Staatsgut Schwarzenau

Ausbildungsdevise: Auf Augenhöhe mit den Azubis

Ausbildung-Schwarzenau
Peter Budig
am Freitag, 25.09.2020 - 11:26

Auf dem Staatsgut Schwarzenau in Unterfranken bilden zwei junge Ausbilder mehrere Lehrlinge aus. Das bietet Vorteile und schafft ein gutes Klima.

Ausbildung-Schwarzenau

Ein heißer Sommertag, früh im August. Xaver Himmelsbach, Michael Reinhart, Gregor Graf und Florian Gehrig, alle 18 Jahre alt, sind noch einmal zurückgekommen an ihren ehemaligen Ausbildungsplatz. Zum Staatsgut Schwarzenau, gut 20 km östlich von Würzburg. Alle vier haben hier ihre Ausbildung zum Landwirt absolviert. Sie haben die Gesellenprüfung abgelegt oder ihr Lehrjahr vor wenigen Tagen beendet. Die meisten der jungen Männer werden nach einem Praxisjahr die Meisterschule besuchen. Sie sind eigens gekommen, um von ihrer Ausbildung in Schwarzenau mit Schwerpunkt Schweinezucht und -haltung zu berichten. Und es gibt keine zwei Meinungen: „Es war super!“, sagen alle.

Im Wesentlichen waren zwei Ausbilder für sie zuständig: Betriebsleiter Hartmut Dittmann, Schwerpunkt Schweinezucht und -haltung und sein Stellvertreter Konstantin Röther, zuständig für den Pflanzenbau und das Versuchszentrum Nord-West Bayern.

Lernen - eine Leben lang

Kaum ein Beruf ist so vielseitig wie der des Landwirts, man lernt ein Leben lang nicht aus. „Ein Landwirt ist Tierarzt, Tierpfleger, Schlosser, Experte für Steuerrecht, Elektriker, Experte für Boden, Pflanzen und Düngung, Fahrer von Schwerstfahrzeugen, Ausbilder und Arbeiter in Personalunion“, zählt Röther auf. „Von all diesen Fachbereichen versuchen wir möglichst viel zu vermitteln.“ Er war, genauso wie Dittmann, einst selbst Lehrling in Schwarzenau und hat an die Ausbildung noch die Fortbildung zum Techniker für Landbau bzw. zum Agraringenieur angehängt.

Das Staatsgut, das muss man einräumen, hat optimale Voraussetzungen für die Ausbildung und ist deshalb nur bedingt vergleichbar mit einem klassischen Ausbildungsbetrieb: Es ist kein reiner Produktionsbetrieb, sondern eine Aus- und Fortbildungseinrichtung des Landwirtschaftsministeriums mit dem Schwerpunkt Schweinezucht und -haltung. Alle Lehrlinge in Bayern mit Fachrichtung Schwein absolvieren hier eine Schwerpunktwoche. Es gibt neben der beruflichen Bildung ein Internat mit Küchenbetrieb, die Leistungsprüfung beim Schwein mit Versuchsschlachthaus und eine enge Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Landwirtschaft, die hier Versuche durchführt und forscht.

Gemeinschaft von Lehrlingen

Für die Azubis waren bei der Auswahl ihres Ausbildungsbetriebes weiche Standortfaktoren wichtig: „Wir haben hier praktisch in einer WG gewohnt, in der Freizeit waren wir unter uns“, erzählt Michael Reinhart. „Wenn Du die Ausbildung auf einem klassischen Bauernhof machst, gehörst Du zur Familie. Du bist zu 100 Prozent darauf angewiesen, dass die Chemie stimmt und hast deutlich weniger Privatsphäre als wir hier.“ Florian Gehrig wirft ein: „Das fängt schon damit an, dass wir hier mehrere Ausbilder haben. Du bist nicht auf eine Person fixiert.“

Auch die vielen Vorschriften, die im Jugendarbeitsschutzgesetz stehen, wie die Arbeitszeit oder der Freizeitausgleich für Überstunden und Wochenenden, sind auf dem Staatsgut klar geregelt: Es gibt eine Stechkarte für Tagesstunden und viel Selbstbestimmung. Ausbilder Dittmann erklärt: „Die Azubis sollen miteinander planen, wer an welchem Wochenende im Stall ist, um selbstständig Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu werden. Wenn das gar nicht klappt, kann ich als Ausbilder immer noch eingreifen.“

Ausbildungs- und Versuchszentrum für Schweinehaltung

Außerhalb des Gutshofes hat der Freistaat Bayern 2008 ein Ausbildungs- und Versuchszentrum für Schweinehaltung errichtet. Dieses ist aktuell um drei neue Tierwohlställe erweitert worden. In allen Stallungen ist penible Sauberkeit das oberste Gebot! „Einduschen, Schutzunterwäsche, ein frisch gewaschener Einheitsoverall, eigene desinfizierte Gummistiefel und freiwilliges Ausduschen sind hier Gesetz für Lehrlinge, Ausbilder, Tierärzte, Stallarbeiter und Besucher“, erläutert Dittmann. Eines seiner Ausbildungsziele ist, dass die Lehrlinge die Hygienemaßnahmen auch auf ihren eigenen Betrieben fortsetzen. „Das Wesentliche ist, die Schuhe nur im Stall zu tragen und zu säubern, das Werkzeug, die Besen zwischen Stall und Hof strikt zu trennen“, zeigt Dittmann Verständnis für die Praxis der Schweinebetriebe.

Doch die Schweine sind nur ein Teil der Ausbildung in Schwarzenau. Die Landwirtschaft als Grundlage der Futtermittelgewinnung gehört ebenso dazu wie das beliebte Fahrzeugtraining. So eine Feldmaschine kostet sehr viel Geld, doch die Ausbilder vertrauen ihren Lehrlingen. „Der verantwortungsvolle Umgang damit ist den meisten unserer Lehrlinge von zu Hause seit Jahren vertraut“, betont Ausbilder Röther.

Grundsätze einer guten Ausbildung

Und was sind die Geheimnisse guter Ausbildung, jenseits der idealen Voraussetzungen eines staatlichen Musterbetriebs? Thomas Schwarzmann, Leiter des gesamten Versuchs- und Bildungszentrums Schwarzenau und Renate Feld, Leiterin der Hauswirtschaft, gesellen sich zur Runde. „Das wichtigste ist klare, direkte Kommunikation. Probleme ansprechen. Wer spricht, führt“, sagt Schwarzmann. Hilfreich sei auch, dass beide Ausbilder noch relativ jung sind, Landwirte der neuen Generation. So seien sie auf Augenhöhe mit den Lehrlingen. Schwarzmann erklärt ein weiteres Ausbildungsziel: „Wir vermitteln, dass es viele Chancen gibt, einen Hof durch eigenes Tun gut zu führen. Es ist aber auch wichtig, die Kehrseite davon zu zeigen, nämlich, dass man durch eigene Schludrigkeit den Betrieb ruinieren kann!“

Doch zur guten Ausbildung in Schwarzenau zählen nicht nur Handwerk und Fachwissen. „Für die jungen Leute sind bestimmte Höflichkeitsregeln, wie wir sie uns vorstellen, nicht immer selbstverständlich“, räumt Renate Feld ein. Deshalb werden auch soziale und gesellschaftliche Verhaltensregeln in der Ausbildung vermittelt. Ein Austausch zwischen den Bereichen Land- und Hauswirtschaft wird den Lehrlingen auf freiwilliger Basis ebenfalls angeboten.
Zu den herausragenden Möglichkeiten des Staatsbetriebes gehört eben diese runde Sache. Wer hier gelernt hat, weiß, dass er Glück hatte. Die Lehrlinge nehmen alles mit, um die Ausbildung später selbst auf hohem Niveau weitergeben zu können. Ein perfekter Einstieg in die Landwirtschaft, die nie nur ein Job sein wird, sondern immer eine Berufung bleibt.