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Frauen in der Landwirtschaft

Neue Studie: Landwirtinnen leben und arbeiten am Limit

Landwirtinnen schätzen trotz einer hohen Arbeitsbelasiung und vielen Herausforderungen das Landleben. Das zeigt eine neue Studie. (Symbolbild)
Anke Fritz
am Freitag, 23.09.2022 - 09:27

Die bundesweite Studie „Frauen.Leben.Landwirtschaft.“ schließt eine Lücke in der Agrarstatistik und gibt Einblicke in das Leben von Landwirtinnen.

Ein Anfang ist gemacht. Zum ersten Mal gibt es eine deutschlandweite Untersuchung zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft. Über 7.000 Frauen haben mitgemacht und die Studie mit Daten gefüttert. Einen Teil der schon aufbereiteten Ergebnisse stellten die Initiatoren der Studie heute in Berlin vor. Der Saal war vollbesetzt - fast ausschließlich mit Frauen und dem Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, der in seiner Rede treffende Worte fand. „Was Frauen in der Landwirtschaft leisten ist keine Gefälligkeit. Die Studie rückt die Frauen in den Mittelpunkt.“ Agrarheute wird die wichtigen Ergebnisse der Studie zur Alterssicherung, Gesundheit, Hofnachfolge, Tradition, Eigentum usw. nach und nach aufbereiten. Dieser Artikel soll nur ein Aufschlag sein.

Landwirtinnen leben am Limit

Die Studie bestätigt eine enorme Arbeitsbelastung der Frauen in der Landwirtschaft und zeigt zusätzliche sogenannte sektorspezifische Herausforderungen auf. Landwirtinnen empfinden folgende Faktoren als besonders belastend:

  • Existenzängste
  • Kostendruck
  • Familien- und Generationenkonflikte
  • Schlechtes Image der Landwirtschaft

Landwirtinnen finden sich zudem häufig in verschiedenen Rollen wieder, was nicht selten zu innerlichen Konflikten führt. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 21 Prozent der Frauen als Burnout gefährdet einzuschätzen sind“. Jede zweite befragte Frau fühlt sich dauerhaft müde.

Landwirtinnen sind oft „Taxifahrerinnen“ auf dem Land

Frauen, die auf dem Land leben, schätzen ihre Wohnlage sehr. „Dass die Kinder auf dem Betrieb aufwachsen können“ ist den Befragten Landwirtinnen dabei am wichtigsten. Allerdings haben die Vorteile des Landlebens auch ihren Preis. 57% der Frauen haben die Frage, ob sie an den ÖPNV angeschlossen sind mit entweder „überhaupt nicht“ oder „schlecht“. Die Folge: Frauen fahren die Kinder zur Schule oder zum Sport und die ältere Generation zu allen notwenigen Terminen. Sie werden zur Taxifahrerin neben allen anderen Aufgaben.

Landwirtinnen haben Wünsche

Gute Nachrichten: Der Ehepartner scheint bei den Landwirtinnen trotz aller Arbeit und Rollenkonflikte hoch im Kurs zustehen. 30 % der Landwirtinnen, wünschen sich mehr Zeit mit ihrem Partner zu verbringen. Gleich danach kommt aber auch der Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst. Ab und zu mal aus dem Betrieb herauszukommen wäre ebenfalld für 20% der befragten Frauen ein großer Wunsch.

Kommentar von Anke Fritz

An der Präsentation der Studie nahm Anke Fritz von agrarheute teil. Sie fasst ihre Eindrücke in einem kurzen Kommentar zusammen: "Die Studie ist enorm wichtig. Denn nun sind endlich Daten vorhanden, die auch belastbar sind. agrarheute macht es sich zur Aufgabe, die Themenfelder der Studie zu veröffentlichen und in den Mittelpunkt zu rücken. Der männerleere Saal hat mir heute gezeigt, dass wir anscheinend noch nicht so weit sind, wie ich gehofft hatte. Diese Studienergebnisse sind nämlich kein reines Frauenthema. Wie Frauen in der Landwirtschaft leben, was sie leisten und wie es ihnen dabei ergeht, ist unser aller Thema."

Projektseite im Internet

Eine Fotodokumentation mit Porträts von 15 Frauen aus der Landwirtschaft, ausgewählte Studienergebnisse und journalistische Interviews mit Frauen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands sowie den gemeinsamen Policy Brief der Universität Göttingen und des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft gibt es auf der Projektseite: https://www.studie-frauen-landwirtschaft.de/