Zeit der Ernte

Dank für Ernte und mehr

Erntedank
Gerhard Schleier, ev. Landjugendpfarrer Pappenheim
am Mittwoch, 02.10.2019 - 15:10

Ein Blick auf das eigene Leben zeigt, was man im Persönlichen „ernten“ hat dürfen.

Am Sonntag ist Erntedankfest. Wir erleben an diesem Tag und in diesen Wochen viele Tage, wo es ums „Danken“ geht. Gestern der 3. Oktober. Vor 30 Jahren waren wir mitten im großen Ereignis „Wiedervereinigung“. Der 9. November mit dem Mauerfall ist uns allen noch sehr gut in Erinnerung – bei den meisten mit einer großen Portion Dankbarkeit, dass das Ganze friedlich abgelaufen ist. Ende des Monats denken evangelischen Christen mit Dankbarkeit an den Beginn der Reformation.

Und persönlich: Kennen Sie das, wenn man mit mulmigem Gefühl zum Doktor geht, ein bisschen ängstlich auf seine Diagnose wartet – und er dann sagt „Alles in Ordnung!“? Dann wissen Sie, wie Sie in diesem Moment ein Gefühl von Dankbarkeit wie ein warmer Strom erfasst hat. Oder, wie es mir heuer im Sommer erging: keine besonders gute Diagnose, aber die Auskunft „da können wir helfen!“. Dafür war ich sehr dankbar. Vor allem um die Menschen, die dann mit mir als Mensch einerseits und mit ihren medizinischen Apparaturen andererseits gut umgehen konnten – und ich jetzt voller Dankbarkeit wieder eine gute Perspektive habe …

Ja, auch an so etwas kann man beim Erntedankfest denken. Da geht es eben um mehr als religiöse Folklore mit dem bunt geschmückten Altar in der Kirche, Äpfel und Birnen, gelbe Rüben und Kartoffeln. Da kann man ruhig auch mal auf sein ganzes Leben schauen. Auf das, was man im Persönlichen „ernten“ hat dürfen. Wohl geratene Kinder vielleicht. Eine sich ständig intensivierende Partnerschaft. Ein gutes Auskommen. Keine Angst vor dem Älterwerden. Eine prima Dorfgemeinschaft. Und vieles mehr.

Ja, auch Mangel wird einem einfallen. Aber das hat der liebe Gott für unser Leben so vorgesehen. Es ist eben nicht alles paradiesisch. Aber ganz schön viel.Ich glaube nicht, dass einem nichts einfällt, wofür man dankbar sein kann. Manchmal sind es Kleinigkeiten. Manchmal die ganz großen Dinge. Auf jeden Fall aber: nicht allein durch’s Leben zu gehen. Denn einer ist auf jeden Fall dabei, der liebe Gott selber. Na, und dafür kann man auf jeden Fall sehr dankbar sein.