Kindererziehung

Entwicklungsstörungen: Fördern hilft häufig

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Anja Kersten
am Dienstag, 30.03.2021 - 15:30

Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Doch manchmal tauchen bei einzelnen Entwicklungsschritten Probleme auf. Dann sind Eltern verunsichert, können aber mit Unterstützung rechnen, wenn sie ihre Sorgen ansprechen.

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Während einige noch Strichmännchen hinkrikseln, malen Gleichaltrige manchmal schon Bilder mit vielen Details. Die einen können schon in ganzen Sätzen reden, wenn andere gerade mal einzelne Wörter sprechen. Manche wiederum überspringen einfach einen Entwicklungsschritt, krabbeln gar nicht und fangen gleich an zu laufen.

In den meisten Fällen ist das kein Grund, sich Sorgen zu machen. Denn nicht jedes Kind kann alles gleich gut. Doch es gibt auch Probleme in der Entwicklung, bei denen man sich Hilfe holen sollte, um das Kind gezielt zu fördern.

Jedes Kind folgt seinem Tempo

Ein Porträt von Dominik Zerelles. Er hat dunkle Haare und trägt einen Schnauz- und einen Kinnbart. Er trägt ein weißes Hemd mit offenem Kragen.

Jedes Kind hat in jedem Entwicklungsbereich sein eigenes Tempo oder wie es ein Sprichwort aus Afrika ausdrückt: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. „Innerhalb gewisser Grenzen sind Unterschiede im Entwicklungsstand völlig normal“, so Dominik Zerelles bei einer Online-Veranstaltung beim Tag der jungen Landfrauen des BBV Pfaffenhofen über Entwicklungsstörungen. Der Sonderpädagoge arbeitet an der KoKi, der Fachberatungsstelle für die junge Familie in Pfaffenhofen/Ilm. Er rät jungen Eltern, sich nicht von den Erzählungen anderer Mütter und Väter über das Können ihres Kindes einschüchtern zu lassen. Denn die Eltern würden natürlich lieber das berichten, was ihr Kind kann und nicht das, was das Kind noch nicht kann.

Meilensteine beim Großwerden

Die Entwicklungsstörungen beginnen ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der frühen Kindheit und es gibt einen stetigen Verlauf.

Es gibt allerdings auch Meilensteine (mehr zu Meilensteinen lesen Sie hier), wann Kinder einzelne Entwicklungsschritte erreicht haben sollten, wann sie zum Beispiel in ganzen Sätzen sprechen, wann sie laufen oder Zusammenhänge verstehen sollten. Ist das auch nach einer bestimmten Wartezeit nicht der Fall, kann eine Entwicklungsstörung vorliegen. „Der Begriff klingt in den Ohren von Eltern oft schlimmer als er ist“, erklärt der Pädagoge. Es gibt tief greifende Entwicklungsstörungen wie den frühkindlichen Autismus, die sich lebenslang auswirken werden. Viele Entwicklungsstörungen sind inzwischen jedoch mit entsprechender Förderung so gut behandelbar, dass die Kinder oft ohne Beeinträchtigungen leben können und die Störung im Alltag später gar nicht auffällt.

Doch wie erkennt man, ob es sich um eine Entwicklungsstörung handelt oder nur darum, dass das Kind vielleicht etwas später dran ist? „Egal, um welche Entwicklungsstörungen es sich handelt, es gibt ein paar wichtige Punkte, die allen gemeinsam sind“, so Dominik Zerelles. Die Entwicklungsstörungen beginnen ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der frühen Kindheit und es gibt einen stetigen Verlauf. Das heißt, die Störungen lassen nicht einmal nach und treten dann wieder auf, sie werden nicht schlechter oder besser, sondern sind immer vorhanden. 

Daran erkennt man Entwicklungsstörungen

Es gibt drei wichtige Bereiche, in denen Entwicklungsstörungen häufig auftreten, nämlich Sprache, Motorik und schulische Fertigkeiten.

Charakteristisch für Entwicklungsstörungen ist, dass sich bestimmte Fähigkeiten oder Funktionen eingeschränkt oder verzögert entwickeln. Meilensteine der Entwicklung werden nicht erreicht. Diese Fähigkeiten und Funktionen hängen eng mit der Reifung des Gehirns zusammen. ADHS gehört dabei nicht zu den Entwicklungsstörungen.

Es gibt drei wichtige Bereiche, in denen Entwicklungsstörungen häufig auftreten: Sprache, Motorik und schulische Fertigkeiten wie Lesen, Rechnen oder Rechtschreiben.

  • Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung haben Schwierigkeiten sich auszudrücken oder andere zu verstehen. Sie haben zum Beispiel einen geringen Wortschatz, lassen Wörter aus oder haben Probleme einzelne Laute zu bilden. Wenn sie Probleme beim Sprachverständnis haben, verstehen sie oft nicht, was andere zu ihnen sagen. Deshalb reagieren sie oft nicht so, wie man es von Kindern in ihrem Alter erwartet.
  • Motorische Entwicklungsstörungen fallen oft nicht gleich auf. Störungen in der Feinmotorik fallen dann auf, wenn ein Kind beispielsweise im Kindergarten nicht drei Klötzchen aufeinander stellen kann oder Schwierigkeiten beim Schneiden und Falten hat. Bei grobmotorischen Störungen sind sie ungeschickt beim Fangen und Werfen von Bällen und tun sich schwer, auf einem Bein zu hüpfen oder das Gleichgewicht zu halten.
  • Die schulischen Entwicklungsstörungen fallen erst dann auf, wenn das Kind in die Schule kommt und beispielsweise Schwierigkeiten beim Schreiben oder Lesen hat. „Mit einer verminderten Intelligenz haben diese Entwicklungsstörungen in vielen Fällen nichts zu tun“, beruhigt der Pädagoge und nennt die Legasthenie (Lese-/Rechtschreibschwäche) als Beispiel. Wie alle Entwicklungsstörungen kann sie nicht geheilt, aber therapiert werden. Dazu muss sie aber erkannt werden.

Kinder nicht mit Gleichaltrigen vergleichen

Es geht nicht darum, das Kind immer mit anderen Kindern in seinem Alter zu vergleichen, sondern sein Kind aufmerksam zu beobachten.

„Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl“, lautet deshalb der wichtigste Tipp von Dominik Zerelles an Eltern und Großeltern, wenn sie den Verdacht haben, das Kind entwickle sich nicht altersgemäß. Dabei gehe es nicht darum, das Kind immer mit anderen Kindern in seinem Alter zu vergleichen, sondern darum, sein Kind aufmerksam zu beobachten, ohne gleich in Panik zu verfallen. „Wenn Sie dann das Gefühl haben, irgendwas stimmt nicht, dann spielen Sie das nicht herunter oder ignorieren Sie das, sondern fragen Sie bei der nächsten Früherkennungsuntersuchung Ihren Kinderarzt.“

Dieser kann Eltern dann an Stellen verweisen, um den Verdacht einer Entwicklungsstörung abzuklären. Auch wenn bei manchen Eltern die Diagnose „Entwicklungsstörung“ erst einmal ein Schock ist, es ist alles andere als ein Weltuntergang. Denn genauso wenig wie es perfekte Eltern gibt, existiert das perfekte Kind und genauso wenig wie wir alles können, muss ein Kind alles können.

Kinder nicht auf die Störung reduzieren!

Es wird keinem Kind gerecht, wenn es nur auf seine Störung reduziert wird. „Jedes Kind, auch ein Kind mit einer Entwicklungsstörung, hat neben seiner Schwäche viele Stärken“, so Zerelles. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Kinder in dem, was sie können bestärken und nicht immer nur das üben, was sie nicht können. Dass der Bruder oder die Schwester etwas nicht so gut kann, das kann man auch den Geschwistern sagen, ohne dass man gleich von einer Entwicklungsstörung spricht, ist der Pädagoge überzeugt.

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