Familienalltag

Kochen ist kinderleicht

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Maria Burkhardt
Maria Burkhardt
am Freitag, 18.06.2021 - 07:12

Teig kneten, Knödel formen, Gemüse schnippeln und Sahne rühren: Kochen und Backen macht Kindern Spaß, vor allem, wenn sie viel selber machen dürfen. Fehlen nur noch kleine Hilfestellungen für Erfolgserlebnisse.

Wie packt man die Sache am besten an, damit die Küche nicht im Chaos versinkt? Erst alles zeigen, dann machen lassen, rät Maria Barth allen Eltern, die mit ihren Kindern kochen wollen. Die junge Bäuerin vom Graswegerhof in Albaching, Lks. Rosenheim hat in ihrer Meisterarbeit zwei Erlebnistage für Kinder auf dem Bauernhof zum Thema gemacht und dabei auch das Thema „Kinderleicht kochen mit Milchprodukten“ erarbeitet.

Nachdem die Kinder am ersten Tag Hof, Stall und Tiere kennenlernen konnten, trafen sie sich tags darauf im örtlichen Gemeindesaal, um aus den Milchprodukten, die sie besprochen und gezeigt bekommen haben, etwas Feines zu zaubern.

Zuallererst durften sich die Kinder ein Rezept aussuchen. In kleinen Gruppen, aus einem eigens angefertigten Rezeptheft, damit die Speisen auch in der einfachsten Küche gelingen. Gemeinsam wurden dann die Bilder angeschaut und die Arbeitsschritte besprochen. Dann konnte es losgehen.

Küchenregeln kurz und verständlich

Doch stopp, noch schnell die Küchenregeln, nicht wie ein langer Schulvortrag, sondern kurz und gut verständlich erklärt. „Damit die Kinder die Lust nicht verlieren. Aber das Kochen lernen wie die Profis“, erzählt die frisch gebackene Meisterin.

Die Tipps zur Sauberkeit sind schnell aufgezählt:

  • Vor dem Kochen Hände waschen.
  • Saubere Kleidung und eine saubere Schürze tragen.
  • Langes Haar zusammenbinden.
  • Nie auf Lebensmittel niesen oder husten.
  • Das Essen nur mit sauberem Löffel probieren.
  • Die Eier mit dem Messer in eine extra Tasse aufschlagen und die Hände danach wieder waschen. Das wissen selbst viele Erwachsene nicht. So machen es aber die Profis und so lernen auch gleich die Kinder, was zur Hygiene in der Küche gehört.

Das Probieren nicht vergessen

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„Dass jedes Kind einen Probierlöffel bekommt, den es in die Schürzentasche einsteckt, war mir auch wichtig“, erzählt die Bäuerin weiter. Zusammen haben sie vereinbart, dass immer nur mit einem sauberen Löffel etwas auf den Probierlöffel „geschaufelt“ wird. „Beim Essen mag ja auch jeder seinen eigenen Löffel und nicht den Löffel des anderen ablecken. Das leuchtet den Kindern sofort ein“, weiß sie als junge Mutter. Auch dass man nicht mit den Fingern in die Speisen greift, versteht jedes Kind.

Ordnung in der Küche

Für Ordnung auf der Arbeitsfläche hat sie auch ein paar Tipps parat:

  • Eine Abfallschüssel für Biomüll.
  • Alles vorbereiten, Zutaten, Geräte, Lebensmittel. So wird nichts vergessen und es spart Zeit, weil alles griffbereit da ist.
  • Eine Ordnungsschale fürs Handwerkszeug, damit nichts herumliegt.

Sicher umgehen mit den Küchengeräten

Jetzt noch als Sicherheitstipp den Krallengriff beim Schneiden. Den schauten sich die Kinder auf einem Foto ganz genau an. Ist ja auch ein witziges Wort und lässt sich sofort einüben, damit später beim Schneiden von Karotten und Zwiebeln nichts passiert. „Die Kinder sind da sehr aufgeschlossen“, erzählt Maria Barth weiter. So ließ sich das Unfallrisiko beim Umgang mit Messern klein halten.

Alle elektrischen Geräte, wie Herdplatte, Mixer und Ofen, dürfen Kinder aber nie alleine verwenden. „Fragt immer einen Erwachsenen, wenn ihr ein Gerät benutzen wollt“, machte die 31-jährige den Kindern deutlich. Auch wer am Herd steht und umrührt, muss gut aufpassen, um sich nicht zu verbrennen.

Der Ofen darf nur vorsichtig geöffnet werden. „Erst einen Schritt zurück gehen, damit der heiße Dampf nicht in einem Schwall entgegenkommt. Das wissen auch Erwachsene oft nicht“, erklärt Maria Barth weiter. Die Kinder hörten aufmerksam zu und waren voll motiviert, alles genau so zu machen. Zuvor bekamen sie noch eine eigene Schürze umgebunden. Damit fühlten sie sich gleich wie kleine Profis und waren mit Spaß dabei.

Nur beim Milchshake mixen war sie als Erwachsene noch gefragt. „Die Kinder allein mit dem Mixer hantieren zu lassen, das wäre zu gefährlich“, so Barth. Alles andere bereiteten die Kinder ganz allein zu: Semmeln aus Quarkölteig, einen Kräuterquark mit vielerlei Kräutern aus dem Garten. „Wenn die Kinder selber ernten oder ein Kräutersträußchen in einem Glas bereit steht, dann greifen sie auch gerne zu“, weiß sie jetzt aus Erfahrung. Was da ist, wird auch gerne verwendet, und ohne zu mäkeln aufgegessen. „Das ist wirklich schön zu beobachten“, ist Maria Barth begeistert. So kamen auch der Gurkensalat mit viel Joghurt und die Kaspressknödel prima an. Dazu kalte Tomatensoße und als Nachspeise einen Joghurt-Apfeltraum. Wunderbar!

Oft geht Kochen schneller als gedacht

Zum Schluss gab es dann noch etwas Kleines, Besonderes. Die Bäuerin hat ein Rezept für Käsepralinen ins Rezeptheft geschrieben, die die Kinder zuhause mit den Eltern zubereiten können. Im Alltag ist die Zeit oft knapp. Doch manchmal reicht ein kleiner Wink, um mal wieder gemeinsam zu kochen. Das kennt auch Sabine Stenzel aus Langenzeil im Lks. Oberallgäu. Die 43-jährige Bäuerin stand vor Corona schon öfter mit Jugendlichen in der Küche, im Rahmen eines Crashkurses Hauswirtschaft „Erwachsen, was nun?“, den die stellvertretende Kreisbäuerin Lucie Wölfle im Oberallgäu organisiert. Dabei geht es auch um Aha-Erlebnisse. „Manche Jugendliche wissen gar nicht, wie schnell man Pfannkuchenteig selber machen kann und dass kein Fertigprodukt dazu nötig ist“, erzählt Sabine Stenzel. Umso mehr Spaß macht es ihr, den jungen Leuten das Gewusst-wie zu vermitteln und sie fürs Selbermachen zu begeistern.

Ratschläge für Eltern

Welche guten Ratschläge, kann sie Eltern an die Hand geben?

  • Zu allererst einen Speiseplan schreiben und die Kinder mit entscheiden lassen, was auf den Tisch kommt. Anregungen gibt es viele, in Kochbüchern und Zeitschriften. „Die Kinder ruhig selber durchblättern lassen, damit sie Lust bekommen. Das mache ich, seit meine Tochter im Kindergartenalter war“, erzählt sie. Jetzt mit 15 kocht diese schon gern alleine, komplette Menüs, zu denen sie auch Oma und Opa einlädt.
  • Die Kinder zum Einkaufen mitnehmen und auch mit ihnen ernten, im eigenen Garten oder in Selbstpflückanlagen, damit sie sehen, wo was wächst und herkommt. Äpfel pflücken und daraus Apfelmus zubereiten, ist etwas Tolles für Kinder. „Wenn sie sehen, was daraus gemacht wird, wird ihre Neugier geweckt“, so die Hauswirtschaftsleiterin. Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt sehen die Kinder, dass es im Winter keine Erdbeeren gibt, also viele Obstarten und Gemüse eine Saison haben.
  • Ein schönes Kinder-Kochbuch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist eine lohnende Anschaffung. Das Buch kann auf der Arbeitsfläche aufgestellt werden und die Kinder können sehen, was sie schon alles daraus zubereitet haben. Später können die Rezepte natürlich auch aus dem Internet auf dem Tablet sein. „Aber bei kleinen Kindern will man ja die Medienzeit einschränken. Zusammen kochen ist da eine schöne Beschäftigung und gute Gelegenheit, Zeit miteinander zu haben“, so Stenzel. Die Zeit mit den Kindern gehe ohnehin viel zu schnell vorbei.
  • Den Kindern was zutrauen und selber machen lassen. Keine Angst vor Verletzungsgefahren haben, sondern von vornherein Küchenregeln aufstellen, damit den Kinder klar ist: Was ist gefährlich, was darf ich, was darf ich nicht?
  • Den Kindern hilft es sehr, ihnen mögliche Gefahrenquellen zu zeigen, zum Beispiel dass auch ausgeschaltete Kochfelder noch heiß sein können, ebenso wie Töpfe und Pfannen.
  • Gut für die Sicherheit sind auch spezielle Kinderschneidemesser-Sets, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Die Messer sind nicht spitz und schneiden trotzdem. Den Kindern macht es Spaß, damit allein werkeln zu dürfen.
  • Auf Hygiene und Ordnung achten, ist etwas, das Kinder fürs Leben lernen, vom Händewaschen bis zum Probierlöffel. „Was wir ihnen hier mitgeben, begleitet sie ihr ganzes Leben“, macht die Bäuerin bewusst.
  • Damit kein Stress aufkommt: Sich Zeit nehmen, viel vorbereiten, einfache Rezepte auswählen und die Kinder nach und nach einbinden. „Nicht alles gleich sofort verlangen. Auch wenn das Essen nicht perfekt ist, ist es kein Problem. Dann ist es so. Aber es ist selbstgekocht und das allein ist ein Erfolgserlebnis“, sagt Sabine Stenzel. Es wird ja auch immer besser, weil jeder dazu lernt, fügt sie hinzu.
  • Frisch kochen, schmeckt besser, legt sie Eltern und Kindern ans Herz: „Gelbe Rüben gibt es das ganze Jahr, da braucht man keine Tiefkühlware, auch wenn es kleingeschnittene Karotten gibt und schnell gehen muss.
  • Die Kinder alles probieren lassen, ob Hülsenfrüchte, Spargel, Brokkoli, Kohlrabi. „Irgendwann sagen sie, was sie lieber essen und was nicht so gern“, so Stenzel. Was die Kinder selber zubereiten, essen sie auch. Das sei wirklich ein Phänomen.
  • Die Phantasie spielen lassen. Sich auch mal trauen, Süßes mit Salzigem zu kombinieren. „Was spricht dagegen auch mal Obst in den Salat zu mischen. Dann schmeckt es fruchtiger“, schwärmt Sabine Stenzel. Kinder lieben es, was auszuprobieren. Sie haben viel Phantasie und damit lässt sich auch das Essen aufpeppen. Je bunter, desto besser. So kommen mehr Gemüse und Kräuter auf den Teller. Und schön garniert, genießen auch Kinder das Essen mehr. „Wenn Gäste kommen, gibt man sich auch viel Mühe. Warum also nicht auch für sich selbst?“

Gemeinsam Essen und Manieren beachten

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Zu einem guten Essen gehört für beide Bäuerinnen auch: Zusammen zu essen, mit guten Manieren. Also Handys weg, Fernseher aus, mal wirklich unter sich sein und sich ganz bewusst Zeit nehmen und die gemeinsame Zeit wertschätzen. Zumal die Kinder schnell groß werden und sich die Zeit miteinander nicht nachholen lässt.

Und was gefällt den Kindern am besten beim Kochen? Das „selber machen dürfen“, hat die siebenjährige Tochter von Maria Barth noch mal bestätigt. Für den Anfang ist auch einfach ein Hefeteig toll, aus dem die Kinder selber Semmeln formen können, weiß die Bäuerin. Mit großer Hingabe wird da geknetet und gewerkelt. „Das ist immer ein Highlight, bei dem sie sich den ganzen Nachmittag beschäftigen können“, erzählt sie. Die frisch gebackenen Semmeln werden dann zur Brotzeit serviert und von allen gelobt. Das freut natürlich jeden Koch.

Bildergalerie

Wir haben Familie Barth mit der Kamera begleitet, wie Mutter Maria mit ihren Kindern Thomas, Theresia und Antonia eine Joghurt-Apfel-Nachspeise zubereitet hat. In der Bildergalerie gibt es ein paar Eindrücke vom gemeinsamen Kochen. 

Die Kinderköche vom Grasweger Hof

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