Zusammenleben

Lust aufs Land! Aber ohne Kirche?

Dorfkirche
Pfarrer Walter Engeler, Landwirtsch. Familienberatung der ELKB
am Donnerstag, 14.02.2019 - 12:43

Die Dorfgemeinschaft genießt einen hohen Stellenwert.

Mit dem Slogan „Lust aufs Land!“ lud das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Ende Januar zur Grünen Woche in Berlin ein. Am gemeinsamen Stand der beiden christlichen Kirchen konnten die Besucher „ihr Dorf der Zukunft“ gestalten.

Für die meisten Besucher standen dabei die Dorfgemeinschaft und gemeinsame Aktivitäten an erster Stelle. Dahinter folgten: Gasthaus, öffentlicher Nahverkehr, Bäcker, Metzger und Landwirtschaft (!), die Freiwillige Feuerwehr, Angebote für die Jugend und schnelles Internet.

Erst viel später kam die Kirche. Weniger als die Hälfte der Besucher fanden sie wichtig. An diesem Ergebnis haben mich zwei Punkte beeindruckt. Erstens der hohe Stellenwert einer gut funktionierenden Dorfgemeinschaft. Er bestätigt die Erkenntnis moderner Psychologen, die sagen: Wir Menschen brauchen für unser psychisches Wohlbefinden das Gefühl der Zugehörigkeit.

Zweitens: Die Kirche scheint dabei deutlich an Bedeutung verloren zu haben. Dabei decken sich die Forderungen der Messebesucher nahezu exakt mit einer christlichen Lebenseinstellung, wie sie die Bibel zum Beispiel im Römerbrief beschreibt. Dort ist ebenfalls das gute Miteinander als Voraussetzung für das Gemeindeleben gefordert. Und dazu gehören Aufrichtigkeit, bürgerliches Engagement und Begeisterung: „Eure Liebe sei ohne Falsch … seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt … seid brennend im Geist“ (Römer 12,9-11).

Vielleicht ist es ja das, was die Dörfer der Zukunft brauchen: Menschen, die nicht träge werden, sich für ihr Dorf zu engagieren, die gemeinsam Ziele entwickeln und sich dafür brennend einsetzen, die aus der christlichen Lebenseinstellung heraus handeln. Ein solches Engagement würde den Dörfern, unserer Gesellschaft und letztlich auch dem Miteinander der Staaten und Kulturen guttun.
Von daher fände ich es reizvoll, wenn viele Menschen sich in ihren Dörfern und Kirchengemeinden gemeinsam überlegten, wie sie ihr Dorf der Zukunft gestalten möchten. Ich bin überzeugt, daraus würden viele positive Impulse entstehen, und dies würde mit Sicherheit auch „Lust aufs Land“ machen.