Balkon- und Gartenpflanzen

Blütenbuffet für Insekten

Die Gärtnerin steht mit einer Gießkanne zwischen ihren zahlreichen orangefarben, blühenden Pflanzen.
Helga Gebendorfer
am Freitag, 07.05.2021 - 10:10

Emmi Westermeier hat ein Gartenparadies für Bienen, Hummeln und Co. geschaffen. Sie verrät, welche Pflanzen bei den Insekten besonders gut ankommen.

Balkonkasten2

Jeder kann etwas für Insekten und Bienen tun – auch wenn der Garten klein ist oder man nur einen Balkon zur Verfügung hat.“ Diesen Standpunkt vertritt Emmi Westermeier, Kreisbäuerin im Landkreis Dachau. Die 62-Jährige appelliert an alle Blumenfreunde, gerade jetzt im Frühjahr beim Kauf von neuer Ware bewusst an eine insektenfreundliche Gestaltung zu denken.

Los geht es bei ihr mit der Pflanzenauswahl für die Balkonkästen, die das Bauernhaus aus den 60er Jahren zieren. Dabei gilt es zu bedenken, dass Bienen, Hummeln und andere bestäubende Insekten wie Schwebfliegen, Wespen, Schmetterlinge oder Käfer ungefüllte Blüten lieben.

Weniger opulent, dafür freier Weg zum Nektar

In einem braunen, länglichem Balkonkasten sind verschiedenen Pflanzen arrangiert. Der Kasten steht auf einem Steinboden im Garten.

Statt der üblichen Geranien oder Petunien empfiehlt die Gartlerin andere Blumen wie Elfenspiegel, Zauberschnee und Vanilleblume sowie Fächerblume und Blaues Lieschen. Sie schmücken den Balkon vielleicht nicht ganz so opulent, „dafür ist hier der Weg zum nahrhaften Nektar frei“, stellt Westermeier fest. Hinzu kommt, dass gefüllte Blüten nur wenige bis gar keine Staubgefäße haben. „Sie sind also Mogelpackungen für Insekten, da es hier nichts zu holen gibt“, verdeutlicht sie. Freilich muss niemand ganz auf gefüllte Blütenpflanzen verzichten. Doch jeder Gartenbesitzer kann auf Vielfalt setzen und an ungefüllte Alternativen denken.

Der Bäuerin liegt dieses Thema besonders am Herzen. Denn beim „Peterbauer“, wie der Hofname heißt, stehen drei Bienenvölker, die Schwiegertochter Regina betreut. Der Vollerwerbsbetrieb, den sie zusammen mit ihrem Mann Hans und Sohn Hans bewirtschaftet, ist ein Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Milchviehhaltung. Zudem wird zusammen mit dem Nachbarhof eine 500 kW- Biogasanlage betrieben.

Eine Biene sitzt auf einer lilafarbenen Distel.

Gerade ab dem Frühsommer, wenn die Rapsblüte vorbei ist, sind Blühpflanzen bei Insekten gefragt. „Oft fehlen den fleißigen Sammlerinnen notwendige Nahrungspflanzen“, betont die Gartenliebhaberin. „Ich bemühe mich deshalb, die gesamte Vegetationszeit vom Frühjahr bis Herbst mit Blühangeboten abzudecken.“ Sie ergänzt, dass z. B. die Wildbienen ebenso von der Nahrungsknappheit betroffen sind. Über die Hälfte der gut 560 heimischen Wildbienen-Arten sind gefährdet.

Nahrhaftes für das Staudenbeet

Emmi-Westermeier schneidet Lavendel in ihrem Garten

Neben der „nahrhaften“ Balkonbepflanzung hat Westermeier auch Tipps für die Bepflanzung von Staudenbeeten parat. Als sonnenliebende Pollen- und Nektarpflanzen schlägt sie Sonnenröschen, Akeleien und Disteln sowie Sonnenhut, Margeriten, Katzenminze und mehrjährige Kräuter vor. Auch Zwiebelblumen, Lavendel, Durchwachsene Silphie, Wollziest oder Fetthenne eignen sich gut. Begehrte Arten für Schattenbeete sind Purpurglöckchen, Astilben, Glockenblume und Bärlauch. Außerdem empfiehlt sie Fingerhut, Salomonssiegel, Porzellanröschen und Clematis sowie Frauenmantel, Elfenblume, Storchschnabel, Funkien, Maiglöckchen und Fuchsien.

Pflanzen sind in einer alten Jeans arrangiert. Es sieht so aus, als ob jemand mit Jeans auf einer Holzbank sitzen würde. Dahinter ist Holzgestapelt.

An dieser Stelle weist die Gärtnerin darauf hin, dass es bei großen Anpflanzungen ratsam ist, gezielt vorzugehen. Hier stellt sich die Frage, welche Pflanzen passen auf diesen Standort? Am besten holt man sich Informationen bei den Gärtnereien oder Baumschulen. Dort findet man passende gesunde und starke Pflanzen, die gut anwachsen. Von der Nachbarin oder Freundin geschenkte Pflanzen kann man dann als Lückenfüller in die Rabatten pflanzen.

Doch nicht nur mit dem Nahrungsangebot fördert man Wildbienen im Garten. Auch selbst gebaute Nisthilfen, trockenes Totholz, sonnige Trockenmauern, sandige Flächen für Bodennester oder leere Schneckenhäuser können den verschiedenen Wildbienen-Arten als Kinderstube dienen. Zudem nehmen viele Insekten Wassertrinkstellen gerne an. Eine einfache Möglichkeit ist eine flache Wasserschale mit ein paar Steinen, auf denen sie landen können.

Kräuter sind ein Schmaus für Insekten

Rot-bluehende-Erdbeere

Gleichsam für Insekten, aber auch für Menschen wertvoll ist ein Garten voller Kräuter. Sie wachsen in den Beeten, aber auch in Töpfen auf der Terrasse oder auf Balkonen und sind wahre Bienenmagnete. Die Bäuerin rät zu verschiedenen Thymiansorten und Salbeiarten, Basilikum, Rosmarin, Schnittlauch oder Zitronenmelisse. Diese sind gleichzeitig eine Bereicherung für die Küche – genauso wie viele Minzarten, Ysop oder Bohnenkraut, Borretsch und Gewürztagetes.

Genauso empfehlenswert sind eine Reihe von Erdbeersorten, welche in sämtlichen Gefäßen gedeihen. Sogar in Hängeampeln machen sich manche Sorten gut, wie die rot blühende Erdbeere ‘Rubin’. Die Insekten werden von den Beerenblüten angelockt und sammeln fleißig Nektar und Pollen.

Arrangement-Kuebel1

Und schließlich tut man den Insekten schon etwas Gutes, wenn man auf dem Rasen alles blühen lässt, was sich ansiedelt: Löwenzahn, Ehrenpreis, Weißklee, weiße Schafgarbe, Wiesenmargariten, Wiesensalbei, Flockenblumen und Gänseblümchen. „Ein bisschen was geht immer“, meint die Bäuerin schmunzelnd und schlägt vor, auch ein paar wilde Ecken im Garten einzuplanen. „Es muss nicht immer alles geschniegelt und gestriegelt sein“, betont Westermeier.

Pflanz- und Dekotipps der Gartlerin

Flaschen wurden umgedreht in den Boden eingegraben, sie bilden eine Beetabgrenzung zwischen einem Kiesbett und grünem Rasen.

Emmi Westermeier gibt gerne Erfahrungen an interessierte Leserinnen und Leser weiter.

  • Kräuter blühen lassen: Einen Teil der Kräuter abernten und einen Teil wachsen und blühen lassen, um für die Insekten Nahrung anzubieten. Das gilt insbesondere bei Petersilie, deren Keimfähigkeit oft zu wünschen übrig lässt. Emmi Westermeier lässt sie in ihrem Gemüsegarten immer stehen und blühen, damit sie selbst aussamt. Damit hat sie sehr gute Erfahrungen gemacht.
  • Rankgerüst für Kräuter & Co.: Rankenden und instabilen Pflanzen bieten bereits einfache Holzstecken aus Natur und Garten, zum Beispiel Haselnuss, ausreichende und dekorative Stützhilfen. Zur Stabilität können sie mit Bast oder Bindfaden zusammengebunden werden. Sie ersetzen Kunststoff- oder aufwendigere Metalllösungen.
  • Rankgerüst für Tomaten: Auch die Tomaten kann man an einfachen Haselstecken fixieren, sie stützen die Pflanzen in der Höhe über die Spiralen hinaus. Ein oder mehrere Querstecken sorgen für noch mehr Halt. In stabilen Holztrögen mit ausreichend Erde und Möglichkeit zur Wasserversorgung können gleichzeitig Paprika untergepflanzt werden, die sich genauso an der Südseite von Gebäuden wohlfühlen und gut entwickeln.
  • Flaschen-Deko: Als Rasenkanten eignen sich leere Flaschen perfekt, die vollständig kopfüber in den Boden eingegraben und gut in Kies eingebettet werden. Sie dienen als Wachstumssperre für den Rasen und damit als Arbeitserleichterung. Die Begrenzung kann mit dem Rasenmäher gut befahren werden und punktet als preisgünstige, ungewöhnliche Alternative.
  • Kübelpflanzen eingraben: Exemplare in großen und schweren Töpfen, wie Oleander und Olive, kann man einfach in die Erde eingraben. Das verhindert, dass sie bei Wind umstürzen. Wenn sie ins Winterquartier wandern, werden die Löcher z. B. mit Blumenuntersetzern abgedeckt, die mit einem großen Stein beschwert werden. Auf diese Weise fallen keine Tiere hinein.
  • Bananen in Bayern: Bananenstauden sind etwas Besonderes im Hausgarten. Die winterharte Art hat Westermeier bereits vor zehn Jahren im Gemüsegarten direkt in den Boden eingepflanzt. Die Bananenpflanze liebt die Wärme an der südseitigen Hausmauer. Da der Standort passt, wächst sie jedes Jahr. Im Winter wird der Exot etwas mit Strohmatten eingemacht, friert zwar zurück, treibt aber im Frühjahr immer wieder mit voller Kraft aus.
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