Weihnachten

Gemeinsam planen und anpacken

Der Vater stellt mit dem Sohn den Baum für Weihnachten auf.
Dipl. Ing. agrar Peter Jantsch
am Sonntag, 20.12.2020 - 08:55

Weihnachten kommt so plötzlich und stresst oft alle Beteiligten. Mit diesen Tipps gelingt das Fest miteinander.

An Weihnachten hängen hohe Erwartungen. Ein „Fest der Liebe“ soll es sein, entspannt und besinnlich im Kreis der Liebsten.

In der Familie sind aber viele schon das ganze Jahr eher im Dauerstress, überlastet von den täglichen Anforderungen, ungeübt darin, wertschätzend und achtsam miteinander zu kommunizieren. Für die Partnerschaft, für sich besinnen ist im Alltagstrubel schlicht keine Zeit.

Und das soll jetzt an diesen heiligen Tagen möglich sein, indem man noch mehr putzt, backt, kocht, Glitzersterne aufhängt und unter dem Anspruch steht, jedem eine Freude zu machen, ganz persönlich und von Herzen? Als ob man das ganze Jahr im Schongang unterwegs war, um jetzt zum krönenden Abschluss mit Genuss auch mal unter Voll-Last zu laufen?

Große Sehnsucht nach Ruhe und Leichtigkeit

Dabei besteht eigentlich eine große Sehnsucht danach zu all dem zu kommen, was während des Frühjahrs, des Sommers und im Herbst zu kurz gekommen ist: Ruhe, Erholung, Partnerschaft, Leichtigkeit, Begegnungen, Zeit für sich selbst, als Familie, als Paar.

Zu kaum einer Gelegenheit gibt es eine so hohe gesellschaftliche Überfrachtung mit Erwartungen wie zu Weihnachten. Dazu kommen persönliche Bedürfnisse an die Festtage, überhöhte romantisierte Erinnerungen an „früher“ mit dem Anspruch, es mindestens genauso schön zu machen dieses Jahr, oder besser noch es zu übertreffen. Alle diese Erwartungen und Vorstellungen sind meistens diffus und unausgesprochen. „Es ist doch klar, dass Weihnachten schön sein soll.“

Kritisch: Überkommene Rollenverteilungen

Überkommene Rollenverteilungen setzen dem dann noch die Krone auf, wenn an Heilig Abend die Familie zusammenkommt, und während die Mutter noch gestresst in der Küche rotiert, die restliche Familie erwartungsnervös und ungeduldig zur Eile mahnt.

Das muss doch schiefgehen – oder geht es auch anders? Was könnte die Lösung sein? Wie könnte man es anpacken, da in diesem Jahr ohnehin vieles anders ist?

  • Reden Sie rechtzeitig über Erwartungen: Klären Sie zusammen mit Ihren Familienmitgliedern früh genug, was Sie eigentlich von Weihnachten wollen. Was sind Ihre eigenen Bedürfnisse? Was die der anderen? Wie müssten die Feiertage aussehen, wenn man sich an den Bedürfnissen orientieren würde, und nicht an dem „üblichen Fahrplan“?
  • Definieren Sie zusammen, wie Weihnachten dieses Jahr sein könnte. Bei hohem Erwartungsdruck besteht die Gefahr, in Stress zu geraten und beim Versuch möglichst allem gerecht werden zu wollen ein Gesamtpaket zu schnüren, das nicht zu leisten ist. Weniger ist mehr!
  • Teilen Sie Aufgaben und Verantwortung angemessen auf. Jeder soll das Gefühl haben, Weihnachten ist ein gemeinsames Fest, bei dem alle zusammen an einem Strang ziehen. Wenn Sie aufschreiben, was alles zu tun ist, kann alles nacheinander abgehakt werden, was erledigt ist.

Miteinander ist wichtiger als perfekte Weihnachten

Lassen Sie auch mal Fünfe gerade sein. Die gemeinsame Vorbereitung ist wichtiger als das Ergebnis! Beschließen Sie, dass das Miteinander von höherem Wert ist, als „perfekte Weihnachten“. Und wenn es anders kommt: lachen Sie. Humor hilft (fast) immer.

Packen Sie das Programm nicht zu dicht, damit zwischendurch jeder auch durchatmen kann. Irgendwas kommt immer anders.

Ein Trick gegen Konflikte während der Festtage: Machen Sie sich klar, dass Sie gemeinsam schöne Weihnachten feiern wollen und was Sie dazu beitragen wollen, damit es gelingt. Gleichzeitig beschreiben Sie das, was schief gehen könnte und was das gemeinsame Ziel gefährden könnte. Wenn es stressig wird, kämpfen Sie dann gemeinsam dagegen und nicht gegeneinander!

Gelegenheit um neue Traditionen zu schaffen

Schaffen Sie ein neues Ritual! Das jetzt anstehende Weihnachten kann der ideale Zeitpunkt sein, eine neue Tradition zu beginnen. Feiern Sie Weihnachten so, dass es an den Kern des landwirtschaftlichen Miteinanders erinnert: Wertschätzung der Tiere, von denen der Betrieb lebt, das Land symbolisch segnen, sich für den hohen gemeinsamen Einsatz gegenseitig bedanken, an all das erinnern, was gelungen ist, usw. Von Herzen kommende Gesten sind oft wertvoller als teure Geschenke.

Heilig Abend ist das Fest von der Geburt einer Verheißung. Der Neugeborene war zum Zeitpunkt der Geburt noch kein Heilsbringer, sondern die Ankündigung zukünftigen Heils. Es ist der Aufbruch zu neuen Zeiten. Geburten sind bekanntlich mit Arbeit und Schmerzen verbunden und kein harmonisches Zuckerschlecken.

Feiern Sie also Weihnachten als das was es ist: Die Geburt von etwas mit hohem Wert für Sie, dem Sie Schritt für Schritt entgegenwachsen wollen.

Zusammen mit den Tagen „zwischen den Jahren“, in denen oft Rückschau gehalten wird, und Neujahr, da Vorsätze formuliert werden, kann die Weihnachtszeit im besten Sinne eine Zeit der Besinnung, der Achtsamkeit, des Miteinanders und des Neubeginns sein.

Erste Hilfe am Festtag

  • Sich gegenseitig im Blick haben. Fragen, wie es einem geht, ob man irgendwo unterstützt werden möchte.
  • Vorher einen Notfall-Code vereinbaren, der einen daran erinnert, dass man ein gemeinsames Ziel hat.
  • Auslöser von Konflikten sind in der Regel Banalitäten, die ein schon überreiztes Fass zum Überlaufen bringen. Überschäumende Emotionen herunterkochen. Tief durchatmen. Zwischen auslösendem Tropfen und gefülltem Fass unterscheiden.
  • Nicht nach Schuld suchen, sondern nach einem konstruktiven Umgang mit der eingetretenen Situation.
  • „Und“ statt „aber“: „Der Christbaum ist wunderschön geworden UND ich bin enttäuscht, dass der Nachtisch angebrannt ist.
  • Auch wenn es in den meisten Zeiten des Jahres richtig und gut ist, Konflikte gleich zu klären und nach echten Lösungen zu suchen, an Weihnachten darf man das auch mal vertagen. Für diese paar Tage darf man Ungereimtheiten auch mal weglächeln.
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