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Brauchtum

Fronleichnam symbolisiert Gegenwart von Gott

Fronleichnam
Pfarrer Hermann Ehle, Krumbach-Niederraunau
am Mittwoch, 19.06.2019 - 10:30

Fronleichnam könnte in unserer wirren Welt für unsere Religionen bei ihrem Suchen nach Gott ein kraftvoller Anschub werden, über alle trennenden Grenzen hinweg eine gemeinsame und menschlichere Welt zu Wege zu bringen?

Am Fronleichnamstag sind in katholischen Gegenden wieder die Festprozessionen durch die Dörfer und Städte unterwegs: „magna cum pompa“. Diese Tradition geht zurück bis ins hohe Mittelalter, als ein Prämonstratensertheologe aus purer Publicity die hergebrachte Lehre der Kirche von der realen Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie in Frage gestellt hatte.

Voll zur Entfaltung kam die Fronleichnamsprozession dann aber nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges im Barock, um mit ihr die Freude über den „Gott in unserer Mitte“ mit allen Sinnen wie ein „Baden in Gott“ zu feiern.

Auf Seiten der Protestanten und der Liberalen regte sich verständlicher Widerstand gegen diesen „Straßen-Schaulauf“. In den orthodoxen Kirchen des Ostens wurde angesichts der überaus festlichen Liturgien des Himmels bereits hier auf Erden gefeiert: Für Fronleichnam war da kein Platz mehr: „Wir verehren die heiligen Gaben, weil wir sie zur Krankenkommunion aufbewahren, nicht aber, um sie zu verehren.“

In der Moderne verformte sich die Fronleichnamsprozession schließlich zu einer bilderträchtigen Folklore fürs Fernsehen, nicht allerdings in den vielen ländlichen Gemeinden, in denen Fronleichnam immer noch ein sinnenfreudiges „Baden“ in der Religion geblieben ist. So wie man es neuerdings in der spirituellen Wellnessbranche und Psychotherapie mit dem „Waldbaden“ ähnlich versucht oder bei Rockkonzerten und Fußballveranstaltungen dem „Bad in der Menge“?

Könnte nicht, angesichts dieser sehr unterschiedlichen Perspektiven, gerade das Fronleichnamsfest in unserer wirren Welt für unsere Religionen bei ihrem Suchen nach Gott ein kraftvoller Anschub werden, über alle trennenden Grenzen hinweg eine gemeinsame und menschlichere Welt zu Wege zu bringen?

Wenn ich recht sehe, ist Papst Franziskus genau in dieser Mission unterwegs: Die Religionen und Konfessionen mit ihren verschiedenen Perspektiven für ein großes, gemeinsames Zukunftsprojekt zu mobilisieren, etwa wenn er ins orthodoxe Rumänien oder nach Abu Dabi und Marokko reist.