29.07.2010 09:12:29

Aufbruchstimmung

Sepp Kellerer
 
 
Liebe Leser,
   
die Messe Interforst in München ist zunächst einmal eine Ausstellung von Forsttechnik – im Jahr 2010 eine sehr erfolgreiche, jedenfalls nach Darstellung der Veranstalter und der Aussteller. Es herrscht Aufbruchstimmung in der Forst(technik)branche (Seite 45). Warum wir das „Technik“ hier in Klammern setzen? Nun, weil auch die Waldbesitzer einigen Anlass haben, optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Momentan „läuft“ der Holzmarkt. Wer derzeit in den Wald geht, kann seine Ware vom Rückefahrzeug praktisch direkt auf den LKW verladen, und die Preise sind durchaus lukrativ (Seite 52). Man sollte den Bogen aber nicht überspannen und die Nachfrage bedienen, einmal, um anderen Versorgungswegen einen Riegel vorzuschieben, zum anderen, um endlich den geflügelten Satz zu widerlegen, dass Holz eine Aktie ist, die nur bei sinkenden Preisen verkauft wird. Da Holz derzeit gefragt ist, kommt natür­lich die Forderung auf, dass die stoffliche Verwertung von Holz Vorrang haben müsse vor der energetischen. Auch auf der Interforst wurde das diskutiert. Die Waldbesitzer können sich getrost zurücklehnen und dies dem Markt überlassen. Wenn verschiedene Verwertungen um den gleichen Rohstoff konkurrieren, kann dies nur den Absatz fördern und den Preis zumindest absichern. Und wenn man sich vor Augen hält, dass Deutschland jedes Jahr 100 Mrd. Euro bezahlt, um im Ausland Energie einzukaufen, dann relativiert sich damit der Streit um die Verwertung auch.
Die Waldbesitzer haben einiges vorzuweisen und auch zu sagen, doch sie sollten dies nicht nur im eigenen Dunstkreis tun, sondern in der Öffentlichkeit. Dies jedenfalls meint Philipp Freiherr zu  Guttenberg, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Er geht hier mit gutem Beispiel voran. Die Forderung, fünf Prozent der Waldfläche stillzulegen, ist für ihn „auf gut bayerisch ein Schmarrn“. Warum sollten die Eigentümer dieser Waldflächen, das, was sie über Generationen an Natur und Ökologie geschaffen und gepflegt haben, plötzlich vernichten wollen? Den ökonomischen Aspekt wollen wir hier gar nicht ansprechen, den sozialen aber schon. Fünf Prozent Flächenstilllegung im Wald würde den Verlust von 40 000 Arbeitsplätzen in Deutschland bedeuten. Deshalb sind für Guttenberg die Stilllegungspläne „ein Anschlag auf die Nachhaltigkeit“.
 
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