26.04.2010 10:05

Natürliche Schädlingsbekämpfung

Hilfe für befallene Kastanien

München - Seit einigen Jahren setzt der weiß blühenden Gemeinen Rosskastanie, die das Bild vieler Dörfer, Höfe und Biergärten in Bayern prägt, ein Schädling zu. Die Kastanien-Miniermotte frisst sich durch die Blätter der stattlichen Bäume. Manche Kastanienbäume verlieren deshalb bereits im Sommer viel Laub und werden unansehnlich. Nun hat es sich gezeigt, dass Meisen bei der Bekämpfung helfen. Auch mit Lockfallen lässt sich der Befall dezimieren.

© Klemp / re-natur
Meisen sind sehr lernfähig. Man denke an das Beispiel aus Großbritannien: Dort lernten diese Singvögel, die Aluminiumdeckel von Milchflaschen aufzupicken, um an den Schmand zu gelangen. Einen ähnlichen Lernprozess haben Kohl- und Blaumeisen inzwischen durchgemacht, indem sie aus den Blättern befallener Rosskastanien die darin verborgenen Larven und Puppen der Kastanienminiermotte heraus picken. Vogelbeobachter aus dem Südwesten Deutschlands beobachteten 2009, dass Blau- wie auch Kohlmeisen von frühmorgens bis spätabends befallene Rosskastanien anflogen und mit Miniermottenlarven ihre Jungen fütterten. „Bislang gingen wir davon aus, dass die erstmals 1984 im albanisch-mazedonischen Grenzgebiet aufgetauchte Kastanienminiermotte bei uns keine natürlichen Feinde in der Vogelwelt hat“, berichtet Dr. Helmut Haardt, Abteilungsleiter Biologischer Pflanzenschutz bei der re-natur GmbH. Um so mehr freut sich der Fachmann über die Kunde aus Freiburg im Breisgau. Dort hat Martin Leser, stellvertretender Leiter des Garten- und Tiefbauamtes die Initiative ergriffen und in der Werkstatt der Justizvollzugsanstalt zunächst 300 Meisenkästen bauen lassen. Im Rahmen der Initiative „Freiburg packt an“ hat die Ortsgruppe des Naturschutzbund Deutschland das Aufhängen der Kästen übernommen. Die Vogelschützer werden im Sommer sehr genau festhalten, in wie weit sich die Förderung der Meisen auf den Gesundheitszustand der Kastanien positiv auswirkt.
„Natürlich werden wir auch weiterhin das herabgefallene Kastanienlaub einsammeln und verbrennen. Darin nämlich überwintern die verpuppten Miniermotten. Und zusätzlich arbeiten wir mit Lockstoff-Fallen“, erklärt Martin Leser. Diese Lockstoff-Fallen enthalten die konzentrierten Sexualdüfte der weiblichen Miniermotten. Die Düfte locken die männlichen Miniermotten an – die in den Fallen umkommenden Männchen können die Weibchen nicht mehr befruchten und die Population wird geschwächt. „Am besten ist,“ so Dr. Haardt von re-natur, „die Fallen bereits beim Laubaustrieb im unteren Kronenbereich aufzuhängen.“ Mit jeder neuen Befüllung werden die Fallen dann höher im Baum aufgehängt.“ Ist ein Rosskastanienbaum von der Kastanienminiermotte betroffen, empfiehlt es sich in den Bäumen oder anderswo auf dem Grundstück Meisenkästen aufzuhängen. Mehr Infos über die Kastanienminiermotte und ihre Bekämpfung auf www.re-natur.de In deren online-Shop sind auch die Lockstoff-Fallen erhältlich. Wer eine Rosskastanie als Hausbaum neu pflanzen möchte, für den dürften auch die rot- oder gelb blühenden Rosskastanienarten interessant sein, die bislang nicht von der Miniermotte betroffen sind. Mehr dazu in Ausgabe 17.
Leserbrief schreibenArtikel versenden
Termine
Branchenbuch
Mit einem Klick auf die Lupe können Sie Produkte und Spezialisten finden.

Hier können Sie sich ins Branchenbuch eintragen!
Service
Jobportal
dlv-Jobportal

Jobs und Karriere im Grünen Bereich