Zum Sonntag

Vom Diener und Dienen

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Pater Dr. Rupert Hemminger, St. Ottilien
am Donnerstag, 20.09.2018 - 09:40

Dass der Minister nichts anderes als der lateinische Begriff für Diener ist, scheint heute weithin vergessen zu sein.

Im Internet gibt es ja nichts mehr, was es nicht gibt: Bei Wikipedia gebe ich einfach einen Begriff ein und finde alle Bedeutungen, die dieses Wort hat. Dem Evangelium des Sonntags entsprechend habe ich das Wort „Diener“ mal ein wenig genauer angeschaut. Laut Internet-Lexikon bezeichnet dieses Wort zunächst einmal einen abhängig Arbeitenden, der für seinen Herrn bestimmte häusliche Pflichten erfüllt. Als Wörter mit gleicher Bedeutung werden Butler, Lakai, Leibeigener und natürlich auch Knecht und Sklave angeführt. Und es werden eine Reihe von Unterbegriffen unterschieden: Besitzdiener, Hausdiener, Kammerdiener oder Leibdiener.

Was ich besonders interessant fand, war der Ausdruck, „einen Diener machen“. Dieser alte Ausdruck bedeutet so viel wie „eine tiefe Verneigung machen“. Einen Diener machte man früher vor hohen Herrschaften, vor kirchlichen Würdenträgern etwa oder gekrönten Häuptern.

Eine Bezeichnung taucht bei all den Begriffen gar nicht auf, obwohl sie vom Wort her eigentlich nichts anderes als „Diener“ bedeutet: Die Gruppe jener hohen Herrschaften nämlich, vor denen man auch heute noch, zumindest innerlich, eine tiefe Verneigung macht, so sie einem bei Veranstaltungen über den Weg laufen: vor den Ministern und Ministerinnen des Staates nämlich.

Dass der Minister nichts anderes als der lateinische Begriff für Diener ist, scheint heute weithin vergessen zu sein. Gerade aber in diesen Tagen, in denen sich so viele Männer und Frauen um ein Amt im Parlament bewerben und manche davon träumen, ein Ministeramt zu erlangen, ist es durchaus angezeigt, auf den ursprünglichen Bedeutungsgehalt des Wortes zu verweisen. Das Amt eines Ministers hat nichts mit Karriere zu tun. Das Ministeramt ist ein Dienstamt, so wie es im Wort Staatsdiener zum Ausdruck kommt.

Jesus erinnert im Evangelium daran, dass nur der wirkliche Größe besitzt, der anderen dient.
Und nur diejenigen Minister und Ministerinnen, die sich dafür nicht zu schade sind, die uns allen wirklich dienen, nur die sind am Ende wirklich wert, dass wir vor ihnen einen Diener machen.