Gedanken zu Weihnachten

Bischof Meier: „Gehen wir zu Josef!“

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Bischof Dr. Bertram Meier
am Donnerstag, 24.12.2020 - 07:30

Worte der Ermutigung in Coronazeiten von Augsburgs Bischof Bertram Meier.

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So etwas haben wir wohl alle noch nicht erlebt. Ein ganz eigenes Jahr neigt sich dem Ende zu. Corona war keine kurzzeitige Episode. Der Virus prägt unser Leben, bis heute. Trotz all der Hoffnungen auf einen baldigen Start der Impfungen sind die Perspektiven eher düster. Die Zahlen sind hoch und wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass uns die Einschränkungen noch längere Zeit begleiten werden. Es geht weiterhin darum, alles zu tun und auf noch mehr zu verzichten, um unsere Mitmenschen nicht zu gefährden. So unterstützen wir die Maßnahmen, die von unseren Politikern und den Verantwortlichen in den Gesundheitsämtern ergriffen werden.

Doch ist das alles, was wir als Kirche zu Corona sagen können? Nein – wir können uns sozial engagieren und tun das auch, wir beten für die Kranken und Verstorbenen, die Helferinnen und Helfer, die Betrübten und Verunsicherten. Und wir finden Worte der Ermutigung in dieser schweren Zeit, gerade an Weihnachten, dem Fest der Beziehung und Liebe.

Der Heilige Josef als Fürsprecher in der Not

Blicken wir zum Beispiel auf den hl. Josef, den Nährvater Jesu und den Schutzpatron der Kirche. „Geht zu Josef!“ (Gen 41,55) Während einer Hungersnot in Ägypten gibt der Pharao diesen guten Rat, indem er auf den ehemaligen hebräischen Sklaven verweist, den seine Brüder für ein paar Silbermünzen verkauft haben. Geht zu Josef!

Die Kirche zeigt damit auf Marias Verlobten, den Zimmermann aus Nazareth. Er gehört zu den großen Fürsprechern in allen Nöten. Gerade in dieser Zeit der Unsicherheit und gesundheitlichen Gefährdung dürfen auch wir den stillen, aber treuen und verlässlichen Mann im Hintergrund um seinen Schutz und um Ermutigung bitten.

Die Kirche ist immer noch da!

In dieser Krise, in der die Verunsicherung auch viele Ängste zu Tage bringt, haben wir als Kirche ein Angebot, das wir uns nicht selbst gegeben haben und das uns keiner nehmen kann. Wir wollen und dürfen es uns auch nicht nehmen lassen. Im Gegenteil: Die Kirche hat von Jesus Christus selbst Heilsmittel in die Wiege gelegt bekommen, die sie auch weiterhin anbieten wird – kreativ und vielfältig. Gerade jetzt in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten sehe ich es als Bischof von Augsburg als meine Pflicht, auf diese Schatztruhe des Heils hinzuweisen.

Da ist das Wort Gottes, das uns Christen aller Konfessionen verbindet. Lesen wir in dieser Zeit wieder mehr in der Heiligen Schrift. Lassen wir uns inspirieren vom „Wort des Lebens“, das uns geschenkt wird. Holen wir wieder eine Bibel aus dem Regal, die vielleicht schon verstaubt ist, aber gerade jetzt zu neuem Leben erweckt werden will. Gerade in dieser Zeit merken wir: Das Wort Gottes ist mehr als das, was zwischen zwei Buchdeckel passt.

Miteinander online beten

Auch gibt es – neben dem gemeinschaftlichen Gottesdienst – Möglichkeiten, Onlineangebote zu festigen und darin auf sichere Weise den gemeinsamen Glauben weiter zu vertiefen. Neben anderen guten Projekten denke ich dabei an die Gebetsinitiative „Einfach gemeinsam BETEN“, die auch in diesen Wochen wieder Angebote macht; zu finden sind sie unter: www.credo-online.de.

Auch unsere ökumenische Telefonseelsorge steht bereit, wenn Sie Sorgen und Ängste haben: Wählen Sie einfach (ohne Vorwahl): 116 123. Sie finden dort immer – rund um die Uhr – ein offenes Ohr. Anonymität und Vertraulichkeit sind bei diesem Angebot jederzeit garantiert.

Auch Luther half den Kranken

Gerade jetzt dürfen wir nicht nach dem Motto handeln: In der Not ist sich erstmal jeder selbst der Nächste. Auch Christen sind davor nicht gefeit. Martin Luther, den ich in Verbundenheit mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern nennen möchte, hat es am Ende des Mittelalters so erlebt: Als die Seuchen grassierten, sind alle, die reich und fit waren, panisch aus den Städten geflohen. Ihre Kranken und Bedürftigen ließen sie dabei einfach zurück.

Luther fand diesen Zustand schlimm. Auch wenn er um die drohenden Gefahren wusste, schrieb er: „Wo aber mein Nächster meiner bedarf, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen“ (aus „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“, 1527). Das sind alte Worte, aber mit einer klaren Ansage.

Niemanden alleine lassen

Die Kirche darf nicht fliehen. Wir müssen bei den Menschen sein und bleiben – gerade jetzt, wo wir dem Weihnachtsfest entgegengehen. Nutzen Sie vermehrt das Telefon! Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Meiner Mutter im Seniorenheim tut es gut, wenn ich als Sohn und auch Bekannte und Freundinnen sie anrufen.

Gehen wir zu Josef, dessen Hochfest wir während des ersten Lockdowns begingen und der auch in der Weihnachtserzählung eine wichtige Rolle spielen wird!

Ich hoffe, dass ich Sie mit diesen Gedanken ein wenig ermutigen und stärken konnte. Wir werden die Coronakrise meistern – und sie im Rückspiegel vielleicht sogar als Chance sehen, wieder mehr zum Wesentlichen unseres Glaubens vorzudringen und als Kirche(n) mehr zusammenzurücken – geistlich.

Viele brauchen jetzt Trost und Nähe – innerlich. Beten wir mit den Bischöfen Europas: „Befreie uns von Krankheit und Angst, heile unsere Kranken, tröste ihre Familien, gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit, den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft, den Verstorbenen das Ewige Leben.“

Lassen Sie sich von Christus umarmen! (Ignatius von Loyola) Es segne Sie der allmächtige und treue Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Die Kirche darf nicht fliehen. Wir müssen bei den Menschen sein und bleiben.

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