Großelterntag

Danke an Oma und Opa

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Sigrid Tinz
am Freitag, 08.10.2021 - 10:00

Großeltern schenken Enkeln Zeit, Geld und viel Liebe. Um das zu würdigen, gibt es in einigen Ländern dieser Welt einen Großelterntag. In Bayern wurde der zweite Sonntag im Oktober auserkoren, um Danke zu sagen und zu feiern.

Nico ist die kleine Hauptfigur im Bilderbuch „Von Großeltern, Piranhas und vielem mehr“. Darin erzählt er in lustiger Kindermundmanier, was er und sein Opa zusammen erleben. Sie angeln und spielen Piraten im Wohnzimmer, sie beobachten Vögel und besuchen die Nachbarin, um Kakao und Kuchen zu schlemmen. Viele Kinder werden das aus ihrem eigenen Alltag kennen.

Wo es bei den Eltern immer schnell gehen muss, haben Großeltern Zeit. Sie begutachten jede Baustelle, jeden Laden und jedes bunte Blatt auf dem Boden ausführlichst, gehen mit den Kindern schwimmen oder ins Puppentheater, lesen Bücher vor, basteln und backen Pfannkuchen, wann und so viel die Enkel nur möchten. Auch deren Eltern helfen sie viel, passen auf, steuern etwas zur Babyausstattung bei und versorgen den Nachwuchs, wenn die Eltern im Stall sind, zum Einkaufen oder mal abends ins Kino gehen, wenn sie krank sind oder arbeiten gehen – im deutschen Durchschnitt 35 Stunden pro Monat.

Rund um die Welt ist das nicht viel anders. Viele afrikanische Kinder siedeln für Wochen und Monate ganz zu den Großeltern um, weil die Eltern hunderte Kilometer entfernt arbeiten; osteuropäische Kinder ebenso. Die Eltern sind als Pflegekräfte oder zur Erntearbeit im Ausland, die Kinder bei Babuschka. Und in manchen Ländern Asiens lebt die Oma üblicherweise im gleichen Haus mit Kindern und Enkeln.

Beweise in der Evolutionswissenschaft

Ein kleines Mädchen (etwa 1 Jahr alt) sitzt auf dem Schoß von Oma.

Glückliche Kinder, die solche Bilderbuch-Großeltern haben. „Ältere Mitglieder einer Sippe ermöglichen es den jungen, Wissen zu sammeln und spezielle Kenntnisse und Erfahrungen und auch (materielle) Werte an die folgenden Generationen weiterzugeben“, so formulieren es Evolutionswissenschaftler.

Es braucht ein Rudel, um ein Kind groß zu ziehen, oder ein Dorf. Oder eben die Großeltern. All das, was die so machen – Babysitten, Kuchen backen, durch Geldgeschenke Wünsche erfüllen, Beistand leisten – nennt sich indirekte Brutpflege. Dank indirekter Brutpflege kommen mehr Enkelkinder besser durchs Leben.

Beziehung schon im Babyalter aufbauen

Je früher die Beziehung zu liebevollen Großeltern beginnt – am besten noch in der Babyzeit – desto sicherer und wirksamer ist sie. Auch in der Pubertät, bei gesundheitlichen Problemen oder wenn die Eltern auseinandergehen. Hier können enge Bezugspersonen helfen, dass die Trennung oder Scheidung auch im Sinne der Kinder abläuft.

Großeltern können sich kümmern, wenn die Kinder zwischen die Fronten oder ins Abseits geraten, weil die Eltern zu sehr mit ihren Streitigkeiten und Gefühlen beschäftigt sind. Sie können zuhören und reden, ohne sie in Loyalitätskonflikte zu stürzen – wenn es gelingt, sich aus den Streitereien rauszuhalten und keinen der Beteiligten schlecht zu reden. Ein Recht auf Umgang haben die Großeltern nicht per se. Aber das Kind hat ein Recht auf Umgang mit seinen Großeltern, wenn es seinem Wohl dient.

Eltern und Großeltern sollen an einem Strang ziehen

Manche Eltern überlassen den „Alten“ ungern ihr Kind, zu ungleich sind oft die Vorstellungen über die richtige Ernährung und Pädagogik. Wenn sich die Großeltern bemühen, so zu sein, wie sie es sich früher von ihren Eltern und Schwiegereltern gewünscht hätten, und wenn die Eltern versuchen, so zu sein, wie sie es sich wünschen, wenn sie mal selber Enkel haben, ist schon ein Schritt getan. Die Perspektiven zu wechseln und den anderen verstehen zu wollen, hilft oft mehr, als auf seinem Recht zu beharren.

Am besten setzt man sich einmal in Ruhe zusammen und redet gemeinsam darüber, statt innerlich zu grollen und zu hadern. Vielleicht gibt es Kompromisse, mit denen beide gut leben können. Für die Kinder ist es in der Regel ohnehin kein Problem. Sie können durchaus zwischen verschiedenen Lebensweisen unterscheiden und gut damit leben, dass sie bei Oma und Opa weniger herumtoben dürfen als zu Hause, aber dafür mehr Schokolade essen dürfen.

Fehlende Oma durch Paten-Oma ersetzen

Eine Oma sitzt mit ihrer Enkelin, etwa 8 Jahre alt, auf dem Bett und liest ihr ein Buch vor.

Sicherlich werden Kinder auch ohne Großeltern erwachsen. Nicht alle haben schließlich so engagierte Omas und Opas wie Nico und seine Freunde. Manche sind schon tot, leben zu weit weg, haben keine Zeit oder kein Interesse. Sie würden sich nie Oma nennen lassen: „Niemals, ich heiße Renate!“ Und babysitten wollen oder können sie „heut´ grad nicht“. Ein bisschen lässt sich diese Lücke füllen mit Ersatzgroßeltern.

In manchen Gegenden gibt es Paten-Oma-Vermittlungen und vielleicht ist ja auch jemand aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis gerne Großvater. Für die Kinder ist es auf jeden Fall gut, wenn sie auch in der älteren Generation Bezugspersonen haben. Solche, die im Idealfall wie die Bilderbuchgroßeltern immer ein Rosinenbrötchen in der Tasche, einen Eintopf auf dem Herd und ein paar dicke Socken in Arbeit haben, Weidenpfeifchen schnitzen und gerne mitspielen, wenn im Wohnzimmer ein ganzer Bauernhof aufgebaut wird und die vielen Tiere versorgt werden wollen. Und vielleicht finden Kinder so ein Vorbild für sich, wenn sie irgendwann selber Enkelkinder haben, auch wenn die eigenen Großeltern als Rollenmodell nicht greifbar waren.

Enkel und Großeltern profitieren voneinander

Denn grundsätzlich profitieren Enkel von ihren Großeltern. Das gilt übrigens auch umgekehrt. Großeltern lernen von ihren Enkeln „netflixen“ und Smoothies mixen, bleiben fit im Kopf, weil sie zwanzig Mal die Frage beantworten, wo die Sterne morgens hingehen und warum der Mond da bleibt. Und Burgen bauen, ob aus Sand, Bausteinen oder Sofakissen, ist besser als jede Physiotherapie.

Kurz: Enkelkinder sind reine Lebensfreude – und sie kennen sich mit Smartphones aus. Das sagt auch Nico aus dem Buch an einer Stelle: Dass Opa ganz viel weiß, aber bei seinem Handy muss er, Nico, ihm immer helfen. Denn als Opa klein war, konnte man mit Telefonen wirklich nur telefonieren.

 

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Großelterntag auch international

Um die besondere Rolle von Großeltern zu würdigen, hat Bayern als erstes Bundesland 2019 einen „Großelterntag“ eingeführt. Er findet am zweiten Sonntag im Oktober statt. Papst Franziskus hat dieses Jahr einen eigenen katholischen „Welttag der Großeltern und Senioren“ ausgerufen. Der neue Gedenktag, mit dem der Papst die Rolle älterer Menschen stärken möchte, wird in jedem Jahr am vierten Sonntag im Juli begangen werden, in zeitlicher Nähe zum Namenstag der Großeltern Jesu, der Heiligen Anna und Joachim, am 26. Juli. In vielen Teilen der Welt werden Oma- und Opatage als Ehrentag begangen, um deren freiwillige und unbezahlte Arbeit als Betreuer, Kulturvermittler und Ratgeber wertzuschätzen und als schöner Anlass, um seinen Großeltern zu sagen, wie sehr man sie mag.

 

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