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Beziehungen

Die Grundlagen einer guten Freundschaft

freunde-beim-angeln: zwei Männer beim Angeln. Sie bringen gerade gemeinsam einen Köder an der Angelschnur an.
Sigrid Tinz
am Donnerstag, 28.07.2022 - 13:30

Manche Freundschaften sind vertraut wie ein Tagebuch, andere eher Zweck-Bündnisse. Wichtig sind alle auf ihre Weise. Das wird nicht nur in Liedern besungen und in Geschichten erzählt, sondern von der Wissenschaft bestätigt.

Anders als Familienbande, Partnerschaften oder Arbeitsbeziehungen ist der Begriff Freundschaft und auch die Ausgestaltung völlig frei und ungezwungen. Eine Freundschaft wird freiwillig eingegangen, aus Freude und Zuneigung. Darin liegt der Unterschied zu Bekannten oder Verwandten. Die Forschung nennt fünf Punkte, die eine Freundschaft ausmachen:

  • Freunde stehen für uns ein, auch in unserer Abwesenheit.
  • Sie unterstützen uns emotional und bieten uns Rat und Tat an, wenn wir Hilfe brauchen.
  • Wir vertrauen ihnen.
  • Wir freuen uns mit ihnen zusammen über Gutes, egal ob es uns oder ihnen widerfahren ist.
  • Wir sind glücklich, wenn wir mit ihnen zusammen sind und sie mit uns.

Allerdings: DIE Freundschaft gibt es nicht. Auch die vielzitierten „typischen Männerfreundschaften“ und „typischen Frauenfreundschaften“ sind ein Klischee. Auf Mädelsabenden geht es oft nicht weniger zotig zu als auf Herrenrunden – und auch Männer können sehr offen und persönlich miteinander umgehen.

Manche Menschen haben nur einen oder sehr wenige enge Freunde und ansonsten eher Bekanntschaften; andere haben einen großen Freundeskreis, der auch untereinander eng und in wechselnden Konstellationen befreundet ist.

Freundschaften ändern sich im Lauf des Lebens

Freundschaften sind je nach Lebensphase anders: Die ersten Freunde und Freundinnen haben Kinder meist im Kindergarten, ab zwei, drei Jahren. Allerdings haben solche Beziehungen oft noch wenig mit dem zu tun, was wir im späteren Leben als Freundschaften bezeichnen würden, es sind eher Spielkameraden, manchmal nur einen Nachmittag lang oder für den Urlaub.

Gegen Ende der Grundschulzeit wird es enger und Charakter und Interessen müssen zusammenpassen, damit man etwas miteinander anzufangen weiß. Das eine Kind interessiert sich für Tiktok und Dance-Moves, das andere liebt Sport, das dritte spielt noch mit Lego. In der Pubertät und bis zum Auszug werden Freunde wichtiger als Eltern und Familie. Das ist gut so, unterstützt es doch die Ablösung von Zuhause und das Finden der eigenen Persönlichkeit.

Im Alter wieder mehr Zeit für Freundschaften

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Bis zum Start ins Berufsleben wächst und gedeiht der Freundeskreis so in der Regel stetig. Dann, mit Elternschaft, der Pflege von Angehörigen und starker Arbeitsbelastung verkleinert sich das Netzwerk wieder. Ist die Rushhour des Lebens um, steigt das Interesse wieder, mehr mit Gleichgesinnten zu machen. Menschen über 65 Jahren verbringen wieder überdurchschnittlich viel Zeit mit Freunden, sagt die Statistik.

Und das ist auch gut so, denn auch das weiß die Wissenschaft: Wer viele gute Freunde hat, hat hohe Chancen auf ein gutes, langes Leben, ist zufriedener und gesünder als Menschen, die isoliert leben. Mit Vertrauten an der Seite werden Probleme als weniger bedrohlich empfunden. Und oft hat man einfach viel Spaß miteinander.

Freundschaften können aber auch stressig sein oder schaden: Die Freundin, die immer nur jammert und von sich selber spricht und uns das Wort abschneidet, kennen wohl alle. Oder den Freund, der sich gerne einladen lässt, aber für die Umzugshilfe noch nicht mal einen Kasten Bier spendiert. Es gibt „Freunde“, die hinterm Rücken schlecht reden und Geheimnisse ausplaudern.

Manche fordern mehr Zeit, als man geben kann oder reagieren beleidigt, wenn man sich auch noch mit anderen trifft. Andere wiederum sind unzuverlässig oder haben Spaß dran, uns runterzuputzen.

Was wenn es zum Ende einer Freundschaft kommt?

Für Liebesbeziehungen gibt es das Schlussmachen und gesetzlich geordnete Scheidungsverfahren, Arbeitsverträge werden gekündigt. Aber wie beendet man eine Freundschaft?

Selten macht man das so hochoffiziell, wie die heute 45-jährige Marliese L. es vor 15 Jahren mit ihren beiden Jugendfreundinnen gemacht hat. „Wir waren damals eine richtige kleine Gang, haben jede Landjugendfete gerockt“, erzählt sie. „Aber mit der Zeit haben wir uns komplett auseinanderentwickelt. „Ich mag sie immer noch und denke gerne an sie. Aber Treffen fand ich sehr anstrengend.“ Sie hat dann beiden einen Brief geschrieben, in dem das auch drin stand. „Ich fand, das war unsere Freundschaft wert.“ Ergebnis: Freundin eins ist sauer. „Da gibt es gar keinen Kontakt mehr. Und der anderen schicke ich einmal pro Jahr Geburtstagsgrüße.“

In den meisten Fällen aber enden Freundschaften, wenn es „knallt“ und dann ist Schluss; oder man hat irgendwie nie Zeit, meldet sich wechselseitig weniger und gut ist. Auch die Corona-Pandemie hat viele Freundeskreise neu sortiert, nicht nur weil sich manche übers Impfen-oder-nicht entzweit haben. Sondern weil man sich in Lockdown-Zeiten genauer überlegt hat, was ein „wichtiger Kontakt“ ist. Dieses Ausschleichen ist gar nicht verwerflich. Allerdings sollte man zumindest vor sich selbst ehrlich sein. Damit auch wirklich Platz ist – im Herzen und im Alltag – für neue Freunde.

So knüpft man neue Freundschaften

Aber wie findet man neue Freundschaften? Wenn man nicht mehr in der Lebenssituation ist, in der es wie nebenbei passiert?

  • Man kann Gelegenheiten nutzen: sich mit einer Bekannten vom Friedhof auch mal zum Kaffeetrinken verabreden.
  • Man kann Gelegenheiten schaffen: sich einer Gruppe anschließen. Wenn man im Dorf schon jeden kennt, dann vielleicht in der nächst größeren Stadt. Je nach Interessen gibt es dort mehr Auswahl an Vereinen.
  • Oder: Eben nicht die Hauseinweihungsfete der Cousine absagen, weil man da eh keinen kennt. Sondern genau deshalb hinfahren und neue Leute kennenlernen. Das Museum nicht alleine erkunden, sondern eine Führung buchen und mit den anderen Teilnehmern und Teilnehmerinnen Eindrücke austauschen und dann vielleicht gemeinsam einen neuen Ausflugstipp anvisieren.

Nicht aus jedem Kontakt wird eine tiefe Freundschaft, klar. Aber wer generell kontaktfreudig ist, strahlt das auch aus – und bekommt noch mehr Kontakte. Außerdem bleibt man „in Übung“, die Chance auch zu nutzen. mit Energie und Zeit, Verabredungen und Unternehmungen den zarten Anfang zu einer richtigen Freundschaft auszubauen. Soziale Netzwerke und Messangerdienste sind hierbei deutlich besser als ihr Ruf.

Soziale Netzwerke helfen beim Kontakt halten

Studien zeigen, dass Menschen ihre Freundschaft als umso vertrauter empfinden, je häufiger sie sich Nachrichten schicken.

Marliese L. kann das bestätigen. Aus Studienzeiten hat sie eine gute Freundin, mittlerweile leben die beiden „jeweils am anderen Ende von Deutschland.“ Ein Ratsch am Gartenzaun ist nie möglich und mit Corona fiel auch das jährliche Besuchsritual weg. „In der Pandemie haben wir uns angewöhnt, uns täglich lange Audios zu schicken. Mit allem, was passiert ist oder nicht passiert ist, was uns so bewegt.“ Fast wie ein Tagebuch sei das, sagt sie. „Aus einer guten Freundin ist so via Social Media die beste und wichtigste geworden.“

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