Umwelt

Belastung mit Industriechemikalien

Industrie
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 14.04.2020 - 18:03

Der Münchner Norden hat ein Problem mit PFOS. Niedersachsen hat zu einem ähnlichen Fall eine Studie durchgeführt.

München/ HannoverGrundwasser und Oberflächengewässer sind im Münchner Norden mit der Chemikalie Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) belastet. Das ist bereits länger bekannt.

Zunächst ist die Substanz im Freisinger Raum festgestellt worden. Bei der Suche nach dem Emittenten ist eine Rückverfolgung bis in die Nordbezirke von München erfolgt. Der Verursacher steht aber bislang nicht fest.

Niedersachsen hat Belastung von Weidetieren untersucht

Im vergangenen Jahr wurde in Niedersachsen eine erhöhte Belastung der Ochtum, einem Nebenfluss der Weser, mit PFOS festgestellt. Nach dem Bekanntwerden der Belastung starteten Niedersachsen und Bremen das bundesweit einzigartige Monitoring auf PFAS bei Weidetieren.

Zudem wurden die anliegenden Weidetierhalter vorsorglich darauf hingewiesen, nicht das Ochtum-Wasser zum Tränken ihrer Tiere zu nutzen.

Milch und Fleisch analysiert

Der Abschlussbericht des Weidetiermonitorings in Bremen und Niedersachsen liegt nun vor. Demnach weist Milch keine gesundheitlich bedenkliche Belastung an perflourierten und polyflourierten Alkylsubstanzen (PFAS) auf. Aber vom Verzehr von Schafleber wird abgeraten. Das geht aus einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hervor.

Dabei wurden neun Tankmilchproben sowie 42 Proben von Kühen aus niedersächsischen und bremischen Betrieben mit Ochtum-nahen Flächen untersucht. Sowie zur Beurteilung der allgemeinen Hintergrundbelastung 219 Tankmilchproben sowie Lebern von 75 Kühen und fünf Schafen von Betrieben aus anderen Landesteilen.

Bei Milch liegen die Werte unter der Bestimmungsgrenze

Im weit überwiegenden Teil der Untersuchungsergebnisse von Milch lagen die gemessenen Parameter unterhalb der Bestimmungsgrenze für die jeweilige Verbindung.

Für eine gesundheitliche Bewertung wurden Modellrechnungen vorgenommen. Diese ergaben, dass beim regelmäßigen Verzehr von Schaflebern die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (Tolerable Weekly Intakte, TWI) überschritten wird.

In Bezug auf die PFAS-Gehalte von Rinderlebern lassen die ermittelten Werte derzeit noch keine eindeutige Aussage zu. Es ist vorgesehen, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in die Bewertung einzubeziehen.

Die bereits bekannte Verzehrempfehlung für Fische, die in der Grollander Ochtum sowie den niedersächsischen Abschnitten der Ochtum und der angeschlossenen Gewässer gefangen wurden, bleibt bestehen.

Bisher noch keine Grenzwerte für PFAS

Perfluorierte und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind Industriechemikalien, zu denen unter anderem Perfluoroctansäure (PFOS) gehört. Die bundesweite und europäische Datenlage zu PFAS-Gehalten in Lebensmitteln ist noch nicht ausreichend für eine abschließende und sichere Risikobewertung und ebenso nicht für eine Festlegung von Grenzwerten. Insofern sind von der EU bisher keine Grenzwerte für PFAS festgelegt worden.

Die Untersuchungen dienen daher nicht nur der Einschätzung der Belastungssituation in Bremen und Niedersachsen sondern auch der der Verbesserung der nationalen und europäischen Datenlage und werden sowohl dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als auch der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) zur Verfügung gestellt

Derzeit liegt der Entwurf einer neuen EFSA-Stellungnahme vor. Darin werden sowohl die Bezugssubstanzen als auch ein sich daraus neu abgeleiteter, möglicherweise nochmals niedrigerer TWI diskutiert. Das Ergebnis der laufenden Konsultation der EU-Mitgliedsstaaten und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Risikobewertung von Lebensmitteln, bleiben abzuwarten.