Gründonnerstag

Da kommt der Osterstorch statt dem Osterhasen

Links die Bäckerin in weißer Arbeitskleidung mit Bäckerhaube und einem großem Blech mit den gebackenen Osterstörchen in der Hand. Rechts ein Bild mit einem Osternest indem einige Hefe-Störche liegen.
Josef Kleinhenz
am Donnerstag, 01.04.2021 - 14:44

Im unterfränkischem Ostheim v. d. Rhön bringt am Gründonnerstag ein Storch den Kindern ihr Nest. Eine Bäckerin unterstützt ihn mit Hefegebäck.

Einen ganz besonderen Osterbrauch gibt es in Ostheim vor der Rhön in Unterfranken. Am Gründonnerstag finden die Kinder dort in ihrem Nest einen gebackenen Osterstorch, neben Süßigkeiten und Eiern.

Der Ursprung liegt im 17. Jahrhundert

Um den Grund zu erfahren, warum in der Rhöngemeinde an Ostern der Storch statt dem Hasen kommt, muss man in das 17. Jahrhundert zurückgehen: Ein evangelischer Pastor setzte mit dem Storch damals einen Kontrast zu den katholischen Gemeinden der Rhön und Südthüringens. Er wollte zum Osterfest bewusst machen: Die Störche kommen aus dem Süden zurück, bringen neues Leben und sind Fruchtbarkeitssymbol. Zudem galt der Storch wegen seines zweifarbigem Gefieders als Symbol für Göttlichkeit und Menschlichkeit. Sein Wegzug und seine Rückkehr als Zugvogel werden als Sinnbild für Himmelfahrt und Auferstehung Christi gedeutet.

Auch das süße Hefeteig-Gebäck ist religiös verankert. Die Farben des aufgestreuten bunten Zuckers symbolisieren Liebe (Rot), den christlichen Glauben (Grün), die Freude des Lichtes (Gelb) und die Reinheit Jesus ohne Sünde (Weiß).

Nur noch eine Bäckerei, die Osterstörche bäckt

Bäckerin-Juliane-Witthauer hält in der Hand ein Blech mit zahlreichen gebackenen, bunten Osterstörchen als Gebäck.

In der Region gibt es nur noch eine einzige Bäckerei, die den Osterstorch bäckt und verkauft: Dahinter steckt Bäckermeisterin Juliane Witthauer. In der ehemaligen Bäckerei ihrer Eltern, die 2015 schließen musste, schürt sie noch einmal im Jahr den Ofen extra zum Backen der Störche an. Die ganze Familie hilft dann zusammen. Allen voran Witthauers Ehemann Jürgen und ihre Mutter sowie ehemalige Seniorchefin der Bäckerei, Heidrun Kelz, die sich vor allem mit dem Bestreuen der verschiedenen Zuckerfarben auskennt.

Der Brauch ist eine Stück Heimat für die Ostheimer

Jeder Storch, den sie backen, ist ein Unikat. Denn der Teig wird von Hand verarbeitet. Darauf freuen sich nicht nur die Kinder in Ostheim. Auch deren Eltern sind begeistert: Sie bezeichnen die Tradition als etwas Besonderes und wertschätzen den Brauch als ein Stück Heimat.

Witthauer will dieses Jahr wieder die Störche backen – natürlich unter Einhaltung aller Hygieneregeln bezüglich der Corona-Pandemie. Sollte es ihr spontan doch versagt werden, appelliert sie an die Familien: „Backt zu Hause selbst Osterstörche!“, das sei dann die Notlösung zum Aufrechterhalten der Tradition.

Top Themen:
  • Hitzestress: Luft und Abkühlung im Stall
  • Heu bergen am Hang
  • Humusaufbau – wie geht das?
  • Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer
  • Singen: Eine Wohltat für unsere Seele
  • Das Ranking der Schlachthöfe
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote