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Ehrenamtliches Engagement

Gute Taten: Bayerische Bäuerinnen und ihr großes Herz für Menschen

Herzkissen-Landfrauen-nähen
Ludwiga Friedl, Christine Schmid, Anja Kersten, Maria Burkhardt, Toni Ledermann
am Freitag, 09.12.2022 - 08:30

Fünf Projekte mit guten Taten: Bayerische Bäuerinnen unterstützen Menschen, die es schwer haben im Leben. Für viele der Landfrauen ist das eine Herzensangelegenheit. Wo auch immer für einen guten Zweck gesammelt wird, bringen sie ihre Backkünste ein. Wertschätzung verdienen auch diese Projekte.

Nach der OP tut ein Herzkissen gut

Herzkissen-Aktion-Landfrauen

Mit ganzem Herzen sind die fünf Frauen bei der Arbeit. Sie nähen und befüllen Stoffherzen, die später im Schweinfurter Leopoldinakrankenhaus verschenkt werden. Und zwar an Frauen, die an Brustkrebs erkrankt und operiert worden sind. Wenn sie das Kissen unter den Arm klemmen, wird die Operationsnarbe entlastet. Der Wundschmerz lässt auf diese Weise nach.

Aber auch der Seele der Patientinnen scheint das Herzkissen gut zu tun. Denn obwohl die Aktion ganz anonym ist, kommen immer wieder Dankesschreiben bei Rita Jörg an. Sie ist mittlerweile Ehrenkreisbäuerin im Landkreis Bad Kissingen und koordiniert die Herzkissenaktion schon seit zehn Jahren.

Sigrid Kleinhenz, ein Mitglied der Kreisvorstandschaft, hatte damals in einer Frauenzeitschrift über eine amerikanische Krankenschwester gelesen, die das Herzkissen erfunden und an Patientinnen getestet hatte. Aus dem Internet hat sie den Schnitt kopiert und nachgearbeitet. „Die ersten Kissen gingen weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln“, erinnern sich die Frauen. Es sei berührend gewesen, wie viele Menschen vom Thema Brustkrebs persönlich betroffen sind. Bei der Gelegenheit haben die eifrigen Handarbeiterinnen erfahren, dass das Kissen gleich nach der Operation am hilfreichsten ist. So kamen sie auf die Idee, ihre Herzkissen direkt an der Krebsstation abzugeben.

Hier haben sie offene Türen eingerannt. Bereits 3000 Herzkissen wurden allein in Schweinfurt an frisch operierte Menschen weitergegeben. „Sie dürfen nicht aufhören“, habe der dortige Operateur gesagt, der bis zu seiner Pensionierung noch die 5000 vollmachen will. „Was mit unserer Pensionierung ist, hat er nicht gesagt“, scherzen die fünf Damen im Alter zwischen 61 und 75. Erika Wittmann, Helma Rüger und Renate Wehner sind die Schwestern von Rita Jörg. Sie helfen immer wieder gern, wenn Rita einen Rundruf startet mit der Bitte: „Mir brauche wieder Kisse“.

Die Stoffe sind dann schon vorgewaschen, gebügelt und zum Teil genäht, während die Schwestern die Watte in die Herzen stopfen. „170 g Bastelwatte pro Herz“, erklärt Sigrid Kleinhenz. Sie wiegt die Watte ab, die vom Krankenhaus en gros bezogen wird. Gut gestopft verzieht sich nichts und die Kissen überstehen auch die Waschmaschine. Dazu schreibt Erika Wittmann in ihrer schönen Handschrift „die besten Genesungswünsche von den BBV-Landfrauen Bad Kissingen“. So sind sie sicher, dass zu Herzen geht, was von Herzen kommt.

Eier machen alle glücklich

Eier-Spende-Nicole-Haslbeck

Als sie im Jahr 2013 mit 20 Hühnern anfingen, ahnten Markus und Nicole Haslbeck nicht, wie erfolgreich sie mit ihren Eiern aus Mobilställen werden. Das Landwirtspaar aus Unterheising im Lks. Regensburg vermarktet Eier und Nudeln aus eigener Herstellung, und hat ein Herz auch für jene, denen es nicht so gut geht.

Nicole Haslbeck weiß aus ihrer eigenen Kindheit, dass längst nicht überall immer alles im Überfluss vorhanden ist. „Bei uns war nicht alles selbstverständlich. Ich kann mich in die Leute gut reinversetzen“, sagt die junge Bäuerin. Zu Beginn von Corona habe sie an jene denken müssen, die vom Flaschensammeln leben, denen alles weggebrochen sei. Als der Eierabsatz stagnierte, lieferte sie die Menge, die übrig war, kurzerhand an die Tafeln. Der Großhandel hätte ihr die Eier mit Kusshand abgenommen, sagt sie. Doch ihr war es lieber, sie an Menschen zu geben, die sich darüber freuen. Seither spenden die Haslbecks regelmäßig Eier und Nudeln an die Tafeln in Regensburg und Neutraubling. Und damit nicht genug.

Als die Regensburger Tafel ihr neues Kühlfahrzeug mit Spenden finanzierte, überwiesen auch die Haslbecks einen vierstelligen Betrag. Und wenn für Aktionen im Kindergarten oder in der Schule Barbing der Elternbeirat Kuchen backt oder ein gesundes Frühstück auftischt, bekommt er die Eier dafür von MarOle geschenkt.

Der Name setzt sich aus Teilen der Vornamen Markus und Nicole zusammen, weil beide Hand in Hand arbeiten, und auch andere ins Boot holen. Sie sind offen für pfiffige Ideen. Zusammen mit zwei Arbeitskräften produzieren sie Eiernudeln und kooperieren mit anderen Direktvermarktern, die Eier und Fleisch der Haslbeck’schen Tiere verarbeiten.

Dazu halten sie extensiv Duroc-Schweine, Kamerun-Schafe, Dexter-Rinder, Enten, Gänse, Hähnchen und Bruderhähne. Sie verkaufen in ihrem Hofladen in Unterheising und liefern.

„Eine meiner Freundinnen lebt in Hessen, die macht Suppe im Glas aus unseren Hühnern und ich produziere Nudeln für sie“, erzählt Nicole Haslbeck. Ein paarmal im Jahr treffen sich die Familien auf halben Weg zum Warentausch, und um das Betriebliche mit Freundschaftspflege zu verbinden. So haben ihre Erzeugnisse auch weit entfernt viele Fans. „Unsere Nudeln gehen bis an die Nordsee, weil dort keiner Eiernudeln produziert“, sagt sie staunend.

Ansonsten zählen Bäcker, Metzger, Altenheime und Restaurants aus der Region zu ihren Lieferkunden; mit 30 bis 2000 Eiern pro Woche. „Wir sind breit aufgestellt. Anfangs wurden wir belächelt wegen des Riesenaufwands,“ weiß die Bäuerin. Doch ihr Konzept ging auch während der Coronazeit auf. Obwohl ein paar größere Abnehmer ausfielen, kamen dafür viele neue Kunden in den Hofladen. Die wöchentliche Nudelproduktion musste verdoppelt werden.
Daher werden die Eltern dreier Kinder im Alter von 16, sieben und fünf Jahren auch weiter ihren ureigenen Weg gehen. Und sie können aus Überzeugung sagen, dass man ruhig auch teilen kann, wenn es einem so gut geht wie ihnen. Das wollen sie auch ihren Kindern vermitteln.

Wenn Kalender viel Gutes bewirken

Kalenderfrauen-Landfrauenkalender

Seit 16 Jahren gibt es den Landfrauenkalender, der von Mitgliedern der Kreisvorstandschaft und Ortsbäuerinnen des Bayerischen Bauernverbandes aus dem Landkreis Pfaffenhofen/Ilm ehrenamtlich gemacht wird. Aus dem Verkauf spendet der dlv-Verlag, in dem auch das Wochenblatt erscheint, jedes Jahr einen Teil des Erlöses an die Dorfhelferinnen und Betriebshelferstation in Bayern. 2006 hatte die damalige Fachberaterin beim Bauernverband in Pfaffenhofen/Ilm, Petra Düring, die Idee, wie die Landfrauen in Baden-Württemberg auch für Bayern einen Kalender zu machen. Mit dem Kalender, so die Überlegung, könnte man die Kasse für die Landfrauenarbeit aufbessern.

Doch nur alleine vom Verkauf des Kalenders zu profitieren, das kam für die Bäuerinnen nicht infrage. Von Anfang an stand fest, dass sie auch andere damit beschenken möchten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und so können die Kalendermacherinnen jedes Jahr beim Landesausschuss der Landfrauen in Herrsching einen Scheck mit einer stattlichen Summe an bäuerliche Organisationen in Bayern überreichen.

Schon ein Jahr zuvor sammeln die 12 Bäuerinnen, darunter auch immer die jeweilige Kreisbäuerin, Ideen für eine Kalenderseite. Jede von ihnen übernimmt einen Monat. Da werden dann Rezepte ausprobiert, nach Bastelanleitungen Ausschau gehalten und Sprüche, Garten- und Haushaltstipps gesucht. Das Ergebnis ist jedes Jahr eine bunte Mischung mit Anregungen, die durchs Jahr begleitet. So wurde aus der Idee, dank einer Reihe engagierter Bäuerinnen, ein Werk, das jedes Jahr viel Gutes bewirkt.

Mit Fotoshooting Anerkennung verschenkt

Gerlinde-Neuhäusler

Für Menschen wie Gerlinde Neuhäusler gehört es einfach zum Leben dazu, sich auch für andere Menschen zu engagieren, die es nicht leicht haben. In ihrem Beruf als gelernte Hauswirtschafterin und Ernährungsfachfrau unterstützt sie seit über 30 Jahren die Lehrkraft im Hauswirtschaftsunterricht an der Dominikus Schule in Ursberg, wie das Förderzentrum für Geistige Entwicklung mittlerweile heißt. Gerlinde Neuhäusler liegt sehr viel daran, die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, und sie in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. Denn Inklusion sei in der Gesellschaft noch nicht so weit, wie gemeinhin angenommen. Die Jugendlichen an ihrer Schule haben es oft schwer, von Gleichaltrigen außerhalb der Schule ernst genommen zu werden. Anerkennung erfahren sie meist nur innerhalb der Familie und Werkstätten. Deshalb lässt sich die Bäuerin immer wieder etwas einfallen, damit die jungen Leute auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

So kam ihr nach einem Schulprojekt „Kleider machen Leute“ die Idee, mit den Abschlussklassen einen Kalender zu machen, mit den Schülern als Models. Die Lehrkräfte freuten sich, auch über das Angebot der Familie Neuhäusler, das Fotoshooting auf ihrem Hof zu veranstalten. Gerlinde und Erhard Neuhäusler haben ihren Nebenerwerbsbetrieb seit mehr als 25 Jahren auf Mutterkuhhaltung umgestellt und bauen auch Urgetreide wie Emmer, Einkorn und Urroggen an. So gab es zum Fotografieren viele interessante Plätze, die alle mit dem Eicher-Bulldog angesteuert wurden. Zuvor ging es zum hübsch machen in die gute Stube, die die Bäuerin mit Schmink- und Frisiertisch zur Garderobe umfunktioniert hatte.

Von allen Seiten bekam sie Dirndl, Karohemden und Lederhosen, um die jungen Leute passend auszustaffieren. Mit dem entstandenen Fotokalender erhielten diese nicht nur eine schöne Erinnerung an ihre Schulzeit, sondern auch einen bleibenden Eindruck von einem schwäbischen Bauernhof in ihrer Region.

Selbstgestricktes für Bedürftige

Sockenaktion-Landfrauen

Zu den Stricknadeln griffen die Unterallgäuer Bäuerinnen bei der Spendenaktion der BBV-Landfrauen im vergangenen Jahr. Knapp 1000 Socken, Mützen, Schals, Westen und Handschuhe konnten sie an die Hilfsorganisation humedica, die ihren Stammsitz in Kaufbeuren hat, übergeben. Margot Walser, inzwischen Ehrenkreisbäuerin, hatte die Aktion bereits im Frühjahr gestartet und viele Ortsbäuerinnen zum Mitmachen gewinnen können. Carina Freudig von humedica nahm die vielen schönen, warmen Kleidungsstücke freudestrahlend entgegen, und berichtete über die Arbeit der Hilfsorganisation, die seit über 40 Jahren besteht und in der 900 Ehrenamtliche arbeiten, um Hilfsgüter zu sammeln und meist mit eigenen Lastwagen zu in Not und Armut lebenden Menschen zu bringen. In den Ländern, in denen die Not am schlimmsten ist, wurden eigene Länderbüros eröffnet, um nah bei den Bedürftigen zu sein und die Hilfsgüter gerecht zu verteilen.

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