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Gemüseanbau

Zu Beginn wenig, am Ende mehr

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Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 19.05.2022 - 15:00

Die Profitipps für Hobbygärtner: Wie bekommt man viel Ertrag von Tomate, Paprika und Gurke? Und wie wird auch die letzte Tomate rot?

Die Freilandsaison hat begonnen: Nach den Eisheiligen ist es nun an der Zeit, die Jungpflanzen nach draußen zu bringen. Für eine optimale Ernte gibt es einige Tipps und Voraussetzungen. In Vaterstetten bei München kultiviert Florian Böck in seiner Gärtnerei mehr als 80 verschiedene Kräuter und Jungpflanzen. Auf 18 000 Quadratmetern baut Betriebsleiter und Gärtnermeister Böck im Gewächshaus zudem 15 verschiedene Tomatensorten an. Er verrät, was Anbauer im eigenen Garten dringend beachten sollten.

Tomaten: Veredelte Tomatensorten werden immer beliebter. Hierbei handelt es sich um eine Edelsorte, die zuvor auf eine sogenannte Unterlage, eine weitere Tomatenpflanze, aufgesetzt wurde. Auf diese Weise wird die Edelsorte noch widerstandsfähiger und meist ertragreicher. Bei veredelten Tomaten empfiehlt Böck, dass die Veredelungsstelle immer oberhalb der Erde liegt. „Ansonsten bildet die Veredelungsstelle selbst Wurzeln in der Erde und der Effekt durch die Unterlage ist weg.“

Gärtnermeister Florian Böck

Wichtig sei, die Tomaten regelmäßig zu düngen, laut Böck „am besten jede Woche“. Ob biologisch oder konventionell sei nicht entscheidend. Immer wieder beklagen Hobbygärtner, dass ihre Tomatenfrüchte aufgeplatzt sind. Das könne mehrere Ursachen haben, sagt Böck: „Zu viel Wasser, zu früh gegossen – da ist der Wasserdruck in der Pflanze und in den Früchten zu hoch.“ Bekannt sein dürfte, dass es nach dem Einpflanzen von Tomatenjungpflanzen wichtig ist, diese entweder mit einem Stab zu stützen oder sie an einer Schnur nach oben zu binden. Außerdem sollte die Tomate an einem sonnigen, aber dennoch vor Wettereinflüssen geschützten Standort stehen. Seiten- beziehungsweise Geiztriebe müssen dringend herausgebrochen werden. „Sie rauben viel Kraft, deshalb sollte nur der Haupttrieb stehen gelassen werden.“ Anders verhält es sich hingegen bei kleinen Buschtomaten. Hier werden die Seitentriebe stehengelassen. Tomatenpflanzen müssen nach dem Kauf nicht sofort umgetopft oder eingepflanzt werden: „Wichtiger ist vielmehr, sie erst nach der Kälteperiode einzupflanzen“, sagt Böck. Aus dem Topf hängende Wurzeln machen der Tomate nichts. „Wenn man sie umtopft, beginnt sie schnell, neue Wurzeln zu bilden und sich in der neuen Erde wohlzufühlen.“

Leidenschaftlich diskutiert wird auch die Frage, ob der Haupttrieb zum Ende der Saison im Freiluftbereich abgeschnitten werden soll. „Das wäre auf alle Fälle wünschenswert“, sagt Böck. „So können auch die letzten Früchte rot geerntet werden. Etwa acht Wochen, bevor die Tomaten ausgegraben werden, sollten sie geköpft werden.“ Bis es soweit ist, haben die Tomaten aber noch einige Zeit – und hoffentlich viele Früchte.

 

  • Paprika: Um genügend Ertrag bei der Paprika zu erhalten, muss die Königsblüte entfernt werden. Unter dem Begriff Terminalknospe oder Königsblüte wird die erste Blüte bezeichnet, welche die Pflanze bildet, erklärt Böck. Viele Hobbygärtner hätten Sorgen, diese Blüte wegzunehmen. Doch das sei unbegründet, sagt er, denn: „Die Pflanze braucht Kraft. Deshalb muss man sich am Anfang trauen, diese Blüte zu entfernen und so das weitere Wachstum zu fördern.“ Die Pflanze habe ansonsten nicht die Kraft, sich weiterzuentwickeln. Bei jeder Blüte verzweigt sich die Paprika nochmals. Auch hier sollte ein Trieb entfernt, also regelmäßig ausgegeizt werden. „So hat man kontinuierlich eine schöne Paprikaernte im Gewächshaus oder im Freiland.“
  • Gurke: Auch bei der Gurke muss immer mal wieder eine Blüte entfernt werden. Es sollte nur eine Blüte in jeder Achsel bleiben – lieber sogar in mancher Achsel gar keine. „Ansonsten hat man zwar anfangs viel Ertrag auf dem Tisch liegen, aber die oberen Gurken werden dann von der Pflanze abgeworfen, weil ihr auch hier dann dafür die Kraft fehlt.“ Deshalb sollten Hobbygärtner sich nicht scheuen, auch Blüten in den Gurkenachseln zu entfernen.

 

Wie bei so vielem gilt auch im Gemüsegarten: Am Anfang weniger ist am Ende manchmal doch mehr.