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Spielzeug

Landmaschinen für die kleinen Bauern

Sigi-Riedl-Spielzeug-Landmaschinen-Kipper: Der Mann steht in der Werkstatt neben seinem selbstgebautem Kipper für Trettbulldogs. Der Kipper ist überwiegend blau und steht auf einer Werkbank.
Ernst Deubelli
am Montag, 28.03.2022 - 10:00

Sigi Riedl aus Dorfen bei Kastl im Lks. Altötting macht Kinderwünsche wahr. Der Niederbayer betreibt im ehemaligen Kuhstall eine Mini-Landmaschinen-Manufaktur und baut landwirtschaftliche Anhänger für Tretbulldogs aller Art.

Sigi Riedl wollte den Kindern in seiner Verwandtschaft eine Freude machen und begann vor 22 Jahren damit, Anhänger für ihre Tret-Bulldogs zu bauen. Kleine Landmaschinen mit Funktion sollten es sein, damit die Kinder beim Spielen es den Großen nachmachen konnten. Das kam so gut an, dass daraus eine Geschäftsidee entstand.

„Der Ehrgeiz hat mich nicht losgelassen“, erinnert sich Sigi Riedl. Im Programm hat er mittlerweile nahezu 40 verschiedene Arbeitsgeräte, wie Landwirte – egal welcher Spezialisierung – sie im Arbeitsalltag einsetzen. Und alle passen zu allen handelsüblichen Trettraktoren und sonstigen Tretfahrzeugen für Kinder.

Mini-Landmaschinen mit Funktion

Sigi-Riedl-Spielzeug-Landmaschinen: Verschiedene gefertigte Miniatur-Landmaschinen stehen in einem Regal.

Wichtig war Sigi Riedl, dass seine landwirtschaftlichen Geräte für kleine Bauern tadellos funktionieren und robust sind. Sollte wirklich mal etwas kaputt gehen, dann können sie in jeder hofeigenen Werkstatt repariert werden, oder beim Hersteller selbst. „Die Garantie gilt eigentlich, so lange ich lebe“, sagt Sigi Riedel mit seinem gewinnenden Lächeln. Auch das kommt bei seiner Kundschaft gut an.

Der Einstieg ins Spielzeuggeschäft kam für den gelernten Schlosser eher durch Zufall. Vielleicht war es aber auch Fügung. Denn eigentlich sollte er den elterlichen Hof mit über 100 Stück Vieh übernehmen. Zunächst bewirtschaftete Sigi Riedl mit seinen Eltern den Familienbetrieb. Zusätzlich lernte er als Jugendlicher den Beruf des Schlossers bei Josef Fliegl senior, dem Gründer des inzwischen weltweit aktiven Entwicklers und Herstellers landwirtschaftlicher Maschinen mit Sitz in Mühldorf.

Werkstatt auf ehemaligem Bauernhof

Josef Fliegl, dessen elterlicher Hof und erste Werkstatt nicht weit vom Riedlschen Hof entfernt liegen, hatte als Hoferbe den vorgezeichneten Weg verlassen und seine Leidenschaft im Maschinenbau verfolgt. „Bei mir war es ähnlich“, gesteht Sigi Riedl, wenngleich in deutlich kleinerem Maßstab. Mit seinem früheren Chef verbinden ihn heute noch eine Freundschaft und die Begeisterung, neue Ideen zu entwickeln.

Die eigene Landwirtschaft ist inzwischen weitgehend verpachtet, der Haupterwerb eine Anstellung in einem kommunalen Bauhof. Aber der Nebenerwerb und die ganze Leidenschaft sind „Sigis Spielzeugland mit handgefertigten Maschinen für den Tretbulldog der kleinen Unternehmer in der Landwirtschaft“, so der komplette Firmenname.

Kundenkontakt als wichtiger Ideengeber

Mini-Landmaschinen-Sigi-Riedl-Verleih: Ein Mann steht in rotem T-Shirt und kurzer Hose vor einem Autoanhänger. Darin sind verschiedene Spielzeuge sortiert.

Als sein ehemaliger Chef vom Talent seines Mitarbeiters erfuhr, überzeugte er ihn, seine Geräte unbedingt auf den „Wiesmühler Festtagen“ im Landkreis Traunstein auszustellen. „Ich hab mich da kaum hingetraut“, erinnert sich Sigi Riedl. Aber es war dann doch die Initialzündung: Nicht nur Kinder, auch Eltern der kleinen Besucher und die Großeltern waren begeistert. Von da an wollten ihn viele Märkte im südöstlichen Oberbayern als Aussteller haben.

Für Sigi Riedl waren diese Markttage nicht nur die erste Werbe- und Verkaufsplattform. Der Kontakt mit den Kunden war auch wichtiger Ideengeber. Er bot die Betreuung der Kinder an seinem Stand an und ließ sie unter Aufsicht mit seinen Geräten spielen. „Auf diese Art habe ich nicht nur erfahren, worauf die Kinder Wert legen, sondern auch, wo mögliche Gefahrenquellen liegen, wie man durch kleine Änderungen Verletzungsgefahren möglichst ausschließen kann“, sagt er.

Auch das Produktspektrum hat sich an die Kinderwünsche angepasst. Gerade im südöstlichen Oberbayern, im angrenzenden Niederbayern und den österreichischen Nachbarregionen Innviertel und Salzburger Land gibt es viele Waldbauern. Deshalb wollten die Kinder Rückewerkzeuge und einen funktionsfähigen Rückewagen, der längst im Programm ist.

An den Modellen wird immer weiter getüftelt

Gefertigt werden die Maschinen in Kleinserien, die laufend weiterentwickelt werden. Alle Teile stellt der Schlosser in Handarbeit her. Im Grunde handelt es sich bei jedem Werkstück im Spielzeugformat um ein Unikat. Wie bei den großen Vorbildern gibt es immer wieder kleine Verbesserungen und Anpassungen an die Kundenwünsche.

Dabei kann es durchaus vorkommen, dass Väter mit Kindern oder Großväter mit Enkeln in die Werkstatt kommen und die Pläne besprechen. „Die Kleinen haben da ihre Vorstellungen und sagen sie auch“, freut sich Sigi Riedl. Auch bei der Farbgebung heißt es aufpassen. Sie sollte den großen Vorbildern nahe kommen, sonst gibt es Protest bei der jungen Kundschaft.

Gefertigt werden die Spielzeuggeräte in der Werkstatt, die sich Sigi Riedl im früheren Kuhstall eingerichtet hat. Die Profi-Maschinen hat Sigi Riedl größtenteils gebraucht gekauft. Der Vertrieb erfolgt inzwischen nur noch selten über Messe-Auftritte, sondern meistens übers Internet, wo seine Maschinen unter sigis-spielzeugland.de präsent sind.

Inzwischen stehen auch zwei Pkw-Anhänger zum Verleihen mit rund 20 Spielzeugen für Kindergeburtstage oder Tage der offenen Tür in Werkstätten, Betrieben oder auf Bauernhöfen zum Ausleihen bereit. Und am Hofcafé Reichenspurner bei Unterneukirchen gibt es eine gern besuchte Spielecke zum Ausprobieren.

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