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Menstruation

Alles ganz natürlich: 10 Fakten über die Periode

Auf rosa Hintergrund illustriert: Mittig eine Frau, die nur eine Unterhose trägt, darauf ein rotes Herz, ihre Arme schlingt sie wohlfühlend um ihre Brust. Darum verteilt: Der Schriftzug "Period Power", ein blutiger Tampon, ein Unterhöschen mit einem blutigem Herz, eine Binde mit einem blutigen Herz, eine Menstruationstasse mit Blut gefüllt, darum Blumen gezeichnet, ein gezeichneter Eierstock, darum ebenfalls Blumen, das Symbol für Frau, darum ebenfalls Blumen.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Mittwoch, 21.07.2021 - 11:58

Nicht peinlich, nicht eklig, ein Wunder: Wir sprechen über die Menstruation und haben zehn wissenswerte Fakten zusammengefasst.

Die Regel bekommen, seine Tage haben, Tante Rose kommt, es ist Erdbeerzeit – diese und dutzende andere Ausdrücke nutzen Frauen, um zu sagen, dass sie ihre Periode haben. Medizinisch korrekt wird die Monatsblutung als Menstruation bezeichnet. Leider ist das Thema vielerorts immer noch mit Scham oder gar Ekel behaftet. Darüber zu sprechen, ist sogar teilweise tabu. Und das, obwohl schätzungsweise täglich etwa 300 Millionen Menschen weltweit menstruieren.

Pinke Handschuhe sorgten für Diskussionen

In Deutschland hat spätestens Anfang April eine Folge der Sendung „Die Höhle der Löwen“ gezeigt, dass in puncto Periode immer noch Aufklärungsbedarf besteht. Zwei Männer stellten in der TV-Sendung ihr Produkt „Pinky Gloves“ (pinke Handschuhe) vor und erzielten sogar einen „Deal“ damit. Die Handschuhe sollten ein vermeintliches Frauenproblem lösen: Tampons hygienisch zu wechseln und diese diskret in den Handschuhen zu entsorgen. Nach der Ausstrahlung zeigten sich im Netz viele verärgert und bezeichneten das Produkt als wenig nachhaltig und sexistisch. Kurze Zeit später nahmen die Gründer ihr Produkt wieder vom Markt. Auf ihrem Instagramkanal schrieben sie, dass es „viele ernstzunehmende Kritikpunkte gibt“, die ihnen als „Männer-Team schlichtweg nicht bewusst waren“. Einen positiven Aspekt hatte die Debatte allerdings: Die Menstruation hat seither wieder mehr Aufmerksamkeit in Gesellschaft und Politik bekommen.

Um das Tabu rund um die Periode weiter aufzulösen, haben wir zehn wissenswerte Fakten zusammengefasst.

1. Das geht im Körper vor sich

Menstruation-Geschlechtsteile-Frau-Eierstöcke-Illustration

Während eines Monatszyklus reift im weiblichen Körper eine Eizelle heran. Gleichzeitig verändert sich die Gebärmutterschleimhaut so, dass sich darin eine befruchtete Eizelle einnisten kann – sie wird dicker und besser durchblutet. Gesteuert wird dieser Vorgang vor allem durch die Hormone Östrogen und Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt). Beim sogenannten Eisprung, der etwa in der Mitte eines Zyklus stattfindet, wird die Eizelle reif. Bleibt sie unbefruchtet, wird das zusätzlich gebildete Gebärmuttergewebe wieder abgestoßen: Es kommt zur Menstruation. Dabei fließen im Schnitt 60 ml Blut, also drei Schnapsgläser voll, sowie kleine Mengen an Gebärmutterschleimhaut durch die Vagina ab. Der Beginn der Regelblutung markiert das Ende eines Zyklus beziehungsweise den Beginn eines neuen Zyklus; sofern eine Frau nicht schwanger ist oder hormonelle Verhütungsmittel einnimmt. Ein Zyklus dauert im Schnitt 28 Tage, kann aber zwischen 21 und 40 Tagen variieren.

2. Auch Männer menstruieren

Menstruation-Frau-liegend-Illustration

Ja, richtig gelesen. Zugegeben ist das eine Minderheit, denn es begründet sich darin, dass manche Menschen mit beiden Geschlechtsteilen geboren werden, das nennt man Intersexualität. Zudem gibt es Transgender-Männer, die mit weiblichen Geschlechtsteilen geboren wurden und sich dann aber gegen ein Leben als Frau entschieden haben.

Auch alle anderen Männer durchlaufen einen regelmäßigen hormonellen Zyklus. Dieser hat allerdings nichts mit Menstruation zu tun. Der Unterschied: Er dauert keine 28 Tage, sondern 24 Stunden. Gesteuert wird er durch das Hormon Testosteron. Dessen Spiegel steigt vormittags an und fällt ab Mittag ab. Am Abend hat der Testosteronspiegel seinen Tiefpunkt erreicht und es wird überwiegend Oxytocin – auch Kuschelhormon genannt – produziert. Die Hormone beeinflussen gleichzeitig das Gemüt des Mannes: Während er am testosterongeladenen Vormittag eher kraftvoll, durchsetzungsstark und energisch ist, wird er am oxytocingeladenen Abend eher kuschelbedürftig, entspannt und sensibel.

3. Periode ist kein Verhütungsmittel

Laut einer repräsentativen Umfrage, welche die österreichische Aufklärungsinitiative und Lernplattform „Ready for Red“ 2017 durchführte, glauben 53 % der Jungen zwischen 13 und 17 Jahren, dass die Menstruation zur Verhütung dient. Es ist unwahrscheinlich, während der Periode schwanger zu werden, aber nicht unmöglich. Unter anderem auch, weil Spermien mehrere Tage im weiblichen Körper überleben können. Bei einem kurzen Zyklus könnten sie also noch im Körper sein, wenn der Eisprung stattfindet – was zu einer Befruchtung beziehungsweise Schwangerschaft führen kann.

4. Corona-Impfung könnte die Periode beeinflussen

Menstruationstasse-Cup-Blut-Illustration

Aktuell häufen sich die Nachrichten, dass die Corona-Schutzimpfung den weiblichen Zyklus beeinflussen kann. Einige Frauen berichten über eine stärkere, schmerzhaftere Menstruationsblutung oder einen unregelmäßigem Zyklus nach der Impfung. Bisher fehlen allerdings wissenschaftliche Belege, die einen Zusammenhang beweisen oder begründen könnten. Der Berufsverband der Frauenärzte hält einen direkten Zusammenhang mit der Impfung allerdings für unwahrscheinlich. Ein plausibler Grund für die Zyklusveränderungen könnte aber vor allem der Stress sein, der durch die Coronapandemie ausgelöst wird. Dadurch wird vermehrt das Stresshormon Cortisol produziert, welches sich auch auf den Monatszyklus auswirken kann.

5. Aberglaube – Menstruationsblut ist schädlich

Menstruation-Unterhose-Blut-Illustration

Seit jeher gelten in der Mythologie und in manchem Glauben menstruierende Frauen als Unrein. Diese Unreinheit bezog sich nicht nur auf die Frauen selbst, sondern auch auf das Menstruationsblut. Menstruierenden wurden sogar magische oder tragische Fähigkeiten zugeschrieben. Laut dem Handbuch des deutschen Aberglaubens durften Frauen beispielsweise während ihrer Blutung keine Blumen berühren, da diese sonst welken. Für all die Behauptungen gibt es keinerlei anatomische oder medizinische Nachweise.

6. Menstruation verwehrt Bildung

Menstruation-Wärmflasche-Illustration

In manchen Ländern, zum Beispiel in Indien, führt die Menstruation dazu, dass Frauen und Mädchen nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Frauen dürfen dort während ihrer Regelblutung etwa kein Essen zubereiten, nicht bei ihren Ehemännern im Bett schlafen und sollen kein eingelegtes Obst oder Gemüse berühren. Vor allem in ländlichen Gegenden werden Frauen während ihrer Menstruation isoliert und müssen oft alleine in einer Hütte bleiben, bis die Blutung endet. Die natürlichen Vorgänge im Körper werden abgewertet und weil überhaupt nicht über die Menstruation gesprochen wird, ist auch der Zugang zu Information sehr schwierig. Die Ursache dafür ist im hinduistischen Glauben begründet. Dieser sieht Menstruierende als unrein an. Die Vorschriften variieren je nach Kaste, Region und ethnischer Zugehörigkeit. Nicht selten befinden sich Schilder an indischen Tempeln wie: „Keine Kamera, keine Schuhe, keine menstruierenden Frauen!“ Hinzu kommt, dass nur wenige Frauen Zugang zu Binden oder Tampons haben. Viele können sich die Hygieneartikel nicht leisten oder schämen sich, diese zu kaufen. Vor allem in Dörfern nutzen Frauen oftmals Stofffetzen, Zeitungspapier, Blätter oder mit Asche gefüllte Säckchen, um die Blutung aufzufangen. Rund der Hälfte der indischen Bevölkerung fehlt zusätzlich der Zugang zu einer ordentlichen Toilette oder fließendem Wasser, um sich regelmäßig zu waschen. Nicht nur Aufklärung über Menstruation ist ein Problem in Indien. Vielen Mädchen fehlt Bildung, denn bei den meisten bedeutet der Beginn der Pubertät das Ende der Schulzeit. Aus Angst und Scham bleiben viele von da an dem Unterricht fern.

7. Kostenlose Periodenprodukte

Menstruation-Tampon-Blut-Illustration

Schottland hat im November 2020 als erstes Land der Welt, den Zugang zu kostenlosen Periodenprodukten im Gesetz verankert. Seither müssen an öffentlichen Orten Tampons und Binden kostenfrei zur Verfügung stehen. Auch französische Universitäten bieten Damenhygieneartikel kostenlos auf ihren Toiletten an. In Deutschland wurde immerhin der Steuersatz für Binden und Tampons Anfang 2020 gesenkt. Seither gilt nicht mehr der Regelsteuersatz von 19 %, sondern der für Güter des täglichen Gebrauchs von 7 %. Die Länder Kanada, Irland, Australien, Kenia, zehn US-Staaten, Südafrika, Malaysia und sogar Indien befreiten Menstruationsprodukte komplett von der Steuer. In Schweden (25 %) und Russland (18 %) sind die Steuersätze noch am höchsten.

8. Menstruationsurlaub in Asien

Menstruation-Binden-Periodenprodukte-Illustration

In einigen asiatischen Ländern, darunter Japan, Taiwan und Südkorea, ist es seit Jahren gesetzlich verankert, dass sich Frauen von der Arbeit freistellen lassen können, wenn sie unter Regelschmerzen leiden. Aus Sorge vor Stigmatisierung nehmen dies jedoch nur wenige in Anspruch. In Australien, Schweden oder England haben beispielsweise einzelne Firmen Perioden-Richtlinien für flexiblere Arbeitszeiten oder mehr Homeoffice eingeführt. Auch in Deutschland wird der Menstruationsurlaub immer wieder diskutiert. Die Einführung ist aktuell eher unwahrscheinlich – wenige Unternehmen bieten ihn aber an.

 

9. Das Wunder des Lebens

Menstruation-Kalender-Illustration

Viele Frauen sehen ihre Menstruation als Störfaktor, Stress oder Last. Ohne diesen natürlichen Vorgang würde es aber kein menschliches Leben geben. Deshalb wird die Menstruation auch als „Wunder des Lebens“ bezeichnet. Zudem ist die Blutung und die Regelmäßigkeit des Zyklus ein Indikator für die Gesundheit der Frau. Ob eine Blutung stärker oder schwächer ausfällt, ganz ausbleibt oder nicht mehr aufhört, kann mit der körperlichen Verfassung einer Frau zusammenhängen. Eine Diät, viel Sport, körperliche Arbeit, eine Reise und vor allem Stress beeinflussen die Blutung ebenso. So kann sie in ihrer Stärke oder Länge variieren und sich verschieben. Wer seinen Zyklus beobachtet, kann damit seinen Körper besser kennenlernen. Dabei helfen unter anderem Apps wie „Clover – Periodenkalender“, „Flo“ oder „Menstruationskalender“. Ein Zettel oder ein Kalender auf Papier tut es aber auch, um den Menstruationszeitraum sowie Beschwerden zu notieren.

10. Tabu brechen durch Sprechen

Menstruation-Frau-knieend-Illustration

Wissenslücken führen zu Missverständnissen. Deshalb lautet die Devise: offen über die Periode reden und Erfahrungen austauschen. Das gilt auch für Männer. Sie können mutig und interessiert nachfragen bei Mama, Schwester, Freundin, Frau oder Tochter. Gerade bei Menstruationsbeschwerden können Männer beispielsweise Hilfe anbieten und fragen, ob sie etwas brauchen – etwa eine neue Packung Tampons oder eine Wärmflasche gegen die Beschwerden. Der offene Austausch symbolisiert nicht nur Verständnis und Wertschätzung, sondern stuft die Menstruation auch als „normal“ oder alltäglich ein und wird so von Mal zu Mal als weniger peinlich betrachtet. 

Die Menstruation in Zahlen

Teils erschreckend, teils erstaunlich sind die Zahlen rund um die Periode, die das österreichische Unternehmen und auf Menstruation spezialisierte Aufklärungsportal „Erdbeerwoche“ zusammengetragen bzw. in selbst in einer unter Jugendlichen durchgeführten Studie herausgefunden hat: 

  • 2000 bis 5000 € investieren Frauen pro Menstruationsleben in Binden, Tampons und Slipeinlagen. Die Zahl variiert je nach Blutungsstärke und Produkt. 
  • 3 Millionen Liter Menstruationsblut werden pro Tag auf der Erde vergossen. 
  • 45 Milliarden Menstruationsprodukte werden weltweit pro Jahr verbraucht. 
  • 500 Millionen Mädchen und Frauen haben weltweit keinen Zugang zu Menstruationsprodukten. 
  • Bis zu 5 Jahre Schulbildung fehlen den meisten Frauen, die keinen Zugang zu Menstruationsprodukten haben. 
  • Nur 13 % aller Frauen bekommen ihre Menstruation alle 28 Tage. Bei allen anderen schwankt die Zykluslänge. 
  • 40 Jahre, 500 Zyklen beziehungsweise 3000 Tage verbringen Frauen in ihrem Leben insgesamt mit der Menstruation. 
  • 60 % der Mädchen geben in einer Erdbeerwoche-Umfrage an, dass sie eine negative Einstellung zu ihrer Menstruation haben. 
     

Mehr zum Thema

Die Stiftung Warentest hat Periodenprodukte getestet. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst: 

Weiterbildung über die Periode: „Ready for Red“ deckt alle Mythen rund um das Thema Menstruation, Zyklus & Co. auf – spielerisch und unterhaltsam unter: ready-for-red.at.

Mehr interessante Fakten, die Jugendstudie sowie ausführliche Informationen rund um die Menstruation gibt es auf erdbeerwoche.com.

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