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Gartenreportage

Ein Bauerngarten auf drei Ebenen

Genießen ihren Garten: Sylvia und Hermann Zeuß haben sich im Hofraum einen gemütlichen Sitzplatz geschaffen. Wo sie heute die Pracht der Kübelpflanzen genießen, war früher der Misthaufen.
Stephan-Herbert Fuchs
am Montag, 10.10.2022 - 16:20

Sylvia und Hermann Zeuß haben sich einen Garten zum Wohlfühlen geschaffen. Nicht nur im Hofraum, der mit Kübelpflanzen geschmückt ist, sondern sogar auf dem Dach und im Gemüsegarten.

Ich liebe meinen Garten. Das steht auf einem Schild, das an der Gartentür von Sylvia Zeuß hängt. Für die Bäuerin ist das nicht nur ein netter Spruch, sondern ihre Mentalität, mit der sie ihr grünes Paradies liebevoll pflegt und hingebungsvoll bewirtschaftet. Es ist ein Garten zum Wohlfühlen, den Zeuß in der Hofstelle mitten im Kronacher Ortsteil Vogtendorf angelegt hat.

Landwirtschaftlicher Betrieb mit Ackerbau, Grünland und Wald

Stillleben am Hof: Prächtige Kunstwerke aus Holz, wie diesen überdimensionalen Fächer neben dem Hackschnitzellager, erschafft Hermann Zeuß. Der Landwirt betreibt auch ein kleines Sägewerk.

Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Zeuß wird seit über 30 Jahren im Nebenerwerb geführt. Die Milchviehhaltung hatte man 1996 aufgegeben. Aktuell bewirtschaftet die Familie 12 Hektar Ackerflächen und Grünland sowie 32 Hektar Wald. Das Getreide, in der Regel Hafer und Weizen, wird klassisch vermarktet, das Grünland geht als Rundballen an benachbarte Pferdebetriebe. Bei so viel Wald lohnt sich für Ehemann Hermann sogar der Betrieb eines kleinen Sägewerkes am Ortsrand.

Schon von ihrer Mutter hat Sylvia Zeuß die Liebe zum Garteln mitbekommen. Dann hat sie angefangen selbst „herumzuexperimentieren“, wie sie es nennt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für die Bäuerin hat die Arbeit auch etwas Meditatives. „Wenn ich zum Zupfen anfange, kann ich alles rundherum vergessen“, sagt die ländliche Hauswirtschafterin, die vor vielen Jahren in der Frankenwaldklinik Kronach tätig war.

Der Bauerngarten geteilt in drei Bereiche

Blütengenuss am Hof: Sylvia und Hermann Zeuß haben sich im Hofraum einen gemütlichen Sitzplatz geschaffen. Wo sie heute die Pracht von Kübelpflanzen wie Engelstrompeten, Enzianstrauch, Oleander oder Gewürzrinde genießen, war früher der Misthaufen.

Ihr Garten teilt sich in drei Bereiche. Der größte ist der Topfgarten, der sich über den ganzen Hofraum erstreckt. Stattliche 160 Kübel sind es, von ganz klein bis ganz groß, mit denen die Bäuerin den Hof, den gemütlichen Sitzplatz und den Hauseingang schmückt. Besonders auffällig sind der riesige Oleander, die rote Blutblume, die gelbe Gewürzrinde sowie die Strelitzien und die Schönmalven. In den Kübeln wachsen unter anderem auch Engelstrompeten, Kamelien und Schmucklilien. Agaven, Palmen, Oliven und Feigen sorgen für mediterranes Flair.

Kübelpflanzen werden im Winter mit Heu geschützt

Gartenreportage-Zeuss: Blick auf einen Brunnen, eine große Steinsäule.

Die Kübelpflanzen überwintern im ehemaligen Stall. Zum Schutz gegen die Kälte wurde dort eine isolierende, dauerhafte Wand aus Heupäckchen aufgebaut. Das Licht, das durch die kleinen Stallfenster kommt, reicht laut Zeuß im Winter aus. Einziger Nachteil bei so vielen Topfpflanzen: Im Winter wirkt die Hofstelle irgendwie leer. Aber umso größer ist dann die Freude der Bäuerin auf das kommende Frühjahr.

Außerdem sind im Hofraum auch noch andere Details hübsch anzusehen: Ein selbst gestaltetes Brunnenkunstwerk symbolisiert einen Baumstamm und ein Bierseidla. Es soll an Opa Fritz erinnern, der nicht nur den Wald bewirtschaftete, sondern auch in seiner Jugend das Brauerhandwerk gelernt hatte. Vor fünf Jahren ist er im Alter von 92 Jahren verstorben. Liebevoll erinnert die Familie mit einem Schild an ihn, das die Aufschrift trägt: Fritz-Zeuß-Platz.

Ein Wohlfühlgarten auf dem Dach

Gartenreportage-Zeuss-Hauseingang: Blick auf den Eingang, der sehr stark mit Kübelpflanzen geschmückt ist.

Und der Wohlfühlgarten der Familie Zeuß hört im Erdgeschoss nicht auf, sondern erstreckt sich auf den ersten Stock: Dort befindet sich der bunt blühende Dachgarten mit angeschlossenem Feierraum, der über Werkstatt, Heizungsraum und Hackschnitzellager liegt. „Bis zu 60 Personen haben da Platz“, sagt Sylvia Zeuß und meint schmunzelnd: „Wir feiern gerne.“ Zuletzt wurde hier der 65. Geburtstag von Ehemann Hermann groß gefeiert. Selbst als Konzertpodium wurde der Raum schon genutzt, etwa zum Auftritt des Songpoeten Andy Lang mit keltischer Musik, der kürzlich stattfand.

Im Dachgarten wachsen die Trockenkünstler

Gartenreportage-Zeuss-Dachgarten: Blick über ein Beet hinweg auf anderes Hausdächer.

Der Dachgarten selbst ist bestückt mit Pflanzen, die auch mit weniger Wasser auskommen, Kriechwacholder etwa, Sonnenhut oder Fette Henne. Die Pflanzen gedeihen in einer nur 30 cm dicken Schicht spezieller, mit Substrat angereicherter Erde. Unter der Dachgartenerde wurde unter anderem eine nicht verrottbare Spezialfolie verlegt. Außerdem hat das Dach eine fünfprozentige Neigung, so dass bei starkem Regen das Wasser abfließen kann. „Der Dachgarten ist pflegeleicht“, betont die Bäuerin.

Das gesamte Oberflächenwasser von Wohngebäude, ehemaligem Stall und den Scheunen wird aufgefangen und in eine unterirdische Zisterne geleitet. Sie hat ein Fassungsvermögen von 3750 l. Für Zeuß ist das eine nachhaltige Möglichkeit trotz fränkischen Dürresommern guten Gewissens die Blütenpracht am Hof zu wässern. Gerade in diesem Sommer habe sie damit nicht nur jeden Tag gegossen, sondern manchmal auch bis zu zwei Stunden lang.

Ein Gemüsegarten für den Eigenbedarf

Gartenreportage-Zeuss-Gemüsegarten

Auch in den Gemüsegarten, den die Bäuerin mit viel Hingabe pflegt, führt von der Zisterne eine Wasserleitung. Auf der etwa 70 qm großen Fläche wachsen Sellerie, Lauch und Möhren sowie Zucchini, Rote Rüben Salat, Radieschen … eben alles, was sich die Familie so schmecken lässt.

Zudem dürfen für Zeuß auch im Gemüsegarten Blüten nicht fehlen: Die vielen selbstgezogenen Tagetes sehen nicht nur schön aus, sondern halten Nematoden fern. Ein wahrer Augenschmaus sind die Malven und Dahlien, die Herbstastern und die üppig überhängenden Blütenrispen des Fuchsschwanz. Durch die Mischung von Gemüse und Blumen schafft sie auch dort einen Garten zum Wohlfühlen, der gleichzeitig Nützlinge anzieht: „Die Blumen sind Nahrung für Insekten und geben meinem Garten außerdem ein lebendiges Gesicht. Das ist wunderbar“, schwärmt die Bäuerin.

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