Unwetter

Noah und die große Flut

Arche Noah
Dekan i.R., Helmut Müller, Haundorf
am Donnerstag, 05.09.2019 - 09:50

Auch nach der Rettung von Noah, nach Regenbogen und Neubeginn, war die Welt nicht „heil“, und sie ist es bis heute nicht.

Naamah schläft unruhig in dieser Nacht. Und als sie erwacht, liegt Noah nicht neben ihr. Besorgt geht sie hinaus und sucht nach ihm. Sie erschrickt, als sie ihn entdeckt, drüben am Schuppen, zusammengekauert, den Kopf in den Händen vergraben, schluchzend. „Noah! Um Gottes willen, was ist mit dir!?“ Als er nicht reagiert, zieht sie ihn hoch und nimmt ihn in den Arm. „Noah, was ist passiert? Sag es mir.“ Da blickt er sie an: „ER hat zu mir gesprochen …“ „Er?“ „Ja, ER – Gott“. Als Naamah das hört, verstummt sie, bevor sie schließlich leise fragt: „Wie schon einmal – im Traum?“ Und Noah antwortet: „Ja. Aber anders. Furchtbar. – Entsetzliches wird geschehen. Unvorstellbares.“ „Was, Noah? Was wird geschehen?!“ „Alles … wird … untergehen“. „Alles wird untergehen? Hat er das wirklich gesagt? Hast du das wirklich gehört?“ „Ja, Naamah, jedes Wort.“

So stelle ich mir den Anfang der berühmten biblischen Geschichte von Noah und der großen Flut vor. Ich sehe ihn und seine Söhne über Plänen für einen riesigen Kasten aus Holz brüten, der sie auf dem steigenden Wasser bergen soll – die ganze Familie und möglichst viele Tiere und Pflanzen. Bald auch, wie Männer und Frauen, Jung und Alt, Klein und Groß beim Bau der „Arche“ schuften, die mächtig wächst in die Länge, Breite und Höhe. Wie sie das nötigste zusammentragen und in ihr „Lebensrettungshaus“ bringen, als gewaltige Sturmfluten schon fast an ihre Hütten reichen. Dann sind alle im Inneren. Und es wird höchste Zeit, dass Noah die schwere Tür verschließt, bevor es zu spät ist. Gott sei Dank kommen jetzt endlich auch noch die Tiere: fliegen, rennen, springen um ihr Leben und retten sich in die Arche. Der schwere Riegel wird vorgeschoben. Geschafft!

Geschafft? – Noch lange nicht! Auch nach der wunderbaren Rettung damals, nach Regenbogen und Neubeginn, war die Welt nicht „heil“, und sie ist es bis heute nicht: Hass und Gewalt, Zerstörung und Ausbeutung beschwören erneut globale Katastrophen herauf – die „Klima-Katastrophe“ ist ja in aller Munde. Um sie abzuwenden, braucht es auch unsere Liebe zu Gottes guter Schöpfung. Und konkrete, mutige Schritte.