Kirchweih

Kirche: Zeichen des Lebens

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Pfarrer Ludwig Scheiel, Gaissach
am Donnerstag, 18.10.2018 - 10:53

Bereits im 9. Jahrhundert wurde aus der Kirchweih ein weltliches Fest mit gutem Essen und vielen anderen Lustbarkeiten.

In unseren bayerischen Dörfern ist der Kirchturm ein sichtbares Zeichen christlich geprägten Lebens. Seit alters her gibt es Feste, die an den Weihetag der Kirche erinnern, Patrozinium oder Kirchweih genannt. Früher war dies ein christliches Fest, geprägt von Gottesdiensten. Bereits im 9. Jahrhundert wurde daraus auch ein weltliches Fest mit gutem Essen und vielen anderen Lustbarkeiten. Es war oft das einzige Fest, das im harten und schweren Arbeitsleben des Alltags Abwechslung brachte. Dementsprechend ausgelassen wurde gefeiert. Es nahm schnell sogar Auswüchse an mit Streit, Schlägerei, ja Unzucht.

Die Ausschweifungen wurden immer gravierender, dass sogar weltliche Herrscher durch Verbot des „Kirchweihtreibens“ wieder Ordnung herstellen wollten. Man versuchte Anfang des 19. Jahrhunderts gemeinsam eine Lösung zu finden. So wurde der dritten Sonntag im Oktober zum allgemeinen Kirchweihsonntag. Der Herbsttermin wurde bewusst gewählt, um Kirchweih mit Erntedankfesten, Almabtrieben oder Schützenfesten koppeln zu können. Am Ende eines harten Arbeitsjahres sollte gefeiert werden, bevor es in die Winterstarre ging. So wird auch heute noch in unseren Dörfern mit Kirchweih viel Brauchtum und fröhliches Feiern verbunden.

Mich treibt aber eine Sorge um. Die Möglichkeiten eines sorgenfreien, üppigen Lebens, begründet auf unserem Wohlstand, lässt die christliche Seite dieses Festes immer mehr erblassen. Die Kirchtürme unserer Dörfer dürfen nicht nur steinerne Zeichen unserer christlichen Wurzeln sein. Der Kirchplatz muss Zentrum des Lebens in unseren Dörfern bleiben.

Gemeinsam, politische Gemeinde und Pfarrei, müssen wir Orte schaffen, wo junge Familien sich wohlfühlen, wo es ortsnahe Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten gibt und mit vielen Festen und Aktionen die Gemeinschaft gestärkt wird. So kann das Kirchweihfest neuen Sinn bekommen, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um sich gegen die Land- und Dorfflucht zu stemmen. Es ist schön auf dem Land zu wohnen, es gibt Sicherheit, in einer Dorfgemeinschaft integriert zu sein.