Rollenverteilung in der Familie

Papa kocht und Mama werkelt

Rollenbilder: Links eine Frau an der Säge beim Arbeiten. Rechts ein Bild mit einem Vater, der mit seinem Kind gemeinsam in der Küche kocht.
Patricia Achter
am Mittwoch, 15.09.2021 - 09:30

Frauen, die mit Axt und Säge arbeiten und Männer, die kochen und nähen: Für Kinder ist beides selbstverständlich. Das Können ist entscheidender als das Geschlecht, haben Forscher der Universität Bamberg herausgefunden.

Die Frau kocht, der Mann verdient Geld? Geht es nach Kindergartenkindern, sollten Aufgaben unabhängig vom Geschlecht verteilt werden. Kinder besitzen ein flexibles Rollenverständnis und einen Sinn für Gerechtigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein erziehungswissenschaftliches Forschungsteam der Universität Bamberg. „Viele Kinder verbinden bestimmte Tätigkeiten mit Personen, die erwachsen sind oder entsprechende Fähigkeiten besitzen. Weniger entscheidend ist für sie, ob jemand männlich oder weiblich ist“, schildert Hauptautor Dr. Lars Burghardt vom Lehrstuhl für Frühkindliche Bildung und Erziehung.

Rollenbilder erfragt

Für die Studie haben Lars Burghardt, Fabian Hemmerich und Anna Mues Interviews mit 23 Jungen und 20 Mädchen aus drei Kindertageseinrichtungen in Oberfranken ausgewertet. Die insgesamt 43 Kinder waren im Jahr 2019 zwischen vier und sechs Jahre alt. Eine geschulte Interviewerin las ihnen das Bilderbuch „Sigurd und die starken Frauen“ von Jutta Nymphius und Volker Fredrich vor. Darin geht es um ein Wikingerdorf, in dem Frauen in See stechen und kämpfen, während Männer Hausarbeiten erledigen und sich um die Kinder kümmern. Mit dieser Aufgabenverteilung sind nicht alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner zufrieden. Schließlich einigen sie sich darauf, dass sie die Tätigkeit unabhängig vom biologischen Geschlecht wählen können.

Zum Inhalt dieses Buches wurden die Kinder befragt, um ihre eigenen Geschlechtervorstellungen zu erfassen. Beispielsweise lautete eine Frage: „Glaubst du, die Frida kann gut mit Axt und Schwert umgehen?“. 29 Kinder bejahten die Aussage. Auf ein „Warum?“, antworteten sie unter anderem, dass sie es nicht wüssten, dass Frida geübt habe oder dass Frida schon groß sei. 13 Kinder verneinten die Frage, etwa mit der Begründung, dass Frida noch zu klein sei oder sich mit Waffen verletzen könne.

Über Bücher sprechen

Aus den Ergebnissen lässt sich ablesen, „dass viele Kinder flexible Vorstellungen haben, was das Verhalten von männlichen und weiblichen Figuren angeht“, sagt Lars Burghardt. Die Mehrheit der Kinder hatte keine Zweifel daran, dass auch Väter sich gut um Kinder kümmern und kochen können. Sie waren der Ansicht, dass Tätigkeiten wie Nähen, Kämpfen oder Bügeln keinem Geschlecht mehr oder weniger liegen.

„Einem Großteil der Kinder scheint es auch sehr wichtig zu sein, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben“, ergänzt Hemmerich. So empfanden die meisten Kinder die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen als ungerecht. Die im Buch eingeführte Gerechtigkeit der freien Aufgabenwahl stieß bei fast allen Kindern auf große Zustimmung.

 

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