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Pflanzenschutzmittel

Apfelanbau: Wie viel wird in Südtirol gespritzt?

Der Apfelanbau in Südtirol erfolgt auf rund 18.000 Hektar.
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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 25.01.2023 - 16:11

Das Umweltinstitut spricht von einem hohen Dauereinsatz von Pflanzenschutzmitteleinsatz im Vinschgau und hat Daten dazu veröffentlicht.

München Das Umweltinstitut München hat konkrete Daten aus dem Jahr 2017 von 681 Apfelanbaubetrieben aus der Region Vinschgau in Südtirol ausgewertet und veröffentlicht. Diese belegen dem Institut zufolge, dass im intensiven Apfelanbau für Umwelt und Gesundheit hochproblematische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, zum Teil in hoher Frequenz. Die Auswertung zeige unter anderem, dass es zwischen Anfang März und Ende September keinen einzigen Tag gab, an dem im Vinschgau nicht gespritzt wurde.

Basis der Auswertung sind Einsatzdaten von Südtiroler Obstbäuerinnen und Obstbauern, die das Umweltinstitut im Jahr 2017 gemeinsam mit dem Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft wegen übler Nachrede angezeigt hatten. Im Laufe des letztlich erfolglosen Prozesses gegen die Umweltorganisation und deren damaligen Agrarreferent Karl Bär beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Bozen die Daten als Beweismittel und das Umweltinstitut erhielt Akteneinsicht.

Gesundheitsgefährdende Mittel eingesetzt

Laut Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft am Umweltinstitut, belegt die Auswertung, dass im Vinschgauer Apfelanbau 2017 zahlreiche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kamen, die sowohl für die Anwender als auch Anrainer gesundheitsgefährdend sein können. Mehrere der am häufigsten eingesetzten Mittel seien vermutlich fortpflanzungsschädigend oder krebserregend. Das Totalherbizid Glyphosat wurde am fünfthäufigsten in den Apfelplantagen gespritzt.

Zum Einsatz kam auch das inzwischen verbotene Chlorpyrifos-methyl, das die Gehirnentwicklung von ungeborenen Kindern schädigen kann. Bei fast einem Viertel aller Behandlungen wurden laut der Referentin Wirkstoffe verwendet, die als besonders schädlich für Nützlinge wie Schlupfwespen gelten. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Einsätze kamen mehrere Mittel gleichzeitig auf die Plantagen. Dabei wurden am selben Tag bis zu neun verschiedene Mittel gespritzt.

Dient Label nur dem Marketing?

Die konventionellen Apfelanbaubetriebe Südtirols wirtschaften nach den Richtlinien der Arbeitsgruppe für den integrierten Obstanbau (Agrios). „Laut Südtiroler Richtlinien steht der Schutz von Mensch und Umwelt im Vordergrund, und der Einsatz chemisch-synthetischer Mittel soll auf ein Minimum reduziert werden. Unsere Auswertung zeigt jedoch einen derart hohen Einsatz dieser Mittel, dass sich die Frage stellt, ob das Label ‚integrierter Obstanbau‘ nicht vor allem Marketingzwecken dient“, so Fabian Holzheid, politischer Geschäftsführer des Umweltinstituts.