Schreiner aus Leidenschaft

Spielzeug: Maschinen für den Nachwuchs

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Robert Rauch
am Freitag, 27.11.2020 - 10:02

Bestimmtes Spielzeug bekommen manche Sprößlinge, weil es dem Papa selber so gut gefällt. Dass es aber sozusagen von Hand zu Hand wandert, ist eher selten. Nicht so bei Wochenblatt-Leser Robert Rauch und seinen zwei Buben.

Robert Rauch ist Schreiner mit Leib und Seele, aufgewachsen in der kleinen Landwirtschaft seines Vaters. Die Faszination Holz und die Bedeutung von Landwirtschaft will er auch seinen Buben vermitteln – ganz spielerisch, mit selbst gemachtem Holzspielzeug, das im Laufe der Jahre zu einem wahren Maschinenpark angewachsen ist. Wie das kam, erzählt er selbst:

Ich bin ein Holzwurm durch und durch

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„Das kommt daher, dass ich im Sägewerk meines Uropas schon als Kleinkind den Duft von Holz riechen durfte. Auch das Rauschen der wasserbetriebenen Gattersäge bleibt für immer Musik in meinen Ohren. Ich genieße den Werkstoff Holz förmlich. Den Feierabend verbringe ich in meist meiner „Meister Eder“-Schreinerei, baue dort Wunschmöbel für meine Partnerin oder Holzspielzeug für unseren dreijährigen Sohn Maximilian, das auch schon sein kleiner Bruder Julian gerne in die Hand nimmt.

Angefangen hat meine „Serien-Produktion“ von Holzspielzeug als Maximilian bei seiner Großtante Moni einen alten Stapler der Marke „fagus“ entdeckte, bei dem ein Rad gefehlt hat. Ich habe festgestellt, dass dieses Spielzeug schon vor 35 Jahren sehr geschätzt war. Diese Firma baut ausschließlich Holzspielzeug, das viele Jahre hält und von dem praktisch nichts abbrechen kann, bis auf das Rad.

Das war der Impuls, für meinen kleinen Buben landwirtschaftliche Maschinen im Mini-Format zu bauen. Dafür verwende ich Erlenholz, weil es sich weich und warm anfühlt und nicht so hart und kalt ist wie beispielsweise Eiche. Bei der Oberflächenbehandlung verwende ich ein kinderfreundliches Öl.

Das Glück vom Aufwachsen auf dem Land

Da meine Söhne noch das Glück haben, auf dem Land aufzuwachsen und den Kreislauf der Natur mitzuerleben, möchte ich ihnen auch mit dem Spielzeug Landwirtschaft vermitteln: Was kann man wie aufladen? Was macht eine Rundballenpresse? Wie kommt die Gülle aufs Feld? Ein Spielgerät kommt so zum anderen. Aus der Leidenschaft zum Holz habe ich meinem Buben als erstes Fahrzeug einen Lkw aus Holz gebaut, ergänzt durch einen Viehanhänger. Um eine Verbindung zu den Tieren zu verschaffen, hat Maximilian später einen kleinen Traktor und ein Wasserfass dazu bekommen. So lernt er, dass die Kühe jeden Tag viel Wasser brauchen, um Milch zu geben. Weil er mit seiner Mama in der Küche gerne Teig mit dem Nudelholz ausrollt, waren die Walzen sein nächster Wunsch – auch wenn er mit den Walzen samt Bulldog natürlich nicht über den Teig fahren darf. Der Kran war für mich ein Herausforderung, da ich zum Aufrichten des Turms erstmal lernen musste, ein Gewinde aus Holz selber herzustellen. Da musste ich auch erst mal meine Erfahrungen machen.

Zu jeder Maschine gibt es eine Geschichte

Es gibt also zu jeder Maschine eine Geschichte, so auch zur Rundballenpresse; bei der Größe habe ich darauf geachtet, dass ich das Papprohr von der echten Silofolie als Spielrundballen verwenden konnte. Der Tieflader war wieder ein Kombiwagen, der Rungen zum Stecken hat und mit dem man Siloballen aufladen, Fahrzeuge transportieren und die Abrollcontainer auch noch aufstecken kann. Das Rückwärtsfahren mit dem Drehschemel wird noch ein bisschen dauern, bis Maximilian es gut kann (grins).

Letztes Jahr an Weihnachten bekam Maximilian dann noch den Xerion, mit dem er für die Zukunft die Flexibilität der Anbaumöglichkeiten bis hin zur Rückfahreinheit kennenlernen kann, denn die Kabine ist – ganz nach getreu dem Original – auch drehbar. Sogar eine Allradlenkung hat der Xerion. Das Frontmähwerk mit Schmetterling im Heck hat der Osterhase gebracht.

Güllefass mit Schleppschlauch-Technik

Der nächste Wunsch von Maximilian war ein Güllefass. Eins mit Prallteller wäre zu einfach gewesen, da fehlt aus meiner Sicht der Lerneffekt und so kam es, das ich ihm ein Güllefass mit Schleppschlauch-Technik geschreinert habe, die er auch klappen kann. Nun dreht er im Wohnzimmer seine Runden… Ein Baumwagen kam dazu, nachdem Maximilian dabei war, als ich im Wald Bäume aufgeladen habe. Dieser Hänger war für mich wichtig, um ihm den Umgang mit Holz zu vermitteln. Über den Sommer ist noch ein Selbstfahrer mit verschiedenen Vorsätzen zum Gras mähen oder Mais häckseln hinzugekommen. Ihn kann er sogar zum Mähdrescher umbauen. Der Schwader hat dann die Erntekette komplett gemacht.

Ganz nebenbei hat mein Bub das Gefühl fürs Holz beim Spielen mit Sägemehl in der Schreinerei schon früh mitbekommen, jetzt darf er auch schon mal etwas schleifen oder auch die ersten „wilden“ Löcher bohren. Eins möchte ich noch erwähnen: Es gibt Zeiten, da spielt er mal ein paar Tage mit Lego, dann malt er mal was oder spielt mit der Holzeisenbahn. Manchmal interessieren ihn diese Spielsachen aber wochenlang garnicht, aber es vergeht wirklich KEIN Tag, an dem er nicht mit seinen landwirtschaftlichen Holzfahrzeugen spielt und seine Siloballen im Technikraum auslagert, eine landwirtschaftliche Ausstellung macht oder die Tiere in die Speis fährt, weil sie da noch was zum Fressen finden.

Ehrlich gesagt haben nicht nur Kinder eine Freude an solchem Holzspielzeug, sondern auch wir Papas und der eine oder andere junggebliebene Papa wird sogar (mit)spielen.“

Maschinen aus Holz für den Nachwuchs

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