Geschlechterverteilung

Frauen in der Landwirtschaft unterrepräsentiert

Landwirtschaft
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 25.08.2020 - 12:14

Nur rund 36 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen. Und die wenigsten davon arbeiten in Führungspositionen.

In Deutschland arbeiten laut Statistischem Bundesamt rund 940.000 Menschen in der Landwirtschaft. Nur etwa 341.000 bzw. 36 Prozent davon sind Frauen (Stand 2016). Damit liegt der Frauenanteil in der Landwirtschaft deutlich unter dem Schnitt über alle Berufssparten – dieser liegt in Deutschland bei 46,5 Prozent (Stand 2018). Darauf weist das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft hin.

Laut einer agri-Experts-Umfrage, an der 514 Frauen aus der Landwirtschaft teilnahmen, arbeitet ein Viertel aller Frauen als Angestellte in Teil- oder Vollzeit und 29 Prozent in Selbstständigkeit. 40 Prozent haben gar kein vertragliches Arbeitsverhältnis.

Zwei Drittel aller befragten Frauen geben an, dass ihre Haupttätigkeit in der Stallarbeit und Tierversorgung liegt. 62 Prozent nannten Buchführung und Büromanagement. Feldarbeit gaben dagegen weniger als ein Viertel aller Umfrageteilnehmerinnen an.

Das Geschlechterverhältnis in der Landwirtschaft Frauen Männer
Familienarbeitskräfte 42,9% 50,6%
Ständige Arbeitskräfte 19,2% 23,3%
Saisonarbeitskräfte 37,9% 26,2%

Wenig Führungspositionen

Wie eine Eurostat-Statistik aus diesem Jahr deutlich macht, ist der Anteil an weiblichen Führungskräften in der deutschen Landwirtschaft auffallend gering. Nur knapp 10 Prozent der 2016 gezählten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Und das, obwohl rund 22 Prozent aller hiesigen Landwirtinnen einen landwirtschaftlichen Hochschulabschluss haben.

Im EU-weiten Durchschnitt gibt es 28 Prozent Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen. Damit liegt Deutschland in der EU weit abgeschlagen auf Rang 25. Weniger Frauen in Führungspositionen waren der EU-Statistik zufolge nur noch in Dänemark (8 %), Malta (6 %) und den Niederlanden (5 %) zu finden. Die meisten Betriebsleiterinnen gibt es in Lettland und Litauen mit jeweils 45 Prozent.

Bereits in der Ausbldung geringer Frauenanteil

2018 gab es in Deutschland knapp 7.400 weibliche Auszubildende in den Grünen Berufen.

Im Jahr 2018 lag der Anteil der weiblichen Auszubildenden im Agrarbereich bei knapp 23 Prozent und ist damit über die vergangenen Jahre relativ konstant.

Die Agrarberufe mit den meisten weiblichen Auszubildenden sind: Hauswirtschafter/in (98 %), Pferdewirt/in (87 %), Tierwirt/in (48 %) und Pflanzentechnolog/in (53 %).

In der Ausbildungssparte "Landwirt/in" gibt es dagegen nur 17 Prozent Frauen. Allerdings mit steigender Tendenz: Im Jahr 2005 lag der Anteil an Landwirtinnen noch bei weniger als 9 Prozent.

Große Unterschiede zwischen den Kontinenten

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO sind weltweit 45 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft weiblich. Allerdings mit großen Unterschieden: In Afrika und Asien liegt der Frauenanteil bei etwa 60 Prozent in Lateinamerika dagegen nur bei 20 Prozent.

Das Land ist meist im Besitz der Männer. Frauen besitzen weltweit weniger als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Auch die Arbeit ist häufig ungleich verteilt. In Entwicklungsländern in Afrika, Asien und im Pazifik arbeiten Frauen in der Landwirtschaft durchschnittlich 12 bis 13 Stunden mehr pro Woche als Männer.

Frauen wissen Ressourcen besser zu nutzen

Studien der FAO belegen: Wenn Bäuerinnen den gleichen Zugang zu Ressourcen hätten wie Männer, könnten die Ernteerträge um fast ein Drittel gesteigert werden. Die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt könnte mit dieser Produktivitätssteigerungen um bis zu 150 Millionen reduziert werden.

Frauen investieren bis zu 90 Prozent ihres Einkommens wieder in ihre Haushalte - das ist Geld, das für Ernährung, Gesundheit, Schule und einkommensschaffende Aktivitäten ausgegeben wird.