Erste-Hilfe für Pflanzen

Braunfäule bei Tomaten bekämpfen und vorsorgen

Isolde Keil-Vierheilig & Marianne Scheu-Helgert - Bayerische Gartenakademie
am Freitag, 20.08.2021 - 06:18

Was tun mit befallenen Tomatenpflanzen und welche Sorten trotzen dem Pilz? Hilfreiche Tipps für Braunfäule auf Tomatenpflanzen.

Braunfaeule auf einer Tomatenpflanze. Viele Treibe und Blätter der Pflanzen sind komplett braun und vertrocknet.

Der Schreck vieler Gärtnerinnen und Gärtner war groß – fast über Nacht bekamen die Tomatenpflanzen im Freiland ohne Schutz dunkelbraune und graue Flecken auf verschiedenen Pflanzenteilen. Die Kraut- und Braunfäule war in manchen Regionen lange Zeit kein Thema mehr. Doch in diesem Jahr hat sie schonungslos zugeschlagen.

Infektion und Symptome

Die Krankheit an Tomaten wird wie bei den Kartoffeln durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht. Sie tritt meist ab Mitte Juli bei feuchter, kühlerer Witterung und vor allem im Freiland auf. Wiederkehrende Niederschläge, hohe Luftfeuchte sowie Temperaturen wenig über 20 °C und nachts oft weit darunter lassen die Blätter kaum abtrocken, sodass sich der Pilz schnell ausbreiten kann.

Ältere Blätter zeigen zunächst graugrüne Flecken, die sich grau bis schwarz verfärben und ineinanderfließen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf der Blattunterseite ein grauweißer Pilzrasen. Stängel bekommen braune Flecken und werden brüchig. Empfindlich für eine Infektion sind auch die Früchte. Es entstehen braune, etwas eingesunkene harte Flecken, die tief in das Fruchtfleisch gehen. Infizierte Früchte sind nicht genießbar und sind zu entsorgen. Befallenes Pflanzenmaterial entsorgt man über die Biotonne.

Gesunde, grüne Tomatenfrüchte können noch nachreifen, wenn sie ihre Endgröße erreicht haben und ihre Farbe schon von dunkel- auf hellgrün wechselt. Aber: Täglich kontrollieren! Oft bemerkt man den Fruchtbefall mit Braunfäule erst nach ein paar Tagen. Diese Tomaten schmecken zwar nicht so aromatisch, man kann sie aber zusammen mit an der Pflanze gereiften Tomaten zu Soße verkochen.

Richtige Vorsorge treffen

Wer Tomaten im Freiland anbaut, sollte auf resistente Sorten setzen. Hierzu gibt es aktuelle Beobachtungen von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim: Den stärksten Befall mit schwarzen Stängelpartien zeigt die Sorte ‘San Berao’, eine Weiterentwicklung aus ‘De Berao’ (sehr robust, aber mäßig im Geschmack). Mit gesunden Blättern steht die Cocktailtomate ‘Primabella’ auf dem Beet, die zumeist robuste Sorte ‘Philovita F1’ zeigt nur wenige kleine Blattflecken. ‘Resibella’ hat ebenfalls nur wenige, etwas größere Flecken. Mäßigen Befall im unteren Drittel der Blattzone zeigen die Sorten ‘Green Zebra’, ‘Black Cherry’, ‘Nagina F1’, ‘Bruds Atomic Grape’, ‘Rose Crush F1’ und ‘Honey Comb F1’.

Wichtig für den erfolgreichen Tomatenanbau ist ein weiter Pflanzabstand von mindestens 60 cm und ein konsequentes Ausgeizen, damit genügend Luft durchziehen kann und die Blätter möglichst trocken bleiben. Besonders in Regionen, die öfter mit Niederschlägen rechnen, ist der Tomatenanbau unter einem Dach empfehlenswert. So bleiben die Pflanzen weitgehend trocken und es kann Wind durchziehen.

Deshalb sollten auch die Seiten der Überdachungsvorrichtung offen bleiben, eventuell lediglich die Wetterseite geschlossen. Tomaten und Kartoffeln pflanzt man möglichst weit auseinander, denn oft sind erst die Blätter der Kartoffeln befallen, bevor die Pilzsporen die Tomaten infizieren.

 

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt