Uroma

„Sie san mir ned zfui!“

Uri-Enkel
Anna Knon
Anna Knon
am Sonntag, 14.03.2021 - 06:10

Austraglerin Regina Mayer hat 42 Urenkel – alle in der näheren Umgebung.

Regina Mayer mit 85 Jahren. Sie trägt eine weiße Bluse, darüber eine blaue, ärmellose Weste und einen dunkelgrünen Rock.

In Ellbach, in der Nähe von Bad Tölz (Obb.) ist Regina Mayer daheim, und in der näheren Umgebung auch alle ihre Urenkel: Johannes, Laurin, Veronika, Verena, Magdalena, Helena, Annett, Konrad, Anton, Barbara, Leonhard, Benedikt, Lorenz, Emma, Heidi, Anian, Martin, Vitus, Franz-Josef, Klaus, Johanna, Kilian, Elias, Bernadette, Korbinian, Valentin, Valentina, ein paar Katharinas, mehrere Seppn... insgesamt 21 Buben und 21 Mädchen. „Sie san mir ned zfui, alle san gsund und es ist ein Glück, wenn man das erleben darf“, sagt Regina Mayer über den Kindersegen in der Familie.

Das Foto entstand anlässlich ihres 85. Geburtstags; das damals jüngste Urenkerl, die kleine Bernadette, kam zwei Wochen vorher auf die Welt, im Dezember darauf die kleine Barbara. „Und eins krieg ich in den nächsten Tagen, aber des dürfen’s nicht schreiben, bevor das Kind nicht auf der Welt ist. Es ist nichts selbstverständlich, obwohl nicht mehr weit hin ist“, sagte die Austraglerin Mitte Januar, die sich damals auf das zweite Kind des Enkelsohns Toni freute.

 

Die Geschenke sind gut geplant

Ein schwarzweiß Foto aus dem Fotoalbum

Mittlerweile ist die kleine Marlene gesund auf die Welt gekommen. Und sie bekommt von der Uri-Oma eine ganz weiche Baby-Schmusepuppe zur Taufe – so wie so viele vor ihr. Und richtig kuschelig ist auch der Schlafanzug, den es diesmal an Weihnachten gab. „Da kauf’ ich gute Qualität“, erzählt die Austraglerin. 42 Schlafanzüge? „Nein, nur die Kleinen bekommen ein Geschenk, bei den größeren trifft man den Geschmack nicht so leicht, die kriegen Geld.“ Schon jetzt spart sie wieder fürs nächste Christkindl. „Auch zur Erstkommunion bekommen die Urenkel etwas, aber mit den Geburtstagen kann ich nicht anfangen und ich tu es mit dem Schenken nicht übertreiben, aber vergessen tu ich auch keins“, sagt die rüstige Frau.

 

Das "Kindsen" ist inzwischen zu anstrengend

Ein schwarzweiß-Foto: Eine junge Frau im Drindl steht vor einer Kuh

Umgekehrt natürlich auch, die Kinder wissen genau, was sie von der Uri-Oma haben und was sie an ihr haben. Sie kommen gerne zu Besuch, aber nicht mehr in die Ferien, wie das bei den 16 Enkeln durchaus noch üblich war; das „Kindsen“ wie man zum Babysitten in Altbayern sagt, ist der „Uri“ inzwischen doch zu anstrengend. „Das habe ich als Madl bei meinen Geschwistern daheim von klein auf gemacht“, erinnert sie sich zurück und erzählt von einer schönen Kindheit zusammen mit sieben Geschwistern auf einem Bauernhof: „Wir hatten ein gutes Elternhaus, wir waren nicht arm, sparen mussten wir halt.“ Aber wenn sie an die Schulzeit zurückdenkt, fallen ihr Bombenalarm, Luftschutzkeller und die Angst vor Fliegerangriffen auf dem einstündigen Fußmarsch zur Schule ein. Als „schiache Zeit“ fasst sie die Kriegsjahre zusammen und ist froh, dass die Kinder heute so etwas nicht erleben müssen.

„Die haben es schön, sie werden mit dem Bus abgeholt und nach der Schule wieder heimgefahren“, sagt die Altbäuerin, „aber ich denke schon manchmal darüber nach, was noch alles auf sie zukommen wird. Man kann da nichts voraussagen, das sieht man ja an Corona. Aber im Leben kommt oft etwas, das man sich nicht aussuchen kann, man muss halt das Beste draus machen.“ Gottvertrauen, Zusammenhalt in der Familie und kein Kampf gegen Dinge, die man nicht ändern kann – das ist ist die Lebensphilosophie von Regina Mayer.

 

Corona zwingt zu Abstand – Kontakte per Telefon

Oma und Opa sitzen mit einem Enkel auf einer Kutsche. Sie wird von einem Pferd gezogen. Die Menschen tragen Tracht.

Die Altbäuerin „beim Mang“, so der Hofname, wohnt im Zuhaus an der alten Hofstelle im Ort; den landwirtschaftlichen Betrieb hat Sohn Anton ausgesiedelt. Die drei Töchter Regina, Hanni und Kathi wohnen ebenfalls in der näheren Umgebung; sie kommen oft und helfen, wenn die Mutter Unterstützung oder einen Chauffeur braucht. „Jetzt mit Corona ist das alles nicht so einfach, wir telefonieren halt viel“, sagt die Altbäuerin. Auch die Enkel halten telefonisch Kontakt. Und als im Herbst bei der Hochzeit von Enkelsohn Toni, der auf dem Mang-Hof aufgewachsen ist, coronabedingt nur eine Handvoll Familienmitglieder dabei sein konnten, hat Toni die Oma als Vertreterin der Familie ausgewählt. „Das hat mich unbandig g‘freut!“

Ehemann Toni ist schon vor 23 Jahren verstorben: „Das erste Urenkerl hat er gerade noch erlebt. Er war begeisterter und erfolgreicher Rinderzüchter, auch ein Rosserer durch und durch und er hätte seine Freud’ daran, dass auch bei den Urenkeln wieder Rossnarrische dabei sind“, sagt Regina Mayer. Dass es in den Familien der Kinder und Enkel, die einen Bauernhof bewirtschaften, auch mit der Landwirtschaft weitergeht, freut sie sehr. Schließlich war sie Bäuerin mit Leib und Seele und 30 Jahre als Ortsbäuerin des Bayerischen Bauernverbands aktiv. 

 

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