  • Günsel (Ajuga reptans) in Sorten,
  • Bergenie (Bergenia Hybride) i. S.,
  • Elfenblume (Epimedium x perralchicum) ‘Frohnleiten’,
  • Teppich-Drahtstrauch (Muehlenbeckia axillaris),
  • Kleiner Schlangenbart (Ophiopogon japonicus),
  • Dickmännchen (Pachysandra terminalis) ‘Green Carpet’,
  • Rauling (Trachystemon orientalis),
  • Immergrün (Vinca minor) i. S.,
  • Golderdbeere (Waldsteinia ternata),
  • Breitblatt-Segge (Carex plantaginea),
  • Wurmfarn (Dryopteris filix-mas),
  • Tüpfelfarn (Polypodium vulgare).

Pflanzen für Gräber in vollsonniger Lage

Stauden

  • Stachelnüsschen (Acaena buchananii),
  • Perlkörbchen (Anaphalis triplinervis) ‘Silberregen’,
  • Katzenpfötchen (Antennaria dioica) ‘Rubra’,
  • Polster-Silberraute (Artemisia schmidtiana) ‘Nana’,
  • Thymian (Thymus) i. S.,
  • Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides),
  • Fetthenne (Sedum album) ‘Coral Carpet’, (S. floriferum) ‘Weihenstephaner Gold’, (S. spurium) ‘Album Superbum’, (S. spurium) ‘Fuldaglut’,
  • Hauswurz (Sempervivum) in Sorten,
  • Ziest (Stachys byzantina) ‘Big Ears’, ‘Silky Fleece’.

Halbsträucher

  • Bartblume (Caryopteris clandonensis) i. S.,
  • Currykraut (Helichrysum italicum) i. S.,
  • Ysop (Hyssopus officinalis) i. S.,
  • Lavendel (Lavandula angustifolia) i. S.,
  • Raute (Ruta graveolens),
  • Salbei (Salvia officinalis) ‘Berggarten’,
  • Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus),
  • Zwerg-Berg-Bohnenkraut (Satureja montana ssp. Illyrica),
  • Gamander (Teucrium x lucydris).

Gräser

  • Blaustrahlhafer (Helictotrichon sempervirens) ‘Saphirsprudel’,
  • Schillergras (Koeleria glauca),
  • Schwingel (Festuca cinerea, F. amethystina, F. ovina),
  • Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) ‘Hameln’, ‘Compressum’,
  • Federgras (Stipa barbata, S. capillata).
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